De-Mail und neuer Personalausweis: Durchbruch für das virtuelle Rathaus ?
#1
Durch De-Mail soll der Versand elektronischer Nachrichten über das Internet in Deutschland rechtssicher werden. Anbieter wie die Deutsche Post ("ePostbrief"), die Deutsche Telekom und United Internet stehen in den Startlöchern.

Auch Dienstleister von E-Government-Lösungen erwarten große Chancen. In Verbindung mit dem "neuen Personalausweis" und dessen elektronischer Unterschrift (Signatur) wird der Durchbruch für das "virtuelle Rathaus" erhofft.

Die Verwaltungstätigkeiten sollen zukünftig standardisiert werden und medienbruchfrei digital ablaufen. Demnach sollen im Idealfall Bürger und Unternehmen ihre Anliegen digital mitteilen (möglichst online mittels elektronischer Formulare) und die Kommunen diese Pozesse digital fortführen und abschließen.

Als Vorteile / Chancen werden u.a. genannt:
+ Reduzierte Kosten für Verwaltungen und Unternehmen
+ Angebot neuer und besserer Services, zu jedem Zeitpunkt erreichbar
+ Schnellere, fehlerfreie Bearbeitung
+ Auslagerung (Outsourcing), ÖPP / PPP, Kooperationen, etc. möglich (vgl. auch "Cloud Computing", "Shared Services")
+ Vorbeugung gegen Korruption
+ Keine Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern

Demgegenüber werden als Nachteile / Risiken aufgeführt:
- Hohe Einführungskosten
- Kosten für doppelspurige Kommunikation (traditionell und digital)
- Unpersönliche Kommunikation
- Technisch unsicher
- Spaltung der Bevölkerung in Onliner und Nonliner (Internet als Voraussetzung für Rechte und Teilhabe ?)
- Zu kompliziert: Bedienungsprobleme für Ältere, Migranten, Behinderte

Wie bewerten Sie die Auswirkungen von De-Mail und neuem Personalausweis auf das E-Government ? Ist dies der Durchbruch für das "virtuelle Rathaus" ?

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#2
Hallo,

die Softwareanbieter versprechen hier einmal wieder das Blaue vom Himmel. Man spricht es nicht aus, aber eigentlich hält man Rathäuser und die kommunalen Bediensteten für überflüssig... Eine unsägliche Technikgläubigkeit.

Bei ganz einfachen Prozessen wie "Beantragung eines Parkausweises" mag dieses "digitale Prinzip" vielleicht noch funktionieren.

Die kommunale Praxis ist aber meist so differenziert und kompliziert, dass man diese gerade nicht ausschließlich über digitale Internetformulare o.ä. abwickeln kann.

Und das Wichtigste: Wer einmal in der Kommunalverwaltung gearbeitet hat, weiß, wie viele Menschen auf persönliche Hilfe beim Ausfüllen der Formulare angewiesen sind. Ich würde diesen Personenkreis auf 25 % der Bürger schätzen - Ältere, Ausländer, Behinderte, Analphabeten, minder Intelligente, usw.

Mit einer neoliberalen Einstellung mag man akzeptieren können, dass nicht alle Einzelfälle berücksichtigt werden oder nicht alle Bürger ihre Rechte wahrnehmen können. Mit einer sozialen Einstellung aber nicht.

Helga W.
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#3
Gibt es denn schon Vorstellungen oder Umfragen darüber, wie viele Bürger De-Mail und elektronischen Ausweis / elektronische Signatur beim neuen Personalausweis nutzen wollen ? Ich stelle mir die Nachfrage eher gering vor.

Ich sehe für mich jedenfalls keinen Bedarf. Einkäufe kann ich bereits ohne Probleme im Internet erledigen. Und wenn ich mal alle paar Jahre etwas mit der Stadtverwaltung klären muss, mache ich das gerne persönlich. Im persönlichen Gespräch bekommt man oft noch einen guten Tipp. Und auch wählen kann ich per Briefwahl oder im Wahllokal.

Außerdem soll mein E-Mail-Postfach für freundliche Mails von Freunden reserviert bleiben. Bußgeldbescheide, Steuerbescheide, amtliche Fragebögen, o.ä. möchte ich darin gar nicht haben Icon_cheesygrin

Martin
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#4
Ich hoffe sehr, dass sich beides durchsetzt und sich insbesondere in Sachen "virtuelle Behördengänge" noch einiges tut.

Momentan siehts leider so aus, dass Klasse3-Reader für den NPA nicht/kaum zu bekommen sind und tatsächliche Funktionen für den NPA auch noch sehr rar gesäht sind.

Meines Wissen kann man sich noch nichtmal für De-Mail registrieren und die Autentifizierung anstatt über Postident mit dem NPA erledigen.
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#5
Die AKDB bietet bereits eine Lösung an, genannt "Bürgerservice-Portal".

130 http://www.akdb.de/std/loesungen/produkt...no_cache=1

Das "Bürgerservice-Portal" der AKDB umfasst demnach bereits Einwohnerwesen, Verkehrswesen-Zulassung sowie Verkehrswesen-Fahrerlaubnis. Und "weitere Dienste z.B. aus dem Personalwesen, Finanzwesen, Bau-/Grundstückswesen und Sozialwesen sind bereits in Planung." Die Stadt Ingolstadt ist offenbar Pilotanwender.

@ Helga W.: Du hast natürlich recht mit Deiner Folgerung, dass es hier auch stark um Personalabbau in den Kommunen geht. Im Produkt-Video wird dies allerdings höflich umschrieben mit einer "Entzerrung in den Kommunen in den Bürgerdiensten" und "Entlastung der Mitarbeiter"...
Ich schätze, dass der Personalabbau in den Bereichen Bürgerbüro sowie Straßenverkehrsamt / Zulassungsstelle auch recht schnell vonstatten geht.

Gruß Christian
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#6
Nur 30 % der Antragsteller für den neuen Personalausweis lassen sich die Funktion des elektronischen Identitätsnachweises freischalten. Wenn man davon ausgeht, dass vielleicht 1/3 dieser Bürger diesen auch tatsächlich gegenüber ihrer Kommune für Anträge o.ä. nutzen, dann sind das gerade mal 10 % der Bürger. Bei diesen Zahlen braucht niemand von Personaleinsparungen sprechen. Im Gegenteil verursacht die Doppelspurigkeit natürlich Mehrarbeit.

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