Vorstellungsgespräche - Bitte um Tipps
#1
Hallo KollegInnen,

vorab eine kurze Information zu meiner Person: ich bin PR-Mitglied beim Sozial- und Jugendamt einer größeren Stadt in Baden-Württemberg. Außerhalb der PR-Tätigkeit verdiene ich mir mein täglich Brot als Sozialarbeiter im Bereich Allgemeine Sozialhilfe in der Dienststelle, in der ich auch PR bin.

Als PR sind wir – entsprechend den Vorgaben im LPVG Ba-Wü. – an Vorstellungsgesprächen beteiligt. Ich hatte so also auch das „Vergnügen“, in der vergangenen Woche zwei Terminen „beizusitzen“, an denen 2 SozialarbeiterkollegInnen für den Bereich des SGB II ausgewählt werden sollten, nachdem die Stelleninhaberinnen binnen 6 Wochen in Mutterschutz gegangen sind, bzw. sich beruflich neuorientieren werden (außerhalb unserer Dienststelle).

Mit der Auswahl nach dem ersten Gespräch kann ich leben (Studentin an der DHBW, beendet in 09/11 ihr Studium). Das zweite Gespräche verlief aus meiner Sicht nicht ganz unproblematisch – der Abteilungsleiter hat die Bewerberin (kommt aus dem Bereich der Betreuung von Jugendlichen bei einem großen Bildungsträger – dort läuft ihr Vertrag aus, sie will sich nun verändern) meines Erachtens extrem ausgiebig auf die fehlenden Rechtskenntnisse „festgenagelt“ und sonstige Qualifikationen, die sie aus meiner Sicht durchaus mitbringt, nicht hinreichend gewürdigt. Das Gesprächsverhalten des Chefs führte letztendlich dazu, dass die Bewerberin jetzt auch abgesagt hat. Ich hatte als PR das Problem, dass ich keinen Ansatzpunkt gesehen habe, um bei den Fragen zu intervenieren, der Chef hatte keine dieser berühmt berüchtigten „verbotenen“ Fragen gestellt.

Fakt ist nun aber auch: die Stelle wird jetzt erneut ausgeschrieben. Bei den Qualifikationen, die in der Ausschreibung gefordert werden, gleicht mir das Ganze der Suche nach der „eierlegenden Wollmilch-Sau“.

Meine Fragen an Euch:

 Habe ich als PR-Mitglied Interventionsmöglichkeiten, wenn ich merke bzw. das Gefühl habe, im Vorstellungsgespräch wird einer Bewerberin über Gebühr zugesetzt? Wenn ja, welche?
 können wir als Gremium irgendwie auf den Inhalt der Stellenausschreibung einwirken? Ich gehe davon aus, dass die Stelle bei den im Moment zugrunde gelegten Kriterien nicht so ohne weiteres wieder zu besetzen sein wird – folglich befürchte ich fast, dass die DHBW-Absolventin früher oder später wieder abspringen wird.

Vorab schon mal Danke für Eure hoffentlich zahlreichen Antworten.

Kollegiale Grüße,

J.

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#2
Hallo JenSie,

im Normalfalle müssen an alle Bewerber die gleichen Fragen gestellt werden, da sonst keine objektive Auswahl erfolgen könnte. Die Beschäftigtenvertretung ist nur als Beobachter dabei, hat aber im Mitbestimmungssachen abschließend einige Prüfungen hinsichtlich des Verfahrens zu beachten. Habt Ihr für Eure Region einheitliche Auswahlkriterien? Diese gibt es eigentlich im Beamtenrecht (nach meiner Kenntnis bundesweit) diese werden im allgmeinen auch auf Beschäftigte umgelegt. Als PR könnt Ihr im Mitbestimmungsverfahren diese mit entsprechender Begründung ablehnen. Für mich stellt sich die Frage: Welche Beschäftigtenvertretungen waren dabei? Hat der PR vorab alle Unterlagen der Bewerber erhalten? War ein Schwerbehinderte/r dabei? War die Frauenvertretung bzw. Gleichstellungsbeauftragte dabei? usw.
Wurden alle Bewerber rechtzeitig informiert? Habt Ihr vorab die Fragen erhalten? Und, und, und. Vielleicht kannst Du die Situation etwas genauer schildern?
Gruß
Mumie
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#3
Hallo Mumie,

erst mal einen herzlichen Dank für Deine Antwort.

Zu Deinen Fragen:

1.) bei uns ist das so geregelt, dass bei Stellen, die im Amt zu besetzen sind, vom PR ein Mitglied zu den Vorstellungsgesprächen geht, in diesem Fall war ich das. Die Unterlagen hatte ich mir zuvor bei unserem Personaler geholt und durchgesehen.

2.) SBV war bei den Vorstellungsgesprächen nicht beteiligt. Bei uns werden die KollegInnen der SBV nur dann hinzugezogen, wenn es sich bereits aus der Bewerbung ergibt, dass ein Bewerber/eine Bewerberin dem Bereich der Schwerbehinderten zuzuordnen ist.

3.) Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte war bei den beiden Vorstellungsgesprächen nicht beteiligt. Frauenbeauftragte haben wir nur für die gesamte Stadt und eine Gleichstellungsbeauftragte fehlt uns im Moment noch.

4.) beide Bewerberinnen wurden vom Termin des Vorstellungsgespräches rechtzeitig informiert.

5.) die Fragen unseres Chefes/des Personalers haben wir vorab nicht erhalten. Ich staune hier jedoch etwas - ist das bei Euch so üblich? Wäre dann für uns mal ein interessanter Ansatzpunkt.

6.) Auswahlkriterien: unser Chef hatte eine Checkliste vor sich liegen, die er direkt im Anschluß an das Gespräch ausgefüllt und dabei irgendwelche Punkte eingetragen hat. Was die Liste beinhaltet, weiß ich allerdings nicht.

Wichtig vielleicht noch zu erwähnen: wir haben nach den Gesprächen jedesmal noch ca. 10 Minuten eine gegenseitige Austauschrunde gehabt, wo jeder der drei Beteiligten seine Eindrücke einbringen konnte. Was ich daran allerdings problematisch finde: entweder gibt es dann immer 3:0 Wntscheidungen oder aber es kommen Entscheidungen 2:1 dabei heraus.
Einheitliche Auswahlkriterien ist bei den beiden zu besetzenden Stellen etwas "schwierig" - zwei Verwaltungsleute + 1 PR wählen eine(n) SozialarbeiterIn aus (zum Glück bin ich ja wenigstens was die Sozialarbeit anbelangt "vom Fach").

Nun ja, derzeit ist es so, dass die Bewerberin des zweiten Gespräches von sich aus abgesagt hat, die Stelle ist jetzt erneut ausgeschrieben. Unsere PR-Vorsitzende und ich wollen nächste Woche mal den Personaler "besuchen" und mit ihm ein Gespräch darüber führen, wie die Situation halbwegs anständig gelöst werden kann. Ich denke, wir werden dabei ein besonderes Augenmerk auf die Auswahlkriterien für diese Stelle legen müssen ...

Meine Antwort ist jetzt etwas länger als geplant, ich hoffe aber, dass nun alle Fragen beantwortet sind und freue mich immer noch auf viele Rückantworten und Tipps/Tricks für zukünftige Vorstellungsgespräche.

Danke fürs Zulesen und schönen Abend noch,

J.
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