Mobbing in einer Kommunalverwaltung
#1
Hallo @all,

ein Bekannter von mir (Beamter, 43 Jahre alt) wurde durch die Verwaltungsspitze in einer Kommunalverwaltung übelst gebosst. Infolge des Bossings hat er so schwere gesundheitliche Schäden erlitten, dass er sogar frühpensioniert werden musste.

Der Fall ist - wie sich inzwischen herausgestellt hat - auch nicht der erste in dieser Verwaltung und die Spatzen pfeifen es zwischenzeitlich bereits von den Dächern wie mit den Mitarbeitern dort umgesprungen wird.

Mein Bekannter überlegt sich gerade intensiv, inwieweit er die Kommune zur Verantwortung für die aufgetretenen gesundheitliche Schäden heranziehen kann.

Wie beurteilt ihr die Rechtslage?

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#2
Hallo.

Was mich daran interessiert ist, welches "Bossing" muss stattfinden, dass man "schwere gesundheitliche Schäden" erleidet?

Ich kann mir ehrlich gesagt überhaupt nichts vorstellen, was zudem noch eine Frühpensionierung rechtfertigt. Da muss es doch schon Vorbelastungen gegeben haben (gewisse Instabilität der Person etc.).

Gruß

PS. Das soll nicht abwertend etc. sein, mir fällt beim besten Willen nur nichts ein.
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#3
Moin,

für die Durchsetzung eines Schadensersatzanspruches wird er die Kausalität zwischen dem Handeln der Dienststelle und einem eingetretenen Schaden nachweisen müssen. Wie keineAhnung schon schrieb, glaube auch ich nicht, dass dies bei einer (so nehme ich jedenfalls an) psychischen Erkrankung offensichtlich und einfach ist. In der Konsquenz werden Gutachten und ein nicht gerade kurzes Verfahren erforderlich sein.

Hier kann man jetzt viel spekulieren. Ein Forum ersetzt aber nicht die anwaltliche Beratung, um die man bei einem gewollten Verfahren ohnehin nicht umhin kommt.

Grüße
1887
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#4
Da gibt es viele Möglichkeiten und noch mehr wenn man nicht am Schreibtisch sitzt sondern z. B. im Bauhof arbeitet.

Man kann nie etwas recht machen, alles was man macht ist in den Augen des Vorgesetzten schlecht. Vorschläge werden als idiotisch deklariert.
Man bekommt nur die beschissensten Arbeiten zugeteilt usw.
Das macht auf Dauer krank. Wenn man z.B. tägl. Tabletten gegen Sodbrennen nehmen muss, aber diese im Urlaub nicht braucht, bzw. am letzten Urlaubstag wieder nehmen muss dann sollte man handeln.
Meist wird gegen die Führungsebene nichts gemacht und es bleibt nur der Arbeitsplatzwechsel.
Dem Vorgesetzten Bossing nachzuweisen ist m. E. noch aussichtsloser als einem Kollegen Mobbing nachzuweisen.
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#5
Bossing ist im öffentl. Dienst weit verbreitet und dient auch häufig dazu, überzählig gewordenes Personal abbauen zu können. Nach meinen Beobachtungen sind die Opfer meist ältere Angestellte & Beamte des mittl. Dienstes, die nahezu unkündbar geworden sind. Ich war selbst Betroffener und meine Peiniger gaben kurz vor meiner Pensionierung auch offen zu, dass sie mich schon seit Jahren loshaben wollten, da man mich als mD-Bediensteten nirgendwo mehr gebrauchen könne (in unserer Verwaltung ist in den letzten Jahren der Anteil der mD-Beamten um 25 % gesunken, der Anteil der gD-Beamten um 250 % (!) gestiegen.)

Bei uns wäre ein juristisches Vorgehen gegen die Verantwortlichen sinnlos gewesen, da sich die Mobber u. Bosser und sogar der Personalrat (!) gegenseitig Alibis gaben und der Klagende in einem evtl. Gerichtsverfahren als Lügner dagestanden wäre.

Ihr Bekannter sollte sich innerlich von dem Geschehenen trennen und es als "Lebenserfahrung" abhaken.




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#6
Hallo @ all,
danke für eure Hinweise. Ich denke auch, dass es sehr schwer wird, das Bossing und die damit einhergehenden gesundheitliche Schädigung meines Bekannten den Verursachern nachzuweisen.

Wie mir mein Bekannter weiter erzählt hat, hat sich ein ebenfalls gebosster Mitarbeiter schriflich an den Gemeinderat und an die Öffentlichkeit gewandt um auf die Missstände in der Personalführung hinzuweisen. Aber auch das hat wohl nichts genützt.

Diesen niederträchtig perversen sogenannten Führungskräften ist wohl in unserem Rechtsstaat nicht beizukommen und diese haben wohl quasi einen Freibrief für ihre üblen Machenschaften.

Und leider müssen immer die engagierten und qualifizierten Mitarbeiter über die Klinge springen.

Also in diesem Sinne nur weiter so. Die Zeche zahlt eben letztendlich doch der Steuerzahler. Schade, aber wohl derzeit nicht zu ändern.

In Taufkirchen in Bayern wurde übrigens im vergangenen Jahr erstmals ein Bürgermeister seines Amtes wegen Mobbing enthoben aber da waren sich wohl alle Beschäftigten der Verwaltung einig.

In diesem Sinne also weiter so Deutschland!
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#7
Meine Erfahrung zeigt mir, dass es immer zwei Seiten der Medaille gibt und solche Sachverhalte in der Regel auch immer subjektiv dargestellt werden. Und wenn jemand Worte wie "niederträchtig und pervers" in einem öffentlichen Forum verwendet, dann kann ich dem nichts abgewinnen. Und von pauschalen Untergangsparolen halte ich noch weniger.
Ich bin sicher, dass in den Sachverhalten immer wichtige Details weggelassen werden. Diese würden sicherlich in keinster Weise "ungebührliches" Verhalten von Vorgesetzten rechtfertigen, den Sachverhalt aber oft in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen.

Gruß aus der Lüneburger Heide
Michael
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#8
Hey Michael,
natürlich hast du irgendwo Recht, dass es immer 2 Seiten der Medaille gibt. Aber es bringt uns hier nicht weiter, wenn wir die Dinge hier schönreden bzw. ignorieren. Vielleicht bist du ja auch ein Vertreter der anderen Seite.

Und übrigens habe ich mich bei meiner vorherigen Aussage lediglich an das Buch "Die Masken der Niedertracht - seelische Gewalt" von Marie France Hirigoyen bezogen. In dem Buch hat die Autorin sehr eindrucksvoll und veranschaulicht durch viele Beispiele der subtilen Formen seelischer Gewalt beschrieben. Das Buch hat bei mir jedenfalls dazu beigetragen, eine klarere Haltung gegenüber Gegner einzunehmen, die mit unfairen Attacken verschiedene Art seelischer Gewalt ausüben und genau darum geht es in dem vorliegenden Fall.

Mein Bekannter hat mir übrigens sehr eindrücklich geschildert, wie ihm die notwendige Kommunikation zur Bereinigung der verfahrenen Situation am Arbeitsplatz verweigert wurde und wie sehr ihn dies belastet hat. Insoweit sind ihm die Aussagen in diesem Buch genauso auch in der Praxis widerfahren.

In Frankreich gibt es übrigens zwischenzeitlich einen Straftatbestand, der diesen "Perversen" wie sie in dem Buch von der Autorin bezeichnet werden, endlich das Handwerk legt. Natürlich bleibt das Problem der Beweisführung trotzdem auch weiterhin bestehen.

In unserem ach sol tollen Rechtsstaat sind wir natürlich (noch) nicht soweit. Aber irgendwann wird sich auch die Politik vor dieser Problematik nicht mehr länger verschliessen können. Somit hat vielleicht der eine oder andere dann schon die Möglichkeit endlich Gerechtigkeit zu erfahren. Die Zeche zahlt bis dato ja ohnehin nur der Steuerzahler!



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#9
Ha! Dieses Buch kenn ich auch.

Natürlich gibt es 2 Seiten der Medaille - aber das ist immer noch keine Rechtfertigung zum Mobben/Bossen!

Wenn über längeren Zeitraum dem Mitarbeiter jegliche Rechte abgesprochen werden - also der TVöD missachtet wird. Der PR nicht Stellung bezieht. Auf der anderen Seite aber für jede kleinste Unregelmäßigkeit/Übertretung der TVöD wiederum herangezogen wird. Wenn alleine schon die Erwähnung, dass man lt. TVöD Rechte hat, einen Wutausbruch des Vorgesetzten und Sanktionen nach sich zieht, wird sich der Gemobbte irgendwann auch nicht mehr so korrekt verhalten (können).

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#10
Ich kann hier nur raten, mit den Begriffen "Mobbing und Bossing" sehr vorsichtig zu sein! Es kann ganz schnell gegen einen verwendet werden, wenn diese Worte in einem Gespräch aus lauter Frust fallen. Hier würde ich eher auf "Schikane" zurückgreifen!!!

Ansonsten kann ich allen Betroffenen nur empfehlen, sammelt alles und lasst es Euch notfalls von einem Zeugen bestätigen! Sofern anwaltliche Hilfe notwendig wird, kann dieser entsprechendes Material sinnvoll verwenden.

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