Erholungsurlaub für Beamte: Anspruch & Regelungen
Beamtinnen und Beamte haben gesetzlichen Anspruch auf jährlichen Erholungsurlaub unter Fortzahlung der Bezüge. Die Rahmenregelung ist in § 44 Beamtenstatusgesetz (BeamtStG) sowie für Bundesbeamte in § 89 Bundesbeamtengesetz (BBG) verankert.
• Urlaubsdauer: Regelmäßig 30 Arbeitstage pro Kalenderjahr bei einer 5-Tage-Woche.
• Zusatzurlaub: Schwerbehinderte Beamte (GdB ab 50) erhalten nach § 208 SGB IX 5 zusätzliche Urlaubstage.
• Krankheit im Urlaub: Durch ärztliches Attest belegte Krankheitstage werden nicht auf das Urlaubskonto angerechnet.
• Verfallsfrist bei Krankheit: Urlaubsansprüche verfallen bei langanhaltender Dienstunfähigkeit erst 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres.
• Urlaubsabgeltung: Nur bei Beendigung des Dienstverhältnisses für krankheitsbedingt nicht genommenen Mindesturlaub.
Dauer, Wartezeit und Zusatzurlaub
Die Ausgestaltung des Urlaubsrechts obliegt den Verordnungsgebern des Bundes und der Länder (z. B. der Freistellungs- und Urlaubsverordnung NRW – FrUrlV NRW):
- Regelanspruch: 30 Arbeitstage im Kalenderjahr bei 5 Arbeitstagen pro Woche. Bei Teilzeit oder abweichenden Arbeitszeitmodellen erfolgt eine taggenaue Umrechnung.
- Wartezeit: Nach Neueinstellung kann der volle Erholungsurlaub in der Regel nach einer Beschäftigungszeit von sechs Monaten beansprucht werden (bei Widerrufsbeamten nach drei Monaten).
- Zusatzurlaub für Schwerbehinderte: Nach § 208 SGB IX steht schwerbehinderten Beamtinnen und Beamten ein gesetzlicher Zusatzurlaub von 5 Arbeitstagen pro Kalenderjahr zu.
- Schicht- & Wechselschichtdienst: Für Nachtdienst und Schichtarbeit werden je nach Landesverordnung zusätzliche Freistellungstage gewährt.
Übertragung, Verfall und die 15-Monats-Grenze
Erholungsurlaub soll grundsätzlich im laufenden Urlaubsjahr genommen werden. Ist dies aus dienstlichen Gründen oder wegen Erkrankung nicht möglich, gelten klare Übertragungsregeln:
- Reguläre Übertragung: Nicht genommener Urlaub kann in das Folgejahr übertragen werden, muss dort aber in der Regel bis zu einem Stichtag (häufig 30. September oder 31. Dezember) abgewickelt werden.
- EuGH-Rechtsprechung bei Dauerdienstunfähigkeit: Beamte, die das gesamte Urlaubsjahr durchgehend dienstunfähig erkrankt waren, behalten ihren Anspruch auf den unionsrechtlichen Mindesturlaub (20 Tage bei einer 5-Tage-Woche) bis zu 15 Monate nach Ablauf des Urlaubsjahres (also bis zum 31. März des übernächsten Jahres).
Erkrankung während des Erholungsurlaubs
Wird eine Beamtin oder ein Beamter während des bewilligten Urlaubs dienstunfähig krank, greift der Schutzzweck des Erholungsurlaubs:
- Die Tage der nachgewiesenen Arbeitsunfähigkeit werden nicht als Urlaubstage gewertet.
- Voraussetzung ist die unverzügliche Vorlage eines ärztlichen Attestes ab dem ersten Krankheitstag.
- Der Urlaub verlängert sich nicht automatisch um die Krankheitstage, sondern die verbleibenden Tage werden dem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben.
Gesetzestexte: BeamtStG und Landesrecht am Beispiel NRW
Die Rahmennorm des Bundes sowie die maßgeblichen Verordnungsbestimmungen (Beispiel NRW) im Wortlaut:
§ 44 Erholungsurlaub (BeamtStG)
Beamtinnen und Beamten steht jährlicher Erholungsurlaub unter Fortgewährung der Bezüge zu.
§ 71 Erholungsurlaub (LBG NRW)
Der Beamtin oder dem Beamten steht jährlich ein Erholungsurlaub unter Fortgewährung der Leistungen des Dienstherrn zu. Die Landesregierung regelt durch Rechtsverordnung Einzelheiten der Urlaubsgewährung, insbesondere Dauer und Voraussetzungen der Inanspruchnahme, sowie Voraussetzungen und Umfang einer Abgeltung.
§ 17 Urlaubsanspruch
(1) Beamtinnen und Beamte haben in jedem Kalenderjahr Anspruch auf Erholungsurlaub unter Fortzahlung der Besoldung.
(2) Erholungsurlaub kann nach einer Beschäftigungszeit von sechs Monaten (bei Widerrufsbeamten nach drei Monaten) beansprucht werden.
§ 18 Urlaubsdauer
(2) Der jährliche Erholungsurlaub beträgt bei Verteilung der Arbeitszeit auf fünf Tage in der Woche 30 Arbeitstage.
§ 19 Inanspruchnahme und Verfall
(2) Urlaub, der nicht innerhalb von 15 Monaten nach dem Ende des Urlaubsjahres in Anspruch genommen worden ist, verfällt.
§ 19a Finanzielle Abgeltung
Erholungsurlaub bis zu einer Dauer von 20 Arbeitstagen (Mindesturlaub), der krankheitsbedingt nicht genommen werden konnte, ist finanziell abzugelten, wenn das Beamtenverhältnis endet.
§ 38 Erkrankung während des Urlaubs
Die Zeit einer nachgewiesenen krankheitsbedingten Dienstunfähigkeit während des Urlaubs wird auf den Erholungsurlaub nicht angerechnet.
Häufige Fragen (FAQ) zum Erholungsurlaub
Wie viele Urlaubstage haben Beamte im Jahr?
Regulär stehen Beamtinnen und Beamten bei Bund und Ländern 30 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche zu.
Gibt es Sonderurlaub für Beamte?
Ja. Bei besonderen Anlässen (z. B. Geburt des eigenen Kindes, Todesfall naher Angehöriger, Jubiläum oder staatsbürgerliche Pflichten) kann nach den Sonderurlaubsverordnungen bezahlter Sonderurlaub gewährt werden.
Kann genehmigter Urlaub durch den Dienstherrn widerrufen werden?
Ein Widerruf ist nur in zwingenden, unvorhersehbaren Ausnahmefällen aus dringenden dienstlichen Gründen zulässig. Dem Beamten entstehende Stornokosten sind vom Dienstherrn zu erstatten.
Was gilt für Urlaubsansprüche während der Elternzeit?
Der Erholungsurlaub kann vom Dienstherrn für jeden vollen Kalendermonat der Elternzeit um ein Zwölftel gekürzt werden, es sei denn, während der Elternzeit wurde eine Teilzeitbeschäftigung ausgeübt.
Foren für Beamtinnen und Beamte
Haben Sie Fragen zu Urlaubsübertragung, Fristen, Krankheitsfällen oder Sonderurlaub? In unseren Foren können Sie sich kostenlos austauschen:
Frage im Forum stellen
Foren im Überblick:
- Forum Beamte (alle Dienstherren)
- Forum Landesbeamte
- Forum Kommunalbeamte
- Forum Bundesbeamte
- Forum Personalrat
Aktuelle Stellenangebote
Bitte passen Sie die Suche nach Ihren Wünschen an:
Aktuelle Stellenangebote
Bitte passen Sie die Suche nach Ihren Wünschen an:
Weiterführende Themen zu Rechten & Fürsorge:
- Mutterschutz und Elternzeit für Beamte (§ 46 BeamtStG)
- Arbeitszeit & Gleitzeitsysteme im Beamtenrecht
- Dienstleistungspflicht & Fernbleiben (§ 34 BeamtStG)
- Fürsorgepflicht des Dienstherrn (§ 45 BeamtStG)
- Dienstunfähigkeit von Beamten (§ 26 BeamtStG)
- Beamtenstatusgesetz (BeamtStG) Inhaltsübersicht

