Weiterentwicklung im Öffentlichen Dienst + Stellensuche
#1
Hallo liebe Community,
 
Ich wende mich an Euch, weil ich ein Problem mit meinem Vater und meiner derzeitigen Stelle im öffentlichen Dienst habe (TV-öD in Baden-Württemberg, Bibliothekswesen). Die Stelle, die ich derzeit habe, ist befristet bis Ende 2019 ohne Option auf Verlängerung.
Die Sache stellt sich wie folgt dar: er lebt seit sehr vielen Jahren getrennt von meiner Mutter, will aber immer und sehr häufig wissen, wie es um meine berufliche Zukunft (und auch soziale Kontakte) bestellt ist. Er kann dabei sehr forsch und aufdringlich auftreten und bringt das Thema alle paar Wochen erneut auf seine Agenda.
Er war mit meinem konkreten Berufswunsch (Bibliothekar) nie zufrieden und ist es auch jetzt nicht. Er ist aber sehr daran interessiert, dass ich mittels Eigeninitiative und Vitamin „B“ in meiner derzeitigen Arbeitsstelle verbleibe, aber anspruchsvollere Tätigkeiten als die derzeitigen wahrnehme. Häufig sagt er mir dann, dass ich mich selbst um alles kümmern muss und ob ich nicht wüsste, ob die Bibliothek neue Stellen zu besetzen hat. Gerne sagt er mir auch, dass ein Mitarbeiter, der gute Arbeit leistet, IMMER im Unternehmen gehalten wird, unabhängig davon, ob es einen festen Stellenplan gibt oder nicht.
Ich erkläre ihm dann, dass der öffentliche Dienst meines Wissens nach nicht so funktioniert. Wenn eine Stelle projektiert ist, dann ist meine Qualität der Arbeitsleistung nicht relevant, wenn es Ende 2019 für mich nichts Neues gibt, dann kann die Bibliotheksleitung wenig für mich tun. Der Stellenplan ist vom Ministerium festgesetzt und die Flexibilität nur gering ausgeprägt.
Ich frage Euch an dieser Stelle: ist es tatsächlich so, dass ich im ÖD (als Berufsanfänger auf E9-Niveau) wenig Einfluss auf eine Fortbeschäftigung habe (abgesehen von den üblichen Kanälen: neue öffentliche Ausschreibungen und interne Stellenvergaben)?
Es liegt nicht in meiner Absicht, abzustreiten, dass mir Eigeninitiative fehlt. Es ist aber auch eine Tatsache, dass ich für mich keine Karriere im ÖD anstrebe und nicht ständig große Projekte stemmen will.
Alles was ich Euch jetzt schreibe, habe ich ihm und anderen Familienmitgliedern schon x-fach wiederholt erklärt, aber er kommt ständig mit den gleichen (Totschlag-)Argumenten und meine Reaktion darauf, z.B. dass er mich damit in Ruhe lassen soll oder ich seine Anrufe gelegentlich ignoriere, führt dann dazu, das er sagt: „Wenn du nicht willst, dass ich dir helfe und es gut meine, dann brauchst du es nur zu sagen. Ich will nur das Beste für dich.“ Er hält sich leider nicht daran.
Es bringt auch nichts, ihm einmal lautstark und vehement zu widersprechen und klare Kante zu zeigen. Zwei Wochen später geht der Spaß von Vorne los.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch tun kann oder ob ich hier im Unrecht bin? Ich kann ihm irgendwie sehr schlecht argumentativ begegnen und ihm schlecht vermitteln, dass der ÖD nicht wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen agiert, wo tatsächlich gute Mitarbeiter häufig im Unternehmen gehalten werden, koste es, was es wolle. Das will er nicht verstehen und ich kann ihm diesen Irrtum nicht austreiben.
Es nervt am Ende nur noch sehr ☹
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Oliver

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#2
Hallo Oliver,
ich bin als Beamter in der öffentlichen Verwaltung tätig und habe seit vielen Jahren ganz ähnliche Probleme mit meinem Vater. Ich glaube es liegt daran, dass die Wirtschaft boomt und riesige Karrierechancen bietet. Die öffentliche Hand zählt da nicht mehr, erst Recht nicht für Männer, deren Wert in der Gesellschaft (leider) maßgeblich von ihrem Status abhängt. Mein Vater kann es nicht verstehen, dass ich keine hochrangige Führungskraft in der Verwaltung bin. Ich habe mich entschieden, ihn einfach nur selten zu besuchen, um mir den Ärger zu ersparen.

Gruß
Hannes
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#3
Also zumindest auf beruflicher Ebene hat mich vor kurzem ein ähnliches Schicksal ereilt: Als Berufsanfänger kommunal im Marketing-Bereich angestellt, während der zwei Jahre Vertragslaufzeit exzellente Zeugnisse erhalten, große Projekte begleitet und zahlreiche Überstunden angesammelt (da die Abteilung natürlich vollkommen überlastet ist). Aber dann hieß es: "Sorry, Effizienzprogramm, keine Verlängerung möglich". Fernab jeglicher wirtschaftlicher Rationalität haben einfach die aktuellen, nackten Zahlen entschieden. Dass es teurer sein wird, irgendwann in ferner Zukunft, wenn die Zeiten wieder besser sind, einen neuen Mitarbeiter anzulernen (denn die Aufgaben in der ohnehin überforderten Abteilung bleiben ja bestehen) war offensichtlich vollkommen egal.

Es hat drei Bewerbungen für eine neue Anstellung in der freien Wirtschaft gebraucht. 60 Prozent mehr Gehalt im Vergleich zum ÖD bei identischen Sozialleistungen. Also Kopf hoch, das Leben endet nicht mit diesem Zeitvertrag.
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#4
Ja, es stimmt, im Öffentlichen Dienst ist es nicht selbstverständlich, dass "gute Mitarbeiter" gehalten werden können, und Aufstiege sind ebenfalls nicht leicht.
Falls man Interesse an einer "Karriere" in höhere Positionen hat, reicht es nicht, einfach seine Arbeit sehr gut zu machen...

Beatrix
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#5
@Beatrix...das stimmt.......die Ar...kriecherei wegen/um höhere Posten hat im ÖD stark zugenommen. Leider ist das Gang und Gebe. Wäre dieses vor langer Zeit bei meiner Einstellung an der Tagesordnung gewesen, ich wäre lange lange nicht mehr im ÖD. Das bisschen krieg ich auch noch hin ;-) Im Prinzip hab ich eh keine Motivation mehr, sehe nur meine Gesundheit im Vordergrund, mache noch meine Arbeit und sehe zu so viel wie möglich Geld zu sparen für die Zeit danach ;-)

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