TVöD Zuweisung

§ 4 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) regelt die Möglichkeit, Beschäftigte vorübergehend zu einem Dritten zuzuweisen.

Die Zuweisung ist ein besonderes Instrument der Personalsteuerung, bei dem das Arbeitsverhältnis fortbesteht, die Tätigkeit jedoch außerhalb des eigenen Arbeitgebers erbracht wird.

TVöD Zuweisung – Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Zuweisung bedeutet den vorübergehenden Einsatz bei einem rechtlich selbstständigen Dritten.
  • Das Arbeitsverhältnis zum bisherigen Arbeitgeber bleibt vollständig bestehen.
  • Die Zustimmung der Beschäftigten ist grundsätzlich erforderlich.
  • Die Zustimmung kann nur aus wichtigem Grund verweigert werden.
  • Die Tätigkeit muss mindestens gleich vergütet werden.
  • Der Dritte unterliegt nicht dem Geltungsbereich des Allgemeinen Teils des TVöD.

Praxisbeispiel

Eine Stadt gründet eine kommunale Servicegesellschaft in der Rechtsform einer GmbH. Ein Beschäftigter wird für zwei Jahre dieser Gesellschaft zugewiesen. Arbeitgeber bleibt weiterhin die Stadt, das Arbeitsverhältnis nach TVöD besteht fort. Nach Ablauf der Zuweisung kehrt der Beschäftigte zu seinem bisherigen Arbeitgeber zurück.

Tarifliche Regelung zur Zuweisung (§ 4 Abs. 2 TVöD)

Der maßgebliche Tariftext ist nachfolgend aus Gründen der Übersichtlichkeit ausklappbar dargestellt.

§ 4 Abs. 2 TVöD

Beschäftigten kann im dienstlichen/betrieblichen oder öffentlichen Interesse mit ihrer Zustimmung vorübergehend eine mindestens gleich vergütete Tätigkeit bei einem Dritten zugewiesen werden. Die Zustimmung kann nur aus wichtigem Grund verweigert werden. Die Rechtsstellung der Beschäftigten bleibt unberührt. Bezüge aus der Verwendung nach Satz 1 werden auf das Entgelt angerechnet.
Protokollerklärung zu Absatz 2:
Zuweisung ist – unter Fortsetzung des bestehenden Arbeitsverhältnisses – die vorübergehende Beschäftigung bei einem Dritten im In- und Ausland, bei dem der Allgemeine Teil des TVöD nicht zur Anwendung kommt.
(Fassung: Änderungsvereinbarung Nr. 16–18 vom 1. Oktober 2024)

Wann kommt eine Zuweisung nach TVöD in Betracht?

Die Zuweisung nach § 4 Abs. 2 TVöD erlaubt es dem Arbeitgeber, Beschäftigte zeitlich befristet außerhalb des öffentlichen Dienstes einzusetzen – etwa bei privatrechtlichen Gesellschaften, Projektpartnern oder kooperierenden Einrichtungen.

Im Unterschied zu Versetzung oder Abordnung erfolgt der Einsatz bei einem rechtlich selbstständigen Dritten, bei dem der TVöD nicht gilt.

Voraussetzungen einer zulässigen Zuweisung

Eine Zuweisung ist tariflich nur zulässig, wenn:

Eine Zuweisung zu einer nicht mindestens gleich vergüteten oder vom Arbeitsvertrag nicht mehr gedeckten Tätigkeit kann unzulässig sein.

Rechte und Pflichten der Beteiligten

Die Zuweisung nach § 4 Abs. 2 TVöD ermöglicht einen vorübergehenden Einsatz von Beschäftigten bei einem Dritten, ohne das bestehende Arbeitsverhältnis zu verändern. Der Tarifvertrag stellt dabei einen Ausgleich zwischen betrieblicher Flexibilität und dem Schutz der Beschäftigten her.

Für Arbeitgeber

Für Beschäftigte

Insgesamt unterliegt die Zuweisung dem Grundsatz des billigen Ermessens und der Mitbestimmung durch Personal- oder Betriebsrat.

Unzulässige Konstellationen

Abgrenzung zu anderen Maßnahmen

Unterschied zwischen Zuweisung, Abordnung, Versetzung und Personalgestellung

Maßnahme Arbeitgeber Dauer Einsatzort
Versetzung bleibt gleich dauerhaft andere Dienststelle desselben Arbeitgebers
Abordnung bleibt grundsätzlich gleich vorübergehend andere Dienststelle
Zuweisung bleibt gleich vorübergehend rechtlich selbstständiger Dritter
Personalgestellung bleibt gleich regelmäßig dauerhaft Dritter

Häufige Fragen zur Zuweisung (FAQ)

Ist eine Zuweisung ohne Zustimmung zulässig?

Nein. Eine Zuweisung nach § 4 Abs. 2 TVöD setzt grundsätzlich die Zustimmung der Beschäftigten voraus.

Wann darf die Zustimmung verweigert werden?

Die Zustimmung kann nur aus wichtigem Grund verweigert werden, z. B. bei unzumutbaren persönlichen oder gesundheitlichen Belastungen.

Bleibt mein Arbeitgeber derselbe?

Ja. Das Arbeitsverhältnis bleibt vollständig beim bisherigen Arbeitgeber.

Wie lange darf eine Zuweisung dauern?

Der TVöD nennt keine feste Höchstdauer, die Maßnahme muss jedoch eindeutig vorübergehend sein.

Kann sich mein Entgelt durch eine Zuweisung ändern?

Das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen. Bezüge aus der Tätigkeit beim Dritten werden nach § 4 Abs. 2 TVöD auf das tarifliche Entgelt angerechnet.

Ist eine Zuweisung auch ins Ausland möglich?

Ja. Nach der Protokollerklärung zu § 4 Abs. 2 TVöD kann eine Zuweisung sowohl im Inland als auch im Ausland erfolgen.

Kann ich nach einer Zuweisung an meinen bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren?

Ja. Da das Arbeitsverhältnis mit dem bisherigen Arbeitgeber fortbesteht und die Zuweisung nur vorübergehend erfolgen darf, besteht nach ihrem Ende grundsätzlich ein Anspruch auf Weiterbeschäftigung beim bisherigen Arbeitgeber.

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