Zusatzversorgung öffentlicher Dienst

Was ist die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst?

Die Zusatzversorgung ist neben der gesetzlichen Rente ein zentraler Baustein der Altersvorsorge für Tarifbeschäftigte (Angestellte) des öffentlichen Dienstes. Sie wird häufig auch als Betriebsrente, Zusatzrente, VBL-Rente oder ZVK-Rente bezeichnet.

Die konkreten Leistungen der Zusatzversorgung vereinbaren die Tarifvertragsparteien des öffentlichen Dienstes in den jeweiligen Tarifverträgen, wie beispielsweise dem TVöD Bund, dem TVöD VKA, dem TV-L, dem TV-V oder dem TV-N.

Zusatzversorgung – Das Wichtigste auf einen Blick:
• Betriebliche Altersversorgung: Ergänzt die gesetzliche Rente für Angestellte im öffentlichen Dienst.
und • Pflichtversicherung: Für die meisten Tarifbeschäftigten besteht automatisch eine Pflichtmitgliedschaft.
• Gemeinsame Finanzierung: Arbeitgeber und Beschäftigte tragen die Beiträge zusammen.
• Träger: Die bekannteste Anstalt ist die VBL, auf kommunaler Ebene entscheiden die jeweiligen ZVKs.
• Berechnung: Die Rentenhöhe richtet sich nach Entgelt, Versicherungsdauer und gesammelten Versorgungspunkten.

Die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst (ZÖD) ist eine Pflichtversicherung – weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer können im Regelfall darauf verzichten. Wird in einem Arbeitsvertrag lediglich die Anwendung des TVöD vereinbart, entsteht daraus jedoch nicht automatisch ein Anspruch auf eine Leistung, die dem Pflichtversicherungstarif der VBL entspricht.

Höhe der Zusatzversorgung berechnen

Mit dem folgenden Rechner können Sie die voraussichtliche Höhe Ihrer Zusatzrente überschlägig ermitteln. Den genauen verbindlichen Anspruch teilt Ihnen die für Sie zuständige Zusatzversorgungskasse mit.

Alle Angaben ohne Gewähr. Fehler melden: [email protected]


Rechtsgrundlage der Zusatzversorgung

Im Bereich des TVöD VKA ist der Anspruch auf betriebliche Altersversorgung verankert:

§ 25 Betriebliche Altersversorgung TVöD VKA

„Die Beschäftigten haben Anspruch auf Versicherung unter eigener Beteiligung zum Zwecke einer zusätzlichen Alters- und Hinterbliebenenversorgung nach Maßgabe des Tarifvertrages (...).“

(Fassung: Änderungsvereinbarung Nr. 16–18 vom 1. Oktober 2024)

Für kommunale Arbeitgeber regelt der ATV-K die Details der Zusatzversorgung.
Kostenloser PDF-Download: Altersvorsorge-TV-Kommunal (ATV-K, Lesefassung Nr. 8)

Anspruch auf Zusatzrente

Die Zusatzversorgungskasse zahlt eine Betriebsrente aus, sobald ein gesetzlicher Anspruch auf eine Altersrente, Erwerbsminderungsrente oder Hinterbliebenenrente besteht.

Ergänzend können Beschäftigte freiwillige Eigenbeiträge leisten. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen freiwilliger Versicherung und der geförderten Entgeltumwandlung.

Finanzierung der Zusatzversorgung

Die Finanzierung erfolgt solidarisch durch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge. Bei der Pflichtversicherung übernimmt der Arbeitgeber den Hauptanteil, während sich Beschäftigte über einen monatlichen Abzug vom Bruttogehalt beteiligen. Die Beitragsberechnung erfolgt auf Basis des zusatzversorgungspflichtigen Entgelts.

Wie entstehen Versorgungspunkte?

Seit der Umstellung im Jahr 2002 basiert die Zusatzversorgung auf einem Punktemodell:

💡 Praxis-Beispiel: Wie wird die Zusatzrente berechnet?

Die Berechnung basiert auf der Formel: (Jahreseinkommen ÷ 1.000) × Altersfaktor = Versorgungspunkte

  • Monatsgehalt: 4.000 € brutto (= 48.000 € zusatzversorgungspflichtiges Entgelt im Jahr)
  • Altersfaktor: 1,5 (Beispiel für ein Alter von ca. 30 Jahren)
  • Berechnung für das Jahr: (48.000 € ÷ 1.000) × 1,5 = 72 Versorgungspunkte

Jeder gesammelte Versorgungspunkt bringt beim Renteneintritt aktuell 4,00 € monatliche Betriebsrente. Für dieses eine Jahr ergibt sich somit ein lebenslanger Rentenanspruch von 288,00 € im Monat (72 Punkte × 4,00 €).

Entgeltumwandlung im öffentlichen Dienst

Tarifbeschäftigte haben das Recht, Teile ihres Gehalts steuer- und sozialabgabenfrei für eine zusätzliche private Altersvorsorge umzuwandeln.
Kostenloser PDF-Download: Tarifvertrag zur Entgeltumwandlung (TV-EUmw/VKA)

Übersicht der Zusatzversorgungskassen (ZVK)

Neben der VBL (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder) existiert eine Vielzahl kommunaler und regionaler Versorgungskassen:

  • Bayerische Versorgungskammer BVK (München), Bayerischer Versorgungsverband, Zusatzversorgungskasse der bayerischen Gemeinden
  • Emder Zusatzversorgungskasse für Sparkassen (Emden)
  • Kommunale Versorgungskassen Kurhessen Waldeck (Kassel)
  • kvw - Kommunale Versorgungskassen Westfalen-Lippe (Münster)
  • Kommunaler Versorgungsverband Baden-Württemberg KVBW (Karlsruhe)
  • Kommunaler Versorgungsverband Brandenburg KVBbg (Gransee)
  • Kommunaler Versorgungsverband Mecklenburg-Vorpommern – VM-V (Schwerin)
  • Kommunale Zusatzversorgungskasse Mecklenburg-Vorpommern – ZMV (Strasburg)
  • Kommunaler Versorgungsverband Sachsen KVS / ZVK (Dresden)
  • Kommunaler Versorgungsverband Sachsen-Anhalt (Magdeburg)
  • Kommunaler Versorgungsverband Thüringen KVT / ZVK Thüringen (Artern)
  • Kommunales Dienstleistungszentrum Personal und Versorgung (Wiesbaden) / ZVK Nassau
  • Niedersächsische Versorgungskasse (Hannover)
  • Pfälzische Pensionsanstalt (Bad Dürkheim)
  • Rheinische Versorgungskassen (Köln)
  • Ruhegehalts- und Zusatzversorgungskasse RZVK des Saarlandes (Saarbrücken)
  • Versorgungsausgleichskasse der Kommunalverbände in Schleswig-Holstein (Kiel)
  • Zusatzversorgungskasse der Gemeinden und Gemeindeverbände ZVK (Darmstadt)
  • Versorgungskasse Oldenburg (Oldenburg)
  • Zusatzversorgungskassen der Städte Frankfurt am Main, Hannover und Köln

Vor- und Nachteile der Zusatzversorgung

Vorteile

Nachteile

Häufige Fragen (FAQ) zur Zusatzversorgung

Was ist die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst?

Die Zusatzversorgung ist die betriebliche Altersversorgung für Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst. Sie wird über Anstalten wie die VBL oder kommunale Zusatzversorgungskassen (ZVK) abgewickelt und ergänzt die gesetzliche Rente.

Ist die Zusatzversorgung verpflichtend?

Ja. Für die meisten Angestellten im öffentlichen Dienst besteht nach den jeweiligen Tarifverträgen eine automatische Pflichtversicherung.

Wie hoch fällt die Zusatzrente im Durchschnitt aus?

Die Höhe ist individuell und hängt stark vom Einkommen und den Versicherungsjahren ab. Sie lässt sich über die gesammelten Versorgungspunkte ermitteln oder mit dem Rechner oben überschlägig schätzen.

Was passiert bei einem Arbeitgeberwechsel oder Kündigung?

Bei Wechsel innerhalb des öffentlichen Dienstes wird das Konto meist nahtlos weitergeführt. Bei einem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst bleiben erworbene Anwartschaften erhalten, sofern die tarifliche Wartezeit erfüllt wurde.

Ist die Zusatzrente steuerpflichtig?

Ja, die spätere Betriebsrente unterliegt im Rentenalter der nachgelagerten Besteuerung sowie gegebenenfalls Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Sind VBL und Zusatzversorgung dasselbe?

Nicht ganz. Die VBL ist lediglich die größte, bundesweite Zusatzversorgungseinrichtung (vor allem für Bund und Länder). Für Kommunen existieren eigene regionale Zusatzversorgungskassen (ZVK).

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