Was tun nach Bossing?
#1
Hallo zusammen,

ich bin Kommunalbeamter (49 Jahre alt) und seit 4 Monaten wegen psychischer Probleme infolge Mobbings dienstunfähig. Bereits seit 10 Wochen befinde ich mich nunmehr deshalb auch in stationärer Behandlung.

An den alten Arbeitsplatz kann ich nicht mehr zurückkehren nach all dem was dort mit mir "veranstaltet" wurde. Ausserdem hat mir der BM eindeutig signalisiert, dass man mich dort nicht mehr haben möchte weil ich meine Leistung nicht bringen würde.

Nun plötzlich drängt mein Dienstherr jedoch völlig überraschend wieder auf meine baldige Dienstaufnahme und will weiter mit mir planen.

Die Wiederaufnahme des Dienstes dort wäre allerdings für mich eine zu grosse Belastung. Eine einseitige Versetzung zu einer anderen Kommune ist leider nicht möglich so dass eigentlich nur die Dienstunfähigkeit bleibt.

Was kann/sollte ich nun tun, denn gesund werden und bleiben ist mein Ziel?? Wie würdet ihr euch in meinem Fall verhalten?

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#2
Also wenn ich Ihren Beitrag so lese, dann glaube ich, dass die Moral in Ihrer Dienststelle wohl momentan ihren Tiefpunkt erreicht hat. Erst will man Sie loshaben, dann benötigt man Sie plötzlich wieder. Wenn Sie wegen Bossing schon so lange erkrankt sind und sich dann auch noch in stationärer Behandlung befanden, dürfte das Mobbing / Bossing wohl ziemlich heftig und von hoher "Qualität" gewesen sein.
Nun, über eine Dienstunfähigkeit entscheiden in erster Linie Fachärzte und Amtsarzt. Auch ich wurde jahrelang von Vorgesetzten schikaniert (Arbeitsentzug, Verbreiten von üblen Gerüchten, Ausgrenzung usw.) Folgen: Bluthochdruck, Schlafstörungen, Magen- Darmprobleme, Depressionen, usw.
Mobbingbeauftragter und Personalrat hielten sich heraus, da das Bossing von "ganz oben" kam und man sich nicht unbedingt "den Mund verbrennen" wollte.
Mir war klar, dass ich schon aufgrund meines Alters nirgendwo mehr genommen werde und vertraute mich Fachärzten an, die dann auch das Weitere für mich veranlassten. Nach 1 1/2 Jahren Krankschreibung und zwei Besuchen beim Amtsarzt, der sehr übrigens verständnisvoll war, bekam ich nun die Mitteilung, dass man mich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen möchte, was eigentlich schon länger das Ziel meines Dienstherrn war (Stelle wird übrigens nicht mehr neu besetzt - Steuerzahler spart auch noch Geld)

...............und das war`s dann !!
Stationäre Behandlung usw. ? Fehlanzeige !!

Ich wünsche Ihnen alles Gute - werden Sie gesund !
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#3
Danke für Die Antwort.

Über weitere Tipps würde ich mir sehr freuen.

Mein Vertrauen zu meiner Dienstherrn ist leider total zerrüttet. Ist wie bei einer langjährigen Beziehung, wenn das Vertrauen fehlt, bleibt nur noch die Scheidung.

Mein Dienstherrr - vertreten durch den Bürgermeister - möchte sich nur noch reinwaschen und mir den (wieder einmal) den"schwarzen Peter" zuschieben. Keiner will die Verantwortung für mein menschliches Desaster übernehmen.

Hoffentlich sieht dies mein Nervenarzt/Psychiater anders und untersützt mich weiterhin.
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#4
(07.07.2011, 12:18)Gast schrieb: Mir war klar, dass ich schon aufgrund meines Alters nirgendwo mehr genommen werde und vertraute mich Fachärzten an, die dann auch das Weitere für mich veranlassten. Nach 1 1/2 Jahren Krankschreibung und zwei Besuchen beim Amtsarzt, der sehr übrigens verständnisvoll war, bekam ich nun die Mitteilung, dass man mich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen möchte, was eigentlich schon länger das Ziel meines Dienstherrn war (Stelle wird übrigens nicht mehr neu besetzt - Steuerzahler spart auch noch Geld)

Danke für Ihre Stellungnahme. Darf ich fragen wie alt Sie denn sind? Reichen die Versorgungsbezüge auch?
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#5
Ja, gerne dürfen Sie nach meinem Alter fragen. Ich bin Mitte 50 und seit den späten 70er Jahren im Staatsdienst tätig. Mit den errechneten Versorgungsbezügen käme ich zurecht, mein Häuschen ist zwischenzeitig abbezahlt, Lebensgefährtin verdient relativ gut.

wünsche schönen Tag
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#6
Wir haben es geschafft unseren Chef zu kicken. Dies hat zwar gedauert, aber im nachhinein hat es sich gelohnt. Die ersten Vorkommnisse wurden auf die Mitarbeiter geschoben. Nachdem 7 Mitarbeiter in 3 Jahren verschlissen waren und dies aufgrund Befristungen nicht so auffiel, der nächste Vorgesetzte noch schützend seine Hand drüber hielt, war es an der Zeit. Wobei ich sagen muss, dass ich nicht im Visier war, sondern im 3 monatigen Abstand immer ein anderer Mitarbeiter. Ich kam erst zum Schluss, nachdem klar war, wer die Kollegen unterstützt hat. Es waren aber nicht alle dabei und dies machte es besonders schwer.

Im Vorfeld muss man sich erkundigen über verschiedene Charaktere; es wird also psychologisch. Dann holte ich mir von Frau Reinker das Buch: Rache am Chef. Lässt sich so zusammenfassen, das Chefs vor allen Dingen eins haben: Privilegien. Wissensvorsprung wird zum Machterhalt ausgenutzt. Bei Parties ihresgleichen, sind alle Mitarbeiter blöd und jeder Chef hat die meisten Überstunden vorzuweisen.
Mit derlei Wissen wurde es praktisch. Der Chef wurde mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Das setzt allerdings voraus, dass man charakterlich gefestigt ist und auch in der Lage ist dem Chef einiges zu sagen. Und bei dem Problem hakt es bei den meisten Menschen wegen der Angst vor Jobverlust, Diszi oder Abmahnung.

Ich kann nur jedem raten: Nichts gefallen lassen. Beratung und Ärzte sind gut. Wenn es aber arbeitsmäßig keinen Ausweg gibt, dann nützt die beste Therapie nichts, wenn man wieder zurück muss. Das Problem besteht weiterhin.
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#7
Hallo Kollegen,

vielen Dank für Eure Nachricht. Ich bin übrigens Beamter. Mit entsprechendem Druck versucht man auch Beamte heutzutage zu degradieren. Und was das Mobbing anbelangt hat das mit normaler Kritik nichts zu tun wenn ich dann zum Sündenbock für alles gemacht werde was in unserer Dienststelle in der Vergangenheit schief gelaufen ist. Hierfür tragen vielmehr andere die Verantwortung.

Und was die Telekom anbelangt weiss man ja was da lief bzw. noch läuft. Jeder der dort arbeitet bzw. arbeitete kann einem nur leid tun. Und sowas zweimal erleben zu müssen wie ich ist schon der absolute Gipfel.

Es handelte sich dabei auch keinesfalls um ein ganz normales Kritikgespräch. Die Botschaft dabei war ganz eindeutig: geh. Du wirst unseren Anforderungen in keinster Weise gerecht. Ich habe mir darüber auch ein Gedächtnisprotokoll angefertigt.

Warum der Facharzt und die Klinik das nicht einsieht ist mir vollkommen schleierhaft. Aber ich weiss ja, dass mein Dienstherr mehrmals in der Klinik angerufen hat.

Umsetzung in eine andere Dienststelle bringt auch nichts, da ich dem Bürgermeister weiter unterstellt bin.

Also ich weiss echt nicht wie ich da wieder hin soll.
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#8
Hallo @all,

"nüchtern betrachtet werden laut Statistik 50 % der Mobbingfälle durch Entfernung des Opfers aus der Situation "gelöst". Tatsächlich sind Versetzungen, Abordnungen, vorzeitige Dienstunfähigkeit und dgl. (bei Angestellten auch Kündigung) oft die einzige Möglichkeiten, eine Mobbingsituation zu beenden, insbesondere bei Bossing (Mobbing durch Vorgesetzte)."

Quelle: Projekt Lehrergesundheit Rheinland-Pfalz: Mobbing? Wehret den Anfängen...

Warum gesteht man mir das dann nicht zu? Bin ich zu "jung"?
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#9
.... das Mobbingopfer wird also "entfernt" !! Viel wichtiger wäre es aus meiner Sicht, die Mobber aus dem Dienst zu entfernen und ihnen eine gesalzene Rechnung für die von ihnen angerichteten Schaden zu stellen.

In vielen Fällen ist aber Bossing sogar erwünscht um Mitarbeiter, aus welchen Gründen auch immer, aus dem Dienst zu drängen. Gerade im Öffentlichen Dienst, mit seinen vergleichsweise sehr sicheren Arbeitsplätzen sind Mobbing & Bossing ein wichtiges Instrument zum Personalabbau geworden.

Traurig, wie weit die Moral im Staatsdienst schon abgesunken ist !!
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#10
Ja, so ist das eben denn Ober sticht Unter. Gegen die Chefs hast Du sowieso niemals eine echte Chance und die haben natürlich auch immer recht.

Von wegen Gerechtigkeit.

Und die Psychologen sagen dann noch zu dir: den Chef kannst Du nicht ändern, aber dich selbst.

Also sich weiter mobben bzw. bossen lassen und sich einfach nichts daraus machen?! Wenn das nur so einfach wäre. Ich kann das jedenfalls nicht.

Dann lieber das Weite suchen in der Hoffnung dass es woanders besser ist.

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