Gleitzeit im öffentlichen Dienst – Rechte, Regelungen und Tipps für Beschäftigte
Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst profitieren von flexiblen Arbeitszeitmodellen. Die Gleitzeit gehört zu den beliebtesten Varianten, um die tägliche Arbeitszeit an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen – ohne dass die dienstlichen Belange leiden müssen.
Hier erfahren Sie, welche rechtlichen Grundlagen gelten, wie Gleitzeit konkret funktioniert und was nach den wichtigsten Tarifverträgen (TVöD, TV-L, TV-V) sowie für Beamtinnen und Beamte zu beachten ist.
Was bedeutet Gleitzeit?
Unter Gleitzeit versteht man ein Arbeitszeitmodell, bei dem Beschäftigte innerhalb eines festgelegten Rahmens selbst bestimmen können, wann sie mit der Arbeit beginnen und wann sie sie beenden. Damit soll eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglicht werden.
Typische Bestandteile einer Gleitzeitregelung sind:
- Rahmenarbeitszeit: Zeitraum, in dem gearbeitet werden darf (z. B. 6:00 – 20:00 Uhr)
- Kernarbeitszeit: Zeit, in der Anwesenheit verpflichtend ist (z. B. 9:00 – 15:00 Uhr)
- Gleitzeitkonto: Erfassung von Plus- und Minusstunden
- Ausgleichszeitraum: Zeitraum, in dem das Zeitguthaben auszugleichen ist
Rechtliche Grundlagen der Gleitzeit im öffentlichen Dienst
Die Grundlage der Arbeitszeitregelungen im öffentlichen Dienst bilden die einschlägigen Tarifverträge. Sie legen die Rahmenbedingungen fest, während die konkrete Ausgestaltung der Gleitzeit meist in Dienst- oder Betriebsvereinbarungen erfolgt.
TVöD – Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst
Nach § 6 TVöD beträgt die regelmäßige Arbeitszeit im Bund und in den Kommunen durchschnittlich 39 Stunden pro Woche. Die Details zur Gleitzeit werden durch Dienstvereinbarungen geregelt, die gemeinsam mit dem Personalrat abgeschlossen werden.
Üblich sind Gleitzeitrahmen zwischen 6:00 und 20:00 Uhr sowie Kernzeiten von 9:00 bis 15:00 Uhr. Plusstunden dürfen in der Regel 40 bis 50 Stunden nicht überschreiten und müssen im Ausgleichszeitraum abgebaut werden.
TV-L – Tarifvertrag der Länder
Auch im TV-L (§ 6 TV-L) gelten ähnliche Regelungen. Die Bundesländer und Hochschulen setzen jedoch häufig eigene Gleitzeitvereinbarungen um. Diese unterscheiden sich teils in der Kernzeit, im Maximalumfang der Gleitzeitkonten oder bei der Zeiterfassung.
TV-V – Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe
Im Bereich kommunaler Unternehmen (z. B. Stadtwerke, Energieversorger) bietet der TV-V ebenfalls flexible Arbeitszeitmodelle. Hier ist Gleitzeit besonders in Verwaltungs- und Bürobereichen verbreitet, während technische Dienste häufig Schichtarbeit leisten.
Gleitzeit für Beamtinnen und Beamte
Für Beamtinnen und Beamte gelten keine Tarifverträge, sondern beamtenrechtliche Vorschriften. Die Gleitzeit wird durch Arbeitszeitverordnungen der jeweiligen Dienstherren geregelt – etwa durch die Arbeitszeitverordnung des Bundes (AZV) oder der Länder (z. B. AZVO NRW, BayAZV).
Typischerweise enthalten diese Verordnungen ebenfalls Regelungen zu Kernzeiten, Rahmenarbeitszeiten und Zeiterfassung. Auch für Beamte gelten Höchstgrenzen für Zeitguthaben und Ausgleichszeiträume. Die Anwendung ist in der Regel auf dienstliche Erfordernisse abgestimmt.
Typische Regelungspunkte in Gleitzeitvereinbarungen
| Regelungsbereich | Typische Inhalte |
|---|---|
| Rahmenzeit | z. B. 6:00 – 20:00 Uhr |
| Kernzeit | z. B. 9:00 – 15:00 Uhr |
| Gleitzeitkonto | Erfassung von Plus- und Minusstunden |
| Maximalguthaben | z. B. +40 / −20 Stunden |
| Ausgleichszeitraum | z. B. 3 Monate |
| Zeiterfassung | Elektronisch oder handschriftlich |
| Übertragungsgrenzen | z. B. max. 20 Plusstunden ins Folgequartal |
Vorteile der Gleitzeit für Beschäftigte
- Bessere Vereinbarkeit von Familie, Terminen und Beruf
- Mehr Selbstbestimmung über die eigene Arbeitszeit
- Vermeidung von Überstunden durch flexible Anpassung
- Höhere Zufriedenheit und Motivation
In vielen Verwaltungen wird die Gleitzeit inzwischen auch mit Homeoffice-Regelungen kombiniert, um die Flexibilität weiter zu erhöhen.
Herausforderungen und Grenzen
Auch die Gleitzeit hat ihre Grenzen: In Bereichen mit Bürgerkontakt, Schulen oder technischen Diensten sind feste Anwesenheitszeiten nötig. Außerdem sollten Beschäftigte darauf achten, dass ihr Zeitkonto im erlaubten Rahmen bleibt – nicht alle Plusstunden dürfen beliebig lange übertragen werden.
Eine gute Kommunikation mit der Dienststelle und die regelmäßige Kontrolle des Gleitzeitkontos helfen, Missverständnisse zu vermeiden.
Mit unserem Gleitzeitrechner können Beschäftigte im öffentlichen Dienst ihre täglichen Plus- und Minusstunden berechnen und planen.Beispielhafte Themen in unseren Foren:
- TVÖD - Gleitzeit - verkürzte Arbeitszeit
- Gutschrift der Arbeitszeit im Krankheitsfall
- Bezahlung der Arbeitszeit außerhalb der Rahmenzeit

