Neben einigen Vorteilen und Vergünstigungen gibt es im öffentlichen Dienst auch gewichtige Nachteile:

2. Nachteile öffentlicher Dienst:
  • Zunehmende Gewalt gegen öffentlichen Bedienstete. In den Kommunen werden besonders Mitarbeiter/innen im Jobcenter, Ausländeramt, Jugendamt, Ordnungsamt, Veterinäramt, in der Zulassungsstelle und der Vollstreckungsbehörde attackiert.
  • Hoher Anteil befristeter Verträge, dadurch berufliche Unsicherheit
  • Starre Hierarchien, eingefahrene Abläufe.
  • Im Vergleich zur Wirtschaft hohe Wochenarbeitszeiten:
    • Beamte: je nach Bundesland zwischen 40 und 42 Wochenstunden (z.B. Beamte NRW: 41)
    • Angestellte/Arbeiter (Arbeitnehmer): nach TVöD 39 Wochenstunden (West), 40 Wochenstunden (Ost)
  • Oftmals geringer Verdienst:
    • In der Regel niedrige Eingruppierung nach Ausbildung oder Studium.
    • Defizite gegenüber vergleichbaren Berufen in der Wirtschaft und zu anderen Berufen im öffentlichen Dienst (z.B. Lehrer: zwischen Besoldungsgruppen A 12 und A 16).
    • Wiederholte Null- und Sparrunden; "Schuldenbremse" führt zu weiteren Kürzungen in den kommenden Jahrzehnten
  • Ungünstige Karrierechancen:
    • Abbau von höher dotierten Stellen. Gründe sind z.B. die Zusammenlegung von Ämtern, Kooperationen und Gemeindefusionen aufgrund von Gebietsreformen. Daneben fallen infolge der Digitalisierung und e-Government Tätigkeiten weg, werden automatisiert oder ausgelagert (Beispiele: Finanzbuchhaltung, Ausstellen von Pässen)
    • Leistungsfremde Beförderungskriterien wie z.B. Proporz oder Parteizugehörigkeit
    • Karriere ist abhängig von der regelmäßig stattfindenden Beurteilung ("Zeugnis") durch den Vorgesetzten. Diese ist stark subjektiv, oft unfair ("Nasenpolitik") und gerichtlich kaum überprüfbar.
    • Gut dotierte Stellen werden vielfach ohne Ausschreibung besetzt (weder externe noch interne).
    • Geringe berufliche Flexibilität: Änderungen der Karriere, z.B. Wechsel in die Privatwirtschaft, sind kaum möglich.
  • Öffentlicher Druck, auch persönliche Angriffe und Beleidigungen über die sozialen Netzwerke (z.B. Facebook).
  • Mangelhafte Fehlerkultur. Bei Fehlern wird ein "Sündenbock" gesucht, unabhängig von den oft vielschichtigen Ursachen.
  • Verpflichtung zu Ehrenämtern (z.B. durchschnittlich 1-2 mal jährlich als Wahlhelfer im Wahllokal)


Spezielle Nachteile in Verwaltungsberufen (Verwaltungsangestellte /-beamte):
  • Fehlende berufliche Selbstbestimmung / fehlende Kontrolle: Übertragung von belastenden Stellen (z.B. Jobcenter, Ausländeramt) oder häufige Umsetzungen sind zulässig.
  • Dröge Arbeiten. Wenig Kreativität und Sinngebung. Aufgrund von Digitalisierung abnehmende persönliche Kontakte. Wenig Raum für Eigeninitiative. "Fließbandarbeit" im Büro.
  • Schlechtes Image: Tätigkeit in öffentlicher Verwaltung gilt als bieder und unsexy.
  • Mobbing und Depressionen sind überdurchschnittlich verbreitet. Klima, das von Misstrauen und Kontrolle geprägt ist (PWC-Studie).
  • Schlechte Finanzlage vieler Kommunen führt zu permanentem Kostendruck. Wenig Gestaltungsspielräume.
  • Amtsärztliche Untersuchungen, z.B. Einstellungsuntersuchung oder Untersuchung vor Verbeamtung auf Lebenszeit => Risiken bei Erkrankungen, Verletzungen, Übergewicht, etc.
  • Geringe Attraktivität des ö.D. für Männer. Nur 30 % Anteil von Männern unter jüngeren Bediensteten. Als Gründe werden genannt: Frauenförderung, begrenzte Karriere- / Verdienstmöglichkeiten, unattraktive Tätigkeiten/Stellen, geringes Ansehen


Spezielle Nachteile von Beamten:
  • Verschlechterungen jederzeit per Gesetz oder Verordnung möglich (z.B. Arbeitszeitverlängerung, Streichung Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld, Kürzungen Beihilfe und Pensionen)
  • Private Krankenversicherung / Beihilfe für Beamte: Beamter muss finanziell in Vorleistung treten, trägt Erstattungsrisiko; private Arbeit mit Abrechnungen; pauschale Abzüge ("Kostendämpfungspauschale"); unsichere Beitragsentwicklung
  • Weitere: Verlust der Pension bei Straftaten.
  • Nebentätigkeiten sind genehmigungspflichtig und dadurch nicht bzw. nur eingeschränkt möglich.

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