Angestellter oder Beamter im öffentlichen Dienst – was ist besser?

Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst stehen vor der Frage: Beamter oder Angestellter – was ist die bessere Wahl?

Der Unterschied betrifft nicht nur das Bruttogehalt, sondern auch weitere Aspekte wie Nettoeinkommen, Altersvorsorge, Arbeitszeit, Urlaub und Krankenversicherung.

Angestellte vs Beamte – Unterschiede im Überblick

Merkmal Angestellte (TVöD / TV-L) Beamte
Bezahlung Entgelt (z. B. E9a, E10) Besoldung (z. B. A9, A10)
Altersvorsorge Rente + Zusatzversorgung (VBL) Pension
Kündigung nach Tarifvertrag möglich praktisch ausgeschlossen
Krankenversicherung gesetzliche KV Beihilfe + private KV
Rechtsgrundlagen Arbeitsrecht (TVöD / TV-L) Beamtenrecht

Gehalt im Vergleich: E9b (TVöD) vs A9 (Beamte)

Es werden Stellen als Sachbearbeiter (E9b TVöD VKA) vs Beamter (A9 NRW/Bund) verglichen (Stand: 2026):

Beispiel: ledig, Steuerklasse 1 (Jahreswerte)

E9b TVöD (VKA) A9 Beamte
Jahresbrutto ca. 50.000 – 68.000 € (je nach Stufe, inkl. Jahressonderzahlung) ca. 42.000 – 52.000 € (je nach Erfahrungsstufe)
Jahresnetto ca. 31.000 – 41.000 € ca. 33.000 – 41.000 € (vor Abzug privater KV)

➡️ Bei vergleichbaren Tätigkeiten liegt das Nettoeinkommen häufig auf ähnlichem Niveau, teilweise mit leichtem Vorteil für Beamte aufgrund geringerer gesetzlicher Sozialabgaben (vor Abzug der Beiträge zur privaten Krankenversicherung).

Beispiel: verheiratet, 2 Kinder (Jahreswerte)

E9b TVöD (VKA) A9 Beamte
Jahresnetto ca. 37.000 – 47.000 € ca. 43.000 – 54.000 € (vor Abzug privater KV)

➡️ Durch Familienzuschläge und Beihilfe haben Beamte mit Kindern zum Teil ein spürbar höheres Nettoeinkommen. Der Vorteil ist jedoch stark von individuellen Faktoren (z. B. Tarife der privaten Krankenversicherung, Mietenstufe des Wohnorts, Steuerklasse) abhängig.

Gehalt im Vergleich: EG 11 (TVöD) vs A 11 (Beamte, NRW, Endstufe)

Im gehobenen Dienst bei langjähriger Berufserfahrung: EG 11 (TVöD VKA, Stufe 6) vs A 11 (Beamte NRW, Stufe 12) (Stand: 2026/2027).

Beispiel: ledig, Steuerklasse 1, keine Kinder

EG 11 TVöD (VKA, Stufe 6) A 11 Beamte (NRW, Stufe 12)
Monatliches Brutto ca. 6.800 € (inkl. Jahressonderzahlung & LOB) ca. 5.250 – 5.300 € (Grundgehalt)
Jahresbrutto ca. 81.000 – 83.000 € (inkl. Jahressonderzahlung & LOB) ca. 63.000 – 64.000 €
Netto / Monat ca. 4.050 – 4.350 € ca. 3.800 – 4.000 € (vor Abzug privater KV)
Netto / Jahr ca. 49.000 – 52.000 € ca. 45.000 – 48.000 € (vor Abzug privater KV)

➡️ In den oberen Entgeltgruppen kann das Jahresnetto beim TVöD höher ausfallen als die Beamtenbesoldung, da das deutlich höhere Tarifbrutto (inkl. Jahressonderzahlung und leistungsorientierter Bezahlung) die Sozialversicherungsabgaben überkompensiert.

Mehr Details: TVöD Entgelttabelle | Besoldung Beamte

Warum unterscheiden sich die Nettoeinkommen?

Beamte sind nicht sozialversicherungspflichtig. Sie zahlen keine gesetzlichen Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- oder Krankenversicherung.

Dadurch sind die Abzüge vom Bruttogehalt deutlich geringer. Stattdessen tragen Beamte die Beiträge für eine private Krankenversicherung (Restkostenversicherung), die durch die Beihilfe des Dienstherrn ergänzt wird.

Bei vergleichbaren Bruttogehältern führt dies häufig zu einem ähnlichen oder leicht höheren Nettoeinkommen bei Beamten.

In höheren Entgeltgruppen (z. B. EG 11 vs. A 11) gleicht das spürbar höhere Bruttogehalt im TVöD diesen Vorteil jedoch häufig aus oder übertrifft ihn, sodass das Jahresnetto bei Tarifbeschäftigten gleich hoch oder sogar höher liegt.

Arbeitszeit und Urlaub im Vergleich – Relevanz für den Stundenlohn

Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt bei Tarifbeschäftigten meist 39 Stunden pro Woche (im TVöD-VKA) bzw. 38,5 bis 40 Stunden (im TV-L). Bei Beamtinnen und Beamten liegt sie je nach Dienstherr (Bund oder Bundesland) in der Regel bei 40 bis 41 Stunden pro Woche.

Beim Erholungsurlaub haben Tarifbeschäftigte nach dem TVöD ab 2027 Anspruch auf 31 Urlaubstage pro Kalenderjahr (im Bereich der Sparkassen ab 2027: 33 Tage). Für Beamtinnen und Beamte liegt der gesetzliche Urlaubsanspruch in Bund und Ländern in der Regel weiterhin bei 30 Arbeitstagen. An Heiligabend und Silvester sind beide Statusgruppen grundsätzlich unter Fortzahlung der Bezüge bzw. des Entgelts dienstfrei gestellt.

Finanzielle Auswirkung auf den effektiven Stundenlohn:
Eine um 1 bis 2 Stunden höhere Wochenarbeitszeit bei Beamten summiert sich im Jahresverlauf auf rund 50 bis über 100 zusätzliche Arbeitsstunden (entspricht bis zu 2,5 Arbeitswochen Mehrarbeit pro Jahr). Bezieht man das Nettoeinkommen auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden, fällt der rechnerische Stundenlohn bei Angestellten spürbar günstiger aus. Ein vermeintlicher Besoldungsvorteil von Beamten relativiert sich dadurch oder kehrt sich zugunsten der Tarifbeschäftigten um.

Altersvorsorge: Pension vs Rente

Beamte erhalten im Ruhestand eine Pension von bis zu ca. 71,75 % des letzten ruhegehaltsfähigen Dienstbezuges.

Angestellte erhalten:

Die Altersversorgung von Beamten fällt häufig höher aus.

Voraussetzungen für die Verbeamtung

Ein Wechsel vom Angestelltenverhältnis in ein Beamtenverhältnis ist grundsätzlich möglich, es besteht jedoch kein Anspruch darauf.

Weitere Informationen: Voraussetzungen für die Verbeamtung

Kündigungsschutz und Sicherheit

Beamte: praktisch unkündbar.

Angestellte: sehr hoher, aber nicht absoluter Kündigungsschutz.

Rechtliche Grundlagen und Status

Beamte: öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis nach Beamtenstatusgesetz.

Angestellte: Arbeitsvertrag nach Tarifvertrag (zum Beispiel TVöD oder TV-L).

Pflichten und Rechte

Beamte:

Angestellte:

Wann lohnt sich Beamter – wann Angestellter?

Beamter lohnt sich besonders, wenn:

Angestellter lohnt sich eher, wenn:

FAQ – Beamte vs Angestellte im öffentlichen Dienst

Verdienen Beamte mehr als Angestellte?

Beim Bruttogehalt liegen Angestellte zumeist vorne. Durch geringere Abgaben kann das Netto bei Beamten höher sein. Je nach Voraussetzungen kann jedoch auch das Netto von Angestellten höher ausfallen.

Ist man als Angestellter im öffentlichen Dienst unsicher beschäftigt?

Nein. Kündigungen sind selten, insbesondere bei unbefristeten Verträgen.

Warum verbeamtet der Staat überhaupt?

Um staatliche Aufgaben dauerhaft, neutral und unabhängig sicherzustellen.

Was sind die wichtigsten Vor- und Nachteile?

Beamte haben hohe Sicherheit und Pension, aber weniger Flexibilität. Angestellte sind flexibler, haben aber keine Pension.

Was passiert bei Krankheit?

Beamte erhalten weiterhin ihre vollen Dienstbezüge. Angestellte erhalten 6 Wochen Entgeltfortzahlung und anschließend Krankengeld von der Krankenkasse, das durch einen Arbeitgeberzuschuss (nach § 22 TVöD) aufgestockt werden kann.

Wer hat bessere Karrierechancen?

Beamte haben feste Laufbahnen, Angestellte mehr Flexibilität beim Aufstieg.

Welche Unterschiede gibt es bei Familienleistungen?

Beamte erhalten Familienzuschläge, die das Einkommen deutlich erhöhen können.

Angestellte im öffentlichen Dienst profitieren dagegen häufig von der kostenlosen Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, bei der Ehepartner und Kinder ohne eigene Beiträge mitversichert sein können.

Wo finde ich die aktuellen Gehälter?

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