Wiedereingliederung im öffentlichen Dienst
Nach längerer Erkrankung stellt sich für viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst die Frage, wie der berufliche Wiedereinstieg gelingen kann. Die stufenweise Wiedereingliederung – häufig als „Hamburger Modell“ bezeichnet – ermöglicht eine schrittweise Rückkehr in den Dienst- und Arbeitsalltag.
Das Wichtigste auf einen Blick:
• Ziel: Schrittweise Steigerung von Arbeitszeit und Belastung nach medizinischem Stufenplan (§ 74 SGB V / § 84 SGB IX).
• Status: Beschäftigte gelten während der gesamten Maßnahme rechtlich weiterhin als arbeitsunfähig krank.
• Freiwilligkeit: Die Teilnahme setzt die Zustimmung von Beschäftigtem, Arzt und Arbeitgeber voraus.
• Anwendungsbereich: Gilt für Tarifbeschäftigte (TVöD, TV-L, TV-V) ebenso wie für Beamtinnen und Beamte.
Sie gilt für Tarifbeschäftigte (z. B. nach TVöD, TV-L oder TV-V) ebenso wie – mit Besonderheiten bei Besoldung und Dienstfähigkeit – für Beamtinnen und Beamte.
Was ist die stufenweise Wiedereingliederung?
Die Wiedereingliederung ist eine medizinisch begleitete Maßnahme, bei der die tägliche Arbeitszeit und die inhaltliche Belastung schrittweise erhöht werden. Ziel ist es, die volle Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen, ohne die Gesundheit zu gefährden.
Wichtig: Während der Wiedereingliederung gelten Beschäftigte in der Regel weiterhin als arbeitsunfähig.
Voraussetzungen
- Arbeitsunfähigkeit von in der Regel mehr als sechs Wochen.
- Ärztliche Empfehlung und medizinische Prognose zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit.
- Zustimmung der/des Beschäftigten.
- Zustimmung des Arbeitgebers bzw. Dienstherrn.
Eine Wiedereingliederung kann im Rahmen eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) vereinbart werden, ist jedoch rechtlich von der BEM-Einladung zu unterscheiden.
Ablauf der Wiedereingliederung
Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt erstellt einen individuellen Stufenplan. Dieser legt fest:
- Beginn und geplante Gesamtdauer der Maßnahme.
- Startumfang der täglichen Arbeitszeit (z. B. 2 Stunden täglich).
- Geplante wöchentliche oder zweiwöchentliche Steigerung der Arbeitszeit.
- Ziel der vollständigen Rückkehr in die Vollzeit- oder vereinbarte Teilzeittätigkeit.
Der Plan wird mit dem Arbeitgeber abgestimmt. Die Maßnahme ist zeitlich befristet und wird bei Bedarf medizinisch angepasst.
Hinweis: Der folgende Plan ist ein unverbindliches Praxisbeispiel. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt immer individuell durch den behandelnden Arzt.
Ausgangssituation:
Verwaltungsangestellter bei einer Stadtverwaltung, Sachbearbeitung im Bürgeramt.
Vollzeit 39 Stunden/Woche, überwiegend Bildschirm- und Publikumsverkehr.
| Woche | Arbeitszeit | Inhaltliche Schwerpunkte |
|---|---|---|
| 1–2 | 2 Stunden täglich (10 Std./Woche) | Interne Büroarbeit ohne Publikumsverkehr, keine Fristsachen |
| 3–4 | 4 Stunden täglich (20 Std./Woche) | Einfache Sachbearbeitung, reduzierte Fallzahl |
| 5–6 | 6 Stunden täglich (30 Std./Woche) | Wiederaufnahme regulärer Aufgaben, weiterhin ohne Spitzenbelastung |
| 7–8 | 7–8 Stunden täglich (Vollzeit) | Rückkehr in regulären Dienst bei stabiler gesundheitlicher Entwicklung |
Begleitmaßnahmen:
- Keine Überstunden oder Mehrarbeit.
- Regelmäßige ärztliche Rückmeldung.
- Zwischengespräch nach Woche 4.
- Möglichkeit der Anpassung oder Verlängerung bei Überlastung.
Wichtig:
Während der gesamten Maßnahme besteht in der Regel weiterhin Arbeitsunfähigkeit. Die Tätigkeit dient ausschließlich der Belastungserprobung.
Gehalt während der Wiedereingliederung
Während der Wiedereingliederung wird in der Regel kein anteiliges Arbeitsentgelt für die tatsächlich geleisteten Stunden gezahlt. Beschäftigte erhalten weiterhin Entgeltfortzahlung, Krankengeld zzgl. Krankengeldzuschuss oder ihre volle Besoldung.
Details und Besonderheiten unter Gehalt während der Wiedereingliederung im öffentlichen Dienst.
Kann die Wiedereingliederung abgebrochen werden?
Ja. Die Wiedereingliederung kann sowohl aus gesundheitlichen Gründen als auch im Einvernehmen mit dem Arzt und Arbeitgeber vorzeitig beendet werden.
Weitere Informationen unter Wiedereingliederung abbrechen – Rechte und Folgen.
Besonderheiten für Beamtinnen und Beamte
Bei Beamtinnen und Beamten wird während der stufenweisen Wiedereingliederung gemäß den Beamtengesetzen (§ 44 BBG / Landesgesetze) weiterhin die volle Besoldung gezahlt. Die Maßnahme kann im Zusammenhang mit der Prüfung der Dienstfähigkeit stehen, ist jedoch nicht automatisch ein Vorverfahren zur Versetzung in den Ruhestand.
Mehr dazu unter Dienstunfähigkeit bei Beamten.
Häufige Fragen (FAQ) zur Wiedereingliederung
Muss der Arbeitgeber / Dienstherr einer Wiedereingliederung zustimmen?
Ja. Die Maßnahme setzt grundsätzlich die Zustimmung des Arbeitgebers bzw. Dienstherrn voraus. Eine Verpflichtung zur Zustimmung besteht jedoch im Rahmen der Fürsorgepflicht und des BEM-Verfahrens.
Hinweis: Für schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftigte besteht nach § 164 Abs. 4 SGB IX ein gesetzlicher Anspruch auf Durchführung einer stufenweisen Wiedereingliederung gegen den Arbeitgeber, sofern die Maßnahme betrieblich zumutbar ist.
Zählt die Zeit der Wiedereingliederung als reguläre Arbeitszeit?
Nein. Während der Wiedereingliederung gelten Beschäftigte rechtlich weiterhin als arbeitsunfähig krank. Die Anwesenheit am Arbeitsplatz dient ausschließlich der medizinischen Belastungserprobung.
Kann ich während der Wiedereingliederung Urlaub nehmen?
Da weiterhin Arbeitsunfähigkeit besteht, kann während dieser Phase kein Erholungsurlaub genommen werden.
Ausführliche Regelungen dazu unter: Urlaub während der Wiedereingliederung im öffentlichen Dienst.
Ist die Wiedereingliederung für Beschäftigte verpflichtend?
Nein. Die Teilnahme an der stufenweisen Wiedereingliederung ist freiwillig.
Fazit
Die stufenweise Wiedereingliederung ist ein bewährtes und wichtiges Instrument, um nach längerer Erkrankung schrittweise und gesundheitsschonend in den Beruf zurückzukehren. Sie sollte sorgfältig geplant und regelmäßig überprüft werden, um Überlastungen zu vermeiden.
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