Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
#1
S10347

ich würde gerne wissen, wie Eure Erfahrungen zum Thema betriebliches bzw. behördliches Eingliederungsmanagement (BEM) sind. Ich weiß, dass das BEM schon an vielen Stellen im öffentlichen Dienst praktiziert wird- teilweise sogar bei einigen Körperschaften eigene Stellen für diese Aufgabe geschaffen wurden, die sich nur damit auseinandersetzen.

Da wir zu wenige Beschäftigte sind, um dafür eine eigene Kraft einzustellen, wird es an einem "Freiwilligen" hängen bleiben. Da gab es einige Bedenken, da es teilweise ja um Krankheiten oder Probleme geht, die nicht jeder einem Bestimmten erzählen mag, wenn er ihm ohnehin nicht sehr sympathisch ist - würde mir ja auch so gehen. Nur wenn man für jede Berufsgruppe und Geschlecht jeweils einen Ansprechpartner wählen würde, wären es ja schon mindestens 4 Leute was meiner Meinung nach einfach zuviel ist. Da würde der Kreis, der vom Beschäftigten weiß, warum er andauernd krank ist, noch größer und das ist ja für diesen auch nicht erstrebenswert.

Habt ihr vlt. schon das BEM am laufen? Wie habt ihr das mit dem "Verantwortlichen" gemacht - und was für ein zeitlicher Aufwand steckt dahinter?

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#2
Steffi55,

bei uns läuft seit ca. 1 Jahr das BEM recht gut. Natürlich haben wir uns in spezielle Schulungen begeben, die uns die ersten Anhaltspunkte geliefert haben. Danach sind wir in eine Dienstvereinbarung gegangen. Ich habe mir einige schicken lassen, um erst einmal zu lesen worauf es ankommt. Der Kreis der Begleiter kann kaum klein gehalten bleiben, da der oder die Betroffene sich die Gesprächspartner aussuchen kann. Als wir nach den ersten Erstgesprächen merkten, dass das BEM nicht so einfach war, haben wir ein eigenes Coaching bekommen. Du solltest Dir unbedingt vorab von den Landesversorgungsanstalten einen Leitfaden zukommen lassen. Auch auf den Seiten des Ministeriums bekommst Du hinweise. Gehe mal auf die Internetseiten der Böckler Stiftung.
Wir haben inzwischen ein festes Integrationsteam gebildet. Unsere Kollegin für das Gesundheitsmanagement übernimmt dabei alle Koordinationen.
Solltest weitere Informationen benötigen, so gucke in mein Profil und maile einfach mal.

Gruß
Mumie
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#3
Ich arbeite in einer kleinen Gemeindeverwaltung mit etwa 100 Kollegen.

Wir haben BEM jetzt etwa 2 Jahre am laufen.
Bei uns bekommt das BEM Team vom Personalamt die Namen mit den Kollegen, die länger als 6 Wochen (in den letzten 12 Monaten) krank gewesen sind.
Die Personalseite entsendet 2 BEM Beauftragte, die Personalratsseite ebenfalls 2 BEM Beauftragte. Bei uns haben wir darauf geachtet, dass diese Personen nicht aus dem Personalamt/Personalrat kommen.
Wenn der BEM Betroffene angeschrieben wird, dann kann er entscheiden, mit wem er vom BEM Team sprechen möchte (mindestens je 1 pro Gruppe), dann kann er noch folgende Personen mit dazu nehmen:
Personalratsvorsitzenden, Schwerbehindertenvertretung, Gleichstellungsbeauftragte, Amtsarzt, seinen pers. Arzt, sonstige.

Die 4 Leute im BEM Team entscheiden selbstständig darüber, wer die Einladungen, Protokoll usw. macht.

In der Praxis sind die meisten Fälle so, dass sich 3 Menschen an einem Tisch treffen, miteinander reden und ein Protokoll mit einer Empfehlung für das Personalamt dabei raus kommt.

Knackpunkte sind:
- Empfehlung des BEM Teams z.B. Drehstuhl oder Stehtisch anzuschaffen, um den Genesungsprozess zu unterstützen oder zu verhindern, dass sich alles verschlimmert. Wer bezahlt das? Im schlimmsten Fall, hat der Betroffene und das Personalamt die Empfehlung aber es ist nur ein Stück Papier. Das BEM Team hat keine Möglichkeit irgendetwas "einzufordern" es kann nur empfehlen.
- Grundsätzliche Überwachung ob eine Empfehlung letztendlich auch durchgeführt wurde. Der BEM Betroffen steht im Grunde alleine da.

Das war mal etwas oberflächlich, wenn Du etwas genauer wissen möchtest, dann frag einfach nochmal nach. Icon_wink
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#4
Hallo,
bei uns (Kreisverwaltung, ca. 1000 MA) wird BEM seit einem Jahr eingeführt. Es gibt ein BEM-Team, bestehend aus mehreren Personen (aus Personalverwaltung, Gesundheitsmanagement, Personalrat, Gesundheitsamt u.a.)
Das Team erhält von der Personalverwaltung die Meldung, wenn jemand länger als 6 Wochen krank ist und setzt sich dann mit diesem Mitarbeiter in Verbindung, ob er eine Maßnahme im BEM machen will, ob es sinnvoll ist oder nicht. Kontakte und Maßnahmen werden dokumentiert.

Beatrix
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#5
Achtung, Leute! Mit dieser Geschichte kann man Kolleginnen/Kollegen auch schweren Schaden zufügen. Vielfach nutzen DS-Leitungen die Möglichkeiten, die BEM eröffnet, auch dazu, sich der "Kranken" galant zu entledigen. Und das kann für jüngere Kolleginnen/Kollegen, die nichts für ihre Notlage können, sehr schnell in den sozialen Abgrund driften lassen. Bleibt immer kritisch und laßt euch keinen Rauch in die Taschen machen. DS-Leitungen verfolgen heutzutage immer andere Ziele, als "billig und gerecht denkende Menschen".
Glück auf:-) Haegar
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#6
Hallo Haegar,
Deine Warnung ist interessant. Kannst Du das noch näher erläutern? Worauf genau soll man als Betroffener achten bzw. wo sind die Fallen?
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#7
Hallo,
bei uns ist es so, dass ein Personalsachbearbeiter an dem Gespräch teilnimmt, der das BEM eher als BAM ansieht; also Betriebliches Ausgliederungsmanagement. Sein Ziel ist es, kranke Mitarbeiter möglichst schnell zu "entsorgen".
Deshalb mal meine Frage, ob man grundsätzlich die Teilnahme bestimmter Personen am BEM ablehnen kann. Also jetzt nicht falsch verstehen, es geht nicht darum, die Personalabteilung auszuschließen, sondern nur darum, diese eine bestimmte Person durch eine andere ersetzen zu lassen.

Gruß Jackie
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#8
BAM  Icon_razz

Die Frage, ob man bestimmte Personen ausschließen kann, kann ich Dir nicht beantworten. Aber mein Eindruck vom BEM ist ähnlich.

Ich hatte von der Personalabteilung ein Angebot bekommen, das BEM wahrzunehmen, nachdem ich zuvor mehr als 6 Wochen krank war (dies war wegen Burnout, das habe ich aber nie jemandem gesagt). 

Ich dachte im ersten Moment, das BEM könnte ein Weg sein, damit etwas an den Arbeitsbedingungen (Überlastung, mieser Vorgesetzter, usw.) geändert wird.

Dann las ich jedoch irgendwo, dass man nur am BEM teilnehmen sollte, wenn ein Mindestmaß an Vertrauen in die Personalführung gegeben ist. Das ist bei mir absolut nicht der Fall. Man macht damit ja den Bock zum Gärtner. Ich habe das Angebot daher ohne Begründung abgelehnt... Im Nachhinein bestimmt die richtige Entscheidung, wer weiß, auf welches Glatteis die Personalabteilung mich geführt hätte...

Und sorry, aber in unseren Personalrat habe ich auch kein Vertrauen: Zum einen wenig kompetent, zum anderen stecken sie mit dem Bürgermeister oft unter einer Decke und handeln irgendwelche Deals zum Vorteile einzelner aus ihrem Netzwerk aus (zum Nachteil derer, die nicht dazu gehören...).
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#9
Hallo,
ich würde mir eine Ablehnung zu einem BEM Gespräch sehr gut überlegen.
Der Arbeitgeber kann dann, wenn er dir krankheitsbedingt gekündigt hat, vor dem Arbeitsgericht anführen, dass er ja versucht hat deinen Gesundheitszustand zu verbessern. Du warst jedoch nicht zu einem Gespräch bereit.
Das sind keine guten Karten vor Gericht.

Kein Vertrauen zum Personalrat...tja nächstes Jahr sind Wahlen da kann man sich aufstellen lassen und etwas ändern.

Viele Grüße
Roland
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#10
Das BEM-Gespräch habe ich abgelehnt. Anwesend wären bei diesem "Gespräch" gewesen:

Amtsleiter, stellvertr. Amtsleiter, Stellvertreter des stellvertr. Amtsleiters, Sachgebietsleiterin, stellvertr. Sachgebietsleiterin (beide Damen könnten altersmäßig fast schon meine Enkelinnnen sein !), Personalratsvorsitzender, dessen Stellvertreter (er ist ein enger Freund des Amtsleiters).
So, vor sieben Personen, von denen vier für unerträgliches Mobbing in unserer Behörde verantwortlich sind, soll ich ein BEM-Gespräch führen ? Nein Danke !

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