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Warum verdienen Lehrer eigentlich so viel mehr als kommunale Bedienstete ???
#21

Hallo Aulenlandbewohnerin,

ich glaube nach ca. 20 Jahren Tätigkeit in der Kommunalverwaltung kann ich mir schon ein Urteil erlauben. Davon 5 Jahre beim Sozialamt - damals nannte man es "Hilfe in allen Lebenslagen".

Damals wurde ich richtig neidisch wenn ich in Abteilung ging wie z.B. , Bauverwaltung, statistisches Amt usw. und ich mich fragte was einzelne Mitarbeiter doch für einen schönen geruhsamen Job haben.

Und wenn ich Anfang des Jahres mich zum Finanzamt bewege um meine Steuererklärung abzugeben erlebe ich das gleiche wieder.

Aber ein tolles Erlebnis hatte vor ein paar Jahren bei der Bundesagentur für Arbeit eine Bekannte von mir erlebt: Nach einem Umzug von Hessen nach Rheinland-Pfalz meldete sie sich beim Arbeitsamt wegen einer Stelle als Journalistin -
1. Besuch nach Terminvereinbarung - Antwort vom Sachbearbeiter für Journalisten sind wir nicht zuständig - da müssen Sie woanders hin.
2. Besuch nach Terminvereinbarung - sie sind überqualifiziert - für sie haben wir keine Stelle.
3. Besuch nach Terminvereinbarung / Vorladung - haben sie noch nichts gefunden - wir können Ihnen nicht helfen.

Na ja - jetzt weiß ich zumindest für was dieses Amt da ist.

Freundliche Grüße!


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#22

(25.01.2011, 11:54)DeBeVau schrieb:  Warst Du dem Leistungsdruck nicht gewachsen ?

Da war nix mit Leistungsdruck, im Gegenteil. Es hat mich gelangweilt.

Gewechselt habe ich dann, weil ich beim Landkreis halt eine Stelle bekommen habe, nachdem ich in der freien Wirtschaft ein ein paar Tagen krank sein rausgeschmissen wurde (bin natürlich gegen angegangen und habe eine hübsche Abfindung bekommen, wäre dort aber bestimmt nicht bis zur Rente geblieben). Habe dann irgendwann den A I nachgemacht usw. War dann eine Zeit lang u.a. in der Zulassungsstelle und jetzt in der Arge. Langweilig war mir seit dem nicht mehr.
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#23

Man sollte, wenn man qualifiziert urteilen möchte, als erstes Sachkenntnis nachweisen.

1. Eine Lehrerin/ein Lehrer, die/der verbeamtet ist, die Befähigung für ein Lehramt an Gymnasien besitzt, ist Studienrätin/-rat und erhält Bezüge der Besoldungsgruppe A13 (+Stellenzulage).
2. Die Besoldungsgruppe A13 ist die Besoldungsgruppe für das Eingangsamt (Studienrat) des höheren (Schul-)Dienstes.
3. Höherer (Schul-)Dienst bedeutet, dass für die Befähigung ein abgeschlossenes Hochschulstudium und 2 Staatsexamina (das 2. wiederum nach 2 weiteren Jahren Referendariat) notwendig sind.
4. Das bedeutet insbesondere aber auch, dass Beamte anderer Laufbahnen, z.B. des Verwaltungsdienstes oder des Polizeidienstes, die gleiche Qualifikation und Befähigung nachweisen müssen, um ebenfalls zum höheren Verwaltungs- bzw. Polizeidienst zugelassen zu werden. Auch diese führen dann die Amtsbezeichnung RAT, zum Beispiel Regierungsrat oder Polizeirat. Sie erhalten dann auch Bezüge nach Besoldungsgruppe A13.
5. Alle anderen Ämter, Oberstudienrat A14; Studiendirektor A15 und Oberstudiendirektor A16 sind Beförderungsämter, die NUR verliehen werden, wenn eine bestimmte, besondere Funktion vom Amtsimhaber wahrgenommen wird; Oberstudienrat ist jemand, der z.B. als Fachleiter für ein bestimmtes Unterrichtsfach zuständig ist und die Fachaufsicht über seine Fachkollegen ausübt; Studiendirektor ist jemand, der z.B. als Fachseminarleiter neben seiner Unterrichtstätigkeit am Gymnasium noch Referendare ausbildet und Oberstudiendirektor ist z.B. der Schulleiter eines Gymnasiums oder der Leiter eines schulpraktischen Seminars der Lehrerausbildung für Gymnasiallehrer.
6. Das heißt insbesondere auch, dass keine 'normale' Deutschlehrerin am Gymnasium nach A15 besoldet wird.
7. Es erscheint mir auch äußerst zweifelhaft, dass der Vorsteher eines Sozialamtes kein Studium absolviert haben muss und damit nicht zum höheren Beamtendienst zählt und nach Aussage des Verfassers/der Verfasserin nur nach A11 (als Amtmann/Amtfrau) besoldet wird; denn jeder 'einfache' Standesbeamte ist bereits Amtmann/Amtfrau.

P.S. Ich selbst bin Studiendirektor (A15); habe die Lehrbefähigung für zwei Unterrichtsfächer des Gymnasiums, bin Fachbereichsleiter für Mathematik und als Fachseminarleiter für Mathematik an einem Studienseminar in der Lehrer-/Lehrerinnenausbildung tätig.
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#24

(16.03.2011, 00:34)Gast schrieb:  7. Es erscheint mir auch äußerst zweifelhaft, dass der Vorsteher eines Sozialamtes kein Studium absolviert haben muss und damit nicht zum höheren Beamtendienst zählt und nach Aussage des Verfassers/der Verfasserin nur nach A11 (als Amtmann/Amtfrau) besoldet wird; denn jeder 'einfache' Standesbeamte ist bereits Amtmann/Amtfrau.

Dem ist aber so. Die allermeisten Fachdienstleiter sind im gehobenen Dienst mit max. A12. Im Jobcenter (früher Sozialamt) gibts für die Teamleiter sogar nur A11. Lediglich der Amtsarzt als Leiter des Gesundheitsamtes bekommt mehr und ist im höheren Dienst.
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#25

Lieber Gast,

'einfache' Standesbeamte (die in ihrer Tätigkeit als Urkundsbeamte übrigens den Notaren gleichgestellt sind) erhalten in NRW in der Regel
E9 bzw. A9, also das Endamt mittlerer Dienst oder Eingangsamt gehobener Dienst.

Auch hier gilt: Information ist alles Icon_cheesygrin

Und zum eigendlichen Thema: Lehrer sind im Vergleich zu anderen
Ländern in Deutschland schon gut bezahlt. Der Weg ist allerdings lang
und beschwehrlich. Und wenn die Ausbildung geschafft ist, wird man häufig noch als Angestellter (ohne tarifliche Eingruppierung) geparkt.

Gruß
smokie

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#26

Icon_cool

Also bitte: Jeder, einfach jeder möchte viel Geld verdienen und möglichst wenig dafür tun. Und das wenige, was man tut, soll nach Möglichkeit große Anerkennung erfahren...

Bitte nicht neidisch werden auf alle, die das von sich behaupten können. Ich bin in der Kommunalverwaltung tätig (A15-Stelle) und kann nur sagen: Klar gibt es Jobs, die noch besser sind. Auch der semi-öffentliche Bereich lässt viele Möglichkeiten offen, das oben gesagte annähernd zu erreichen. Lasst doch die armen Lehrer in Ruhe! Jeder ist seines eigen Glückes Schmied!
Gruß
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#27

Also mal im Ernst, das zeigt, dass du einfach mal keine Ahnung hast. Ich bin zwar selbst kein Lehrer, kenne aber genügend in meiner Familie. Dein Kommentar Mittags ist Schluss stimmt schonmal gar nicht. Meine Mutter ist Grundschullehrerin, einmal die Woche sind den ganzen Nachmittag Konferenzen. Dazu kommen viele Freitage pro Halbjahr an denen bis abends Elternsprechtage sind, Elterngespräche außerhalb der offiziellen Sprechtage, Aufräumnachmittage in der Schule, Feste, Elternabende, Gespräche über Problemkinder mit Jugendamt und Sozialarbeitern, denen regelmäßig schriftliche Berichte über diese liefern etc. Außerdem müssen über jeden Schüler etliche Listen geführt werden (die ein Außenstehender nie zu sehen bekommt), an denen meine Mutter stundenlang zu Hause dran sitzt. Und Unterricht vorbereiten dauert auch seine Zeit, das unterschätzt man als Nicht-Lehrer wirklich leicht.
Und dazu, dass Lehrer so viel Ferien haben: Ein paar Tage früher als die Schüler müssen Lehrer in der Regel immer wieder hin und in den Weihnachtsferien beispielsweise hat meine Mutter direkt nach Weihnachten jeden Tag stundenlang an den Zeugnissen gesessen. Gymnasiallehrer, die Abiturarbeiten korrigieren müssen, sitzen in der Regel auch die ganzen Osterferien daran. Also lieber mal nicht mit falschen Kommentaren um sich schmeißen, wenn man keine Ahnung hat!
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#28

Oh man!
Meinen Beruf als Vergleich:
Einstiegsvoraussetzung 3 - 3 1/2 Jahre Lehre
Basisausbildung: 2 Jahre
Um nach dem Einstieg überhaupt befördert werden zu können zusätzlich: 1 1/2 Jahre Fortbildung zum Rettungsassistenten.

Das sind 6 1/2 - 7 Jahre Ausbildung, um bei der Berufsfeuerwehr im mittleren Dienst fertig zu sein. Wir halten für andere Menschen unseren A... hin, müssen wirklich ständig lernen, werden von der Politik nach außen gelobt nach innen als Laster gesehen, weil wir vermeintlich unproduktiv sind. Die Minderheit der Kollegen schafft es nicht bis zum Pensionsalter, weil se einfach fertig sind, ein Leben lang Wechselschichtdienst...

Anderes Beispiel: Erzieher!
5 Jahre Ausbildung ohne Geld zu sehen und wenn se fertig sind ne Bezahlung wie ein Geselle..

Wenn ich dann höre wie hart es doch ist Lehrer zu werden oder gar zu sein
und dann noch Gehaltsgruppen von A14 +- sehe, bekomme ich echt Pickel am Gesäß!!!

So das musste mal raus
Sorry

Aber unabhängig davon:
Egal wie sehr uns das eine oder Andere stinkt, nur weil etwas unfair ist, sollten wir zusammen halten. Denn was allen Chefs am liebsten ist, wenn sich deren Leute so sehr mit sich selbst beschäftigen, dass sie letztendlich desolidarisiert sind!



Marcus


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#29

Naja... die übliche Debatte... Lehrer verdienen zu viel. Gut, dass es ja (angeblich) keinen Unterschied mehr zwischen Ost und West gibt. Hier in Sachsen wird kein Lehrer verbeamtet. Grund- und Mittelschule (also HS und RS) wird in E11 eingruppiert. Gymnasium in E13. Und nun gebt das ganze mal in den Rechner ein und seht, dass es nicht so viel ist, wie ihr wahrscheinlich denkt. Natürlich mehr als Berufe ohne Studium, aber weniger als viele andere studierte Berufe.
Zum Gerücht "unendlich Urlaub" kann ich nur sagen - stimmt nicht: 26-30Tage Urlaub - den Rest der Ferien hält sich der Lehrer für Arbeitseinsätze bereit, bereitet Unterricht vor usw.
Zum Gerücht "Halbtagsjob" - stimmt nicht. Okay, ich sehe ein, dass es etwas schwierig ist für Außenstehende zu erkennen, dass 26 Unterrichtsstunden pro Woche nicht nur 26 Arbeitsstunden pro Woche bedeuten. Immerhin setzt sich der Lehrer gegen 14Uhr wieder in sein Auto und fährt nach Hause. (Und das ist das, was Außenstehende beobachten..) Aber dort sitzt der Lehrer ja nicht rum und dreht Däumchen. Da kommt noch so viel ... Es fängt an bei Fortbildungen, die nicht selten auch am WE und in den Ferien sind, Zeugnisse schreiben, Arbeiten korrigieren, Unterricht vorbereiten (Unterschätzt das bitte nicht, das kann manchmal echt lange dauern, je nachdem, wie das Unterrichtsmaterial in Lehrbüchern aufgearbeitet ist. Okay, das mag auch von Fach zu Fach unterschiedlich sein, trotzdem gibt es diese Situationen, in denen ein Lehrer mehrere Stunden für eine einzige Unterrichtsstunde sitzt. Wenn ihr nun pro Unterrichtsstunde nur 30min Vorbereitung einplant, dann sind wir auch bei 39Wochenstunden. Dazu kommen Versammlungen, Schulfeste, Klassenfahrten, ... Auch Videomaterial für den Unterricht müssen erstmal in den speziellen Videotheken besorgt werden, weil man ja selbstgekaufte Filme nicht zeigen darf. Und aufgenommene Videos sind auch verboten. Kopieren aus anderen Lehrbüchern und Arbeitsheften ist nur in geringem Umfang erlaubt. Das heißt wer etwas gutes gefunden hat, der hat 2 Möglichkeiten:
- es kopieren und gegebenenfalls irgendwann erwischt werden
- es abschreiben/abzeichnen/bearbeiten
(Achja - gescannt werden darf eigentlich gar nichts, soweit ich weiß...)
Nicht wenige Lehrer sitzen nach der Schule bis 20/21Uhr, zum Teil sogar am Wochenende.
Und dann dürfen es sich Lehrer noch gefallen lassen, dass sie von ihren Schülern als Fo**e bezeichnet werden, weil sie es sich gewagt haben ne schlechte Note zu verteilen oder zu meckern, wenn es extrem laut ist.
Dann gibt es natürlich noch die Belastung der Stimme - wer von euch spricht 5Stunden am Stück in einer Lautstärke, dass 25 Personen alles hören? (vergesst auch nicht, dass Kinder nicht so still sitzen wie es Erwachsene machen - da wird nebenbei gekramt, geschwatzt, Stuhl gerückt, ...)
Natürlich mag es sein, dass es nicht der anstrengendste Job ist - zumal ja die Unterrichtsvorbereitung mit der Zeit etwas abnimmt, wenn man alle Stunden schoneinmal gehalten hat - aber deshalb verdienen Grund- und Mittelschullehrer hier im Osten auch maximal 50.000 pro Jahr und nicht wie mancher Manager 80.000 bis 100.000 oder gar noch mehr.
Und wie weiter oben schon jemand schrieb: JEDER hat die Möglichkeit Lehrer zu werden. Warum macht es dann keiner, wenn es doch so ein toller, einfacher Job ist? Hier in Sachsen wird zur Zeit jeder eingestellt, weil man davon ausgeht, dass in den nächsten 5-10Jahren die Lehrer ausgehen. Also los gehts!
Und: nein - ich bin kein Lehrer, habe mich nur psychologisch lange mit dem Thema auseinandergesetzt und habe in Schulen hospitiert oder eine Fahrt mitgemacht. (war 2 Monate an der Mittelschule und habe einzelne Lehrer begleitet, hin und wieder auch am Nachmittag zu Hause und jeweils 2 Wochen an Mittelschule und Gymnasium) Und ich kann euch sagen - selbst nach einem 3stündigen Ausflugstag mit 25 Schülern (als Aufsichtsperson) ist man total platt.
Und natürlich steht man auch bei der Aufsicht immer unter Strom - wenn etwas passiert, dann ist man ja der Schuldige, weil der Lehrer ja auf dem Pausenhof alle 300Schüler genau im Blick hat und jeden einzelnen beaufsichtigen kann.
Ich will den Job nicht machen. Da verdiene ich mit meiner Psychologie lieber 200€ weniger und führe ein ruhigeres Leben. Zudem habe ich Aufstiegschancen außerhalb der Lohnerhöhungen. Ein Lehrer ist und bleibt im Regelfall Lehrer. (mal von Schulleitern und Hochschullehrern abgesehen)
Anja
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#30

Ich weine gleich, die armen Lehrer.

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