Kündigung mit Abfindung akzeptieren?
#1

Ich bin fast 20 Jahre im öffentlichen Dienst als Erzieherin angestellt. Nun Kündigung wegen längerer Krankheitsphase (aber keine negativ Prognose). Im Gütetermin wurde mir eine kleine Abfindung geboten. Ich möchte aber meinen Arbeitsplatz erhalten. Ist das nachvollziehbar? Ich brauche die Sicherheit und der Gedanke an was Neues macht mit große Angst.
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#2

Natürlich ist es nachvollziehbar. Ob es gelingt lässt sich mit den Informationen nicht einschätzen. Hast du einen Anwalt oder gewerkschaftlichen Rechtsschutz? Wenn man eine Abwehr der Kündigung anstrebt (und nicht nur die Höhe der Abfindung beeinflussen will), sollte man mit Anwalt/gewerkschaftlichen Rechtsschutz im Verfahren nutzen.

Wenn es keine negative Prognose gibt und dies auch belastbar dargelegt werden kann, wäre eigentlich die Kündigung abwehrbar. Aber wie es sich fürs Gericht darstellt ist unklar. Gab es Signale beim Gütetermin? Die Anbietung einer kleinen Abfindung ist normal und sagt nichts zur Erfolgsaussicht. Die Kosten des Verfahren und ein Restrisiko machen es für den Arbeitgeber auch bei guter Erfolgsaussicht sinnvoll eine kleine Abfindung anzubieten.
Für die Einschätzung der Erfolgsaussicht müsste man sich z.B. mit diesen Faktoren befassen:
Gibt es eine Einschätzung vom Anwalt/gewerkschaftlichen Rechtsschutz zur Erfolgsaussicht. Gab es ein Gespräch mit dem Personalrat? Liegt eine Schwerbehinderung vor? Wie verlief das BEM-Verfahren? Ist die Krankenphase vorbei und die Arbeit war bereits wieder aufgenommen? Was war es für eine Erkrankung? Was weiß der Arbeitgeber über die Erkrankung und was ist man bereit vor dem Gericht offenzulegen (ob es sinnvoll ist hängt wieder von den Details an). Wie lang war die Krankenphase und waren es mehrere Kurzzeiterkrankungen/Phasen oder eine lange ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit?
Letztlich spielt auch eine Rolle wie die Chancen auf einen neues Arbeitsverhältnis sind. In manchen Regionen würde man quasi sofort eingestellt. In anderen Regionen sind die Jobaussichten für Erzieherinnen und Erzieher deutlich schlechter.

Daneben muss man schauen, ob man davon ausgeht, dass man nach einer erfolgreichen Klage das Arbeitsverhältnis ungestört fortsetzen kann. Es gibt Arbeitgeber, die nach einer solchen erfolgreichen Klage nicht sehr nett mit dem Arbeitnehmer umgehen. Auch kann es sein, dass es noch durch die Instanzen geht und die Zeit muss man überbrücken und ist mit Kosten verbunden, die man erstmal tragen muss.
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