Frage zu dauerhaften Überstunden und Aufgabenübertragung
#1

Guten Tag allerseits,

ich arbeite seit knapp einem halben Jahr in einer kleineren Stadtverwaltung im hohen Norden im Bauamt. Wir waren bis April noch 5 Mitarbeiter plus Chefin. 2 Mitarbeiter haben gekündigt und 1 ist in Elternzeit. Wir sind nun noch 2 Kollegen plus Chefin. 

Ich bin eigentlich als Sachbearbeiter in der Verwaltung für verschiedene Liegenschaften (Verwaltung von Mietverträgen, Neuanmietung etc.) angestellt (derzeit EG 9a). Mein Kollege ebenfalls. Nachdem die beiden Außendienstmitarbeiter (Bauhof) gekündigt haben, haben wir (Kollege und ich) beide in der Verwaltung irgendwie ungefragt den Außendienst aufs Auge gebrummt bekommen. Dazu gehören die Leerungen der städtischen Mülleimer (was schlicht und ergreifend nie meine Aufgabe war) und neuerdings auch einfache Reinigungstätigkeiten, Entfernung von Müllablagerungen. Kurios: Die Chefin (EG12) macht mit, um uns zu zeigen, dass wir alle an einem Strang ziehen. Nette Geste, aber wirkt für mich komisch. Hab ich noch nie erlebt. 

Mir kam das von Anfang an befremdlich vor, da ich aus dem Bauamt einer Großstadtverwaltung (anderes Bundesland) kam, dachte aber - zeige guten Willen und pack mal mit an. Das ganze ist jetzt seit Monaten irgendwie zum Dauerzustand geworden und man plant, da das so gut "klappt", die Streichung der beiden Stellen im Außendienst. 

Inzwischen sind ~50 Wochenstunden Standard und das auch an den Wochenende. Ich habe jetzt seit einem halben Jahr 120 Überstunden. Das scheint auch sonst niemanden zu interessieren. 

Ich habe das Thema mehrfach angesprochen, darauf wurde garnicht eingegangen. Mein Kollege befindet sich noch in der Probezeit, weshalb er sich nicht traut, etwas zu sagen. Meine Chefin hat glaube ich private Probleme, inzwischen könnte man meinen, ihr Wohnsitz sei ins Büro verlagert worden. Jedenfalls kommen sämtliche Pakete ins Büro und irgendwie scheint sie garnicht mehr heim zu wollen.

Nun ist die Frage, wie lange kann das noch so gehen? Es gibt übrigens keine schriftliche Anordnung, weder der Aufgaben noch Überstunden, lediglich zwischen Tür und Angel von sämtlichen Vorgesetzten die Ansage, das zu machen ist, was halt zu tun ist. Das wird dann auch gern mal in lautem Ton verkündigt. 

Zu hause hängt bei mir der Haussegen schon lange schief, meine Frau ist stinksauer, zumal ich die Stelle angetreten habe mit der Erwartung, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. 

Bin dankbar für Tipps. 

Grüße aus dem hohen Norden
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#2

"Nun ist die Frage, wie lange kann das noch so gehen?"

Vermutlich solange wie man es mit sich machen lässt. Werden die Zeiten als Überstunden behandelt und entsprechende Zuschläge gewährt?

Was sagt der PR?

Ansonsten ist die Frage wieviel Eskalation man betreiben will.
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#3

Die dauerhafte Anordnung von "Mehrarbeit" ist a) unzulässig und b) müsste der Personalrat beteiligt worden sein. Da Sie im Durchschnitt über 48 Stunden/Woche arbeiten, verstößt die Maßnahme auch gegen die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes. Ich würde anonym die zuständige Stelle ( Amt für Arbeitsschutz ) informieren, die regeln das dann schon, es sei denn Ihr habt einen starken Personalrat.
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#4

Bei 120 Überstunden im halben Jahr gibt es keinen Hinweis auf einen Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz. Was will da die zuständige Behörde machen?
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#5

Danke für eure Antworten.
Nunja. Es ist ein kleines Team. Wenn ich es eskalieren will, werde ich natürlich dort die Stimmung erfahren, muss aber sagen, dass ich ohnehin dort kommendes Jahr weg möchte, da es eine Wahl zwischen Pest (Eskalation) und Cholera (Weitermachen) ist.

Es gibt nichts Schriftliches an Anordnung oder dergleichen. Verlangt man danach, wird man mit Kündigung bedroht oder es wird herum gebrüllt. Mein Kollege war nun zweimal krank durch Überlastung und ich denke mal, er wird sich nicht wehren.
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#6

(30.12.2020, 14:29)Gast schrieb:  "Nun ist die Frage, wie lange kann das noch so gehen?"

Vermutlich solange wie man es mit sich machen lässt. Werden die Zeiten als Überstunden behandelt und entsprechende Zuschläge gewährt?

Was sagt der PR?

Ansonsten ist die Frage wieviel Eskalation man betreiben will.

also dem PR ist das völlig egal. Ich glaube meine Chefin, die schon 20 Jahre da ist, hat eine gewisse Narrenfreiheit. 

Bei den Zuschlägen....es ist ja nichts offizielles angeordnet. Daher gibt es nur Feiertagszuschläge. Das wars dann aber auch.
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#7

Wenn keine Überstunden angeordnet werden, geht man nach seiner Sollarbeitszeit und informiert die Vorgesetzte über liegenbleibende Arbeit. Man kann auch über eine Überlastungsanzeige nachdenken.
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#8

Wenn ihr freiwillig Plusstunden ohne Anordnung von Überstunden macht, kann der PR nur wenig machen.
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#9

Danke. Also ich werde das definitiv so machen, mein Kollege wird es vermutlich nicht machen (können). In der Probezeit macht sich das nicht so gut und er hat gerade ein Haus gekauft.

Ich bin allerdings auch der Ansicht, dass die meisten garnicht wissen, wie sie sich zur Wehr setzen, sondern irgendwie alles schlucken, was kommt. Bei uns hat es sich irgendwie recht hilflos eingebürgert, dass man Kündigungen androht und sogar ausspricht. Auch wenn das absolut haltlos ist.
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#10

Kündigungsschutzklagen gegen öffentliche Arbeitgeber haben ja ganz gute Chancen ggf. tatsächlich den Arbeitsplatz zu behalten. Wobei oft die Personen, die mit Kündigung drohen, garnicht die Entscheidungskompetenz über die Kündigung hat.
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#11

Ich bin langfristig der Meinung, dass man bei einem solchen Arbeitgeber, von denen es leider immer mehr auch im öffentlichen Dienst gibt, garnicht arbeiten möchte, weshalb mein Ziel auch ist, dort trotz erst kurzer Beschäftigung schnellstens wieder zu verschwinden. Durch die Corona Krise hab ich das Gefühl, werden noch weniger Stellen ausgeschrieben als sonst schon bei uns im eher ländlichen Bereich der Fall - da heißt es abwarten und durchhalten.

Trotzdem möchte ich nicht mehr alles mit mir machen lassen, da ich auch merke, dass das gesundheitliche Spuren hinterlässt, wenn man bis abends irgendwo rum fährt und Mülltonnen leeren muss und morgens zur Sprechzeit wieder im Büro zu erscheinen hat.

Leider sehe ich viele, die das über viele Jahre mit machen und Angst haben sich zu wehren oder in die böse Ecke gestellt zu werden. Ich glaube das muss jeder individuell nach Schmerzgrenze entscheiden. Dem einen macht es nichts aus, ausgebeutet zu werden, dem anderen schon.
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