Teilzeit beantragen im öffentlichen Dienst
Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst fragen sich: Habe ich einen Anspruch auf Teilzeit – und wie stelle ich den Antrag richtig?
• Rechtsgrundlagen: Anspruch nach TVöD/TV-L (bei Kind oder Pflege), TV-V, Beamtenrecht oder dem allgemeinen TzBfG.
• Antragsfristen: In der Regel mindestens 3 Monate vor dem gewünschten Beginn einreichen.
• Form & Inhalt: Umfang und Verteilung der Arbeitszeit möglichst konkret im schriftlichen Antrag definieren.
Die Antwort hängt davon ab, ob Sie Tarifbeschäftigte/r (z. B. TVöD, TV-L, TV-V) oder Beamte/r sind. Neben den Tarifverträgen spielen auch gesetzliche Regelungen wie das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) oder das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) eine Rolle.
Wer hat Anspruch auf Teilzeit?
Ein Anspruch kann sich aus unterschiedlichen Rechtsgrundlagen ergeben:
- TVöD / TV-L: § 11 TVöD/TV-L (z. B. bei Kinderbetreuung unter 18 Jahren oder Pflege von Angehörigen)
- TV-V: § 7 TV-V (Teilzeit ist zu ermöglichen, wenn betriebliche Gründe nicht entgegenstehen)
- Beamte: § 43 Beamtenstatusgesetz bzw. Landesrecht („Teilzeit ist zu ermöglichen“)
- TzBfG: allgemeiner gesetzlicher Anspruch auf Arbeitszeitverringerung
Details zu den jeweiligen Regelungen finden Sie hier:
Teilzeit richtig beantragen – Schritt für Schritt
1. Antrag rechtzeitig stellen
Nach dem TzBfG muss der Antrag in der Regel spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn gestellt werden. Bei Elternzeit gelten andere Fristen (7 bzw. 13 Wochen).
2. Umfang der Arbeitszeit festlegen
Geben Sie konkret an, wie viele Stunden oder welchen Prozentsatz der regelmäßigen Arbeitszeit Sie künftig arbeiten möchten.
3. Verteilung der Arbeitszeit angeben
Beschreiben Sie, wie die Arbeitszeit verteilt werden soll (z. B. 4-Tage-Woche, feste Vormittage). Je konkreter der Antrag, desto klarer die Prüfungsgrundlage.
4. Befristung prüfen
Teilzeit kann befristet oder unbefristet vereinbart werden. Eine befristete Teilzeit erleichtert dem Arbeitgeber häufig die Zustimmung.
Muster: Antrag auf Teilzeit (TVöD – Stadtverwaltung)
Max Mustermann
Musterstraße 12
12345 Musterstadt
An die
Stadt Musterstadt
Personalamt
Musterweg 5
12345 Musterstadt
Datum: 15.03.2026
Antrag auf Verringerung der Arbeitszeit
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit beantrage ich die Verringerung meiner vertraglich vereinbarten Arbeitszeit gemäß § 11 TVöD sowie den gesetzlichen Bestimmungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG).
Ich beantrage ab dem 01.07.2026 eine Reduzierung meiner regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von derzeit 39 Stunden auf künftig 30 Stunden pro Woche.
Die Arbeitszeit soll wie folgt verteilt werden: Montag bis Donnerstag jeweils 7,5 Stunden.
Die Teilzeit soll zunächst befristet bis zum 30.06.2028 vereinbart werden.
Ich bitte um schriftliche Bestätigung und stehe für ein persönliches Gespräch zur Abstimmung der organisatorischen Details gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
(Unterschrift)
Max Mustermann
Hinweis: Der Antrag sollte rechtzeitig (in der Regel mindestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn) gestellt werden.
Wenn Sie später wieder in Vollzeit zurückkehren möchten, finden Sie hier Hinweise: Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit im öffentlichen Dienst
Wann darf der Arbeitgeber Teilzeit ablehnen?
Eine Ablehnung ist nicht beliebig möglich und an strenge Voraussetzungen geknüpft:
- Tarifbeschäftigte (mit Kind/Pflege): nur bei dringenden dienstlichen Gründen (§ 11 TVöD/TV-L)
- Tarifbeschäftigte (allgemeines TzBfG): bei entgegenstehenden betrieblichen Gründen
- Beamte: nur bei entgegenstehenden dienstlichen Belangen
Typische Ablehnungsgründe in der Praxis:
- fehlende Vertretungsmöglichkeit bei kleiner Organisationseinheit
- Funktionsstelle mit zwingender Vollzeitpräsenz
- erhebliche Störung des reibungslosen Dienstbetriebs
Wird der Antrag ohne tragfähige Begründung abgelehnt, sollten Sie dies prüfen lassen: Was tun bei Ablehnung von Teilzeit im öffentlichen Dienst?
Unterschiede zwischen Tarifbeschäftigten und Beamten
Während bei Tarifbeschäftigten ergänzend das TzBfG Anwendung findet, ergibt sich der Anspruch bei Beamten unmittelbar aus dem Beamtenrecht.
Bei Beamten wirken sich Teilzeitphasen zudem auf die ruhegehaltfähige Dienstzeit aus. Bei Tarifbeschäftigten beeinflusst Teilzeit dagegen vor allem das laufende Entgelt.
Zur Berechnung des Gehalts:
Typische Fehler bei der Antragstellung
- Antrag zu spät gestellt (F Fristen nach TzBfG oder Tarifvertrag verpasst)
- Arbeitszeitumfang nicht konkret definiert
- keine klare Verteilung der Wochentage angegeben
- falsche Annahme eines automatischen Anspruchs ohne Prüfung
Eine sorgfältige Vorbereitung erhöht die Chancen auf Zustimmung erheblich.
Häufige Fragen zur Teilzeit im öffentlichen Dienst
Muss ich Gründe für meinen Antrag angeben?
Nicht zwingend, es sei denn, der Anspruch stützt sich auf besondere familiäre oder pflegerische Gründe nach Tarifrecht.
Kann ich unter 50 % arbeiten?
Grundsätzlich ja, insbesondere bei familiären Gründen oder im Beamtenrecht. Die konkrete Ausgestaltung hängt von der jeweiligen Dienststelle und Rechtsgrundlage ab.
Kann ich später wieder in Vollzeit zurück?
In vielen Fällen ja. Teilzeitbeschäftigte sollen bei frei werdenden Vollzeitstellen im Rahmen der Möglichkeiten bevorzugt berücksichtigt werden.
Was tun bei Ablehnung?
Lassen Sie die Begründung schriftlich anfordern und prüfen Sie das Vorgehen gemeinsam mit dem Personalrat.
Fazit
Teilzeit im öffentlichen Dienst ist rechtlich gut abgesichert. Ob TVöD, TV-L, TV-V oder Beamtenrecht – ein Antrag darf nur aus gewichtigen, nachvollziehbaren Gründen abgelehnt werden.
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