Einstieg/Ausbildung im öffentlichen Dienst?!
#1
Hallo, 

ich habe im Juli meine Ausbildung in der freien Wirtschaft absolviert und arbeite seither als IT-Organisator, obgleich ich gelernter Bürokaufmann (oder Kaufmann für Büromanagement wie es neuerdings heißt) bin.

Seit geraumer Zeit beschäftige ich mit Möglichkeiten des Einstiegs in den öffentlichen Dienst, weil ich, aufgrund meiner Asperger-Symptomatik, ein spezieller Mensch bin, der die Sicherheit des öffentlichen Dienstes zu schätzen wüsste, um sich vollständig auszuleben. 

Nachdem ich während des Abiturs, das ich mit 2,6 mehr schlecht als recht, deutlich unter meinen Möglichkeiten, abschloss, konnte ich, nachdem ich die Problematik teilweise im Griff hatte, die Ausbildung als einer der Besten, deutlich überdurchschnittlich abschließen.

Derzeit absolviere ich eine Weiterbildung zum Finanzbuchhalter und hatte geplant zum Sommersemester zu studieren. 

Bevorzugen würde ich, nach reiflicher Überlegung, eine Ausbildung im öffentlichen Dienst, um so die Laufbahnbefähigung zu erlangen und perspektivisch im Bereich Stadtkämmerei/Kommunalhaushalt eine Stelle (auf Lebenszeit) zu erhalten.

Für den ersten Schritt wäre der Ausbildungsberuf nachrangig. Für diese Perspektive würde ich auch ans andere Ende der Welt ziehen. 

Gibt es noch Bereiche, Institutionen, Ämter, welche eine Ausbildungsstelle ohne Einstellungstest oder Assessmentcenter, nach einem klassischen Bewerbungsgespräch, anbieten?
Gegen die ersteren beiden sträube ich mich zutiefst, ist mit meiner Persönlichkeit unvereinbar. 

Könntet ihr mir Tipps geben, wie dies gelingen kann?

C.

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#2
Ich bin Ausbildungsleitung einer Kommune in Niedersachsen und stehe mit sehr vielen Ausbildern von anderen Kommunen und auch Finanzämtern in Kontakt. Mir ist nicht eine Behörde bekannt, die Azubiplätze ohne Einstellungsverfahren mit Test + Gespräch vergibt.
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#3
(28.11.2018, 10:55)Gast schrieb: Ich bin Ausbildungsleitung einer Kommune in Niedersachsen und stehe mit sehr vielen Ausbildern von anderen Kommunen und auch Finanzämtern in Kontakt. Mir ist nicht eine Behörde bekannt, die Azubiplätze ohne Einstellungsverfahren mit Test + Gespräch vergibt.

Hallo, 

vielen Dank für Ihre Antwort. 

Welche Möglichkeiten sehen Sie grundsätzlich? Sieht es beim Einstieg mit Studium (als anderer Bewerber) besser aus?
Ist in meinen Augen ohnehin ein Unding, diese unsägliche Entwicklung, die meines Erachtens kaum bis keinen Mehrwert bringt und lediglich Geld verbrennt.
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#4
Für das Studium werden häufig noch mehr Stufen durchlaufen.. Erst einen Test, dann ein psychologisches Gespräch, dann ein Vorstellungsgespräch.

Ich sehe diese Verfahren als sinnvoll an. In Vorstellungsgesprächen kann jemand schauspielern und sich für besser verkaufen, als er ist. Ich sehe am Vorstellungsgespräch nicht, ob er die deutsche Rechtschreibung und Grammatik in einem Bescheid anwenden kann oder ob er unter Druck trotzdem effizient arbeitet. Dafür sind die Einstellungstests sehr gut geeignet, da die Aufgaben so gestellt werden, dass sie in der Zeit kaum machbar sind.
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#5
(28.11.2018, 12:43)Gast schrieb: Für das Studium werden häufig noch mehr Stufen durchlaufen.. Erst einen Test, dann ein psychologisches Gespräch, dann ein Vorstellungsgespräch.

Ich sehe diese Verfahren als sinnvoll an. In Vorstellungsgesprächen kann jemand schauspielern und sich für besser verkaufen, als er ist. Ich sehe am Vorstellungsgespräch nicht, ob er die deutsche Rechtschreibung und Grammatik in einem Bescheid anwenden kann oder ob er unter Druck trotzdem effizient arbeitet. Dafür sind die Einstellungstests sehr gut geeignet, da die Aufgaben so gestellt werden, dass sie in der Zeit kaum machbar sind.

Und gleichzeitig die Qualifikation anzweifeln?
Das ist, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, eigentlich ein Armutszeugnis, weil der Personaler sich nicht mehr zutraut, in einem Dialog von einer bis zwei Stunden herauszufinden, ob der Gegenüber geeignet ist. 

Man davon abgesehen, dass es wenige Jobs gibt, in die man nicht mit etwas Zeit und Übung einfinden kann.

Und wenn ich die Rechtschreibkenntnisse mancher Beamter betrachte, dann kann die Erfolgsquote eines solche ACs so hoch nicht sein.

Bitte bedenken Sie, dass sich dies nicht gegen Sie persönlich richtet, sondern für viele, aufgrund der Unmenschlichkeit, schlecht ein Hemmnis darstellt.
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#6
Das ist eine neumodische Entwicklung oder mussten Sie ein derartiges Prozedere durchlaufen?
Würden Sie all jene, die nach einem Gespräch eingestellt wurden, als deplatziert und ungeeignet bezeichnen?

Sehen Sie eine Möglichkeit, durch die ein Einstieg - ohne ein derartiges Verfahren - gelingen kann?
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#7
Ich habe vor 12 Jahren als Inspektoranwärterin auf Widerruf, also Beamtenlaufbahn, mein Studium angefangen und da gab es genau dieses Verfahren schon.
Ob alle jene, die nach einem Gespräch eingestellt wurden, deplatziert und ungeeignet sind, kann ich nicht beurteilen. Ich kenne wie gesagt keine Behörde, wo ohne diese Verfahren Azubi-/Studienplätze vergeben werden, deshalb urteile ich darüber nicht.

Mal angenommen, man würde Ihnen den Einstieg nur durch ein Gespräch möglich machen wollen: Das gilt dann nicht nur für Sie sondern für ALLE Bewerber (Stichwort Gleichbehandlung). Alle Bewerber, die anhand der Unterlagen geeignet erscheinen, werden dann direkt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Bei diesen Gesprächen sitzen mehrere Leute aus der Verwaltung (mindestens jemand aus der Personalabteilung, jemand für die Ausbildungsleitung und ein Personalratsmitglied) und schauen sich alle Bewerber an. Bei größeren Einrichtungen (kleine Behörden bieten das Studium häufig gar nicht an) sprechen wir hier dann gern von etwa 100 Bewerbern.
Sie sagen, diese Verfahren verbrennen nur Geld.. Was meinen Sie, kostet mehr Geld: Einen Test durchführen, der 3-4 Stunden dauert und durch den ich die Zahl der geeigneten Bewerber innerhalb eines Tages auf 1/10 reduzieren kann oder über Wochen (rund 100 Bewerber, jeden Tag Kandidaten, was sehr sportlich und anstrengend ist, freitags vielleicht nur 4-5, also tägliche Vorstellungsgespräche über einen Zeitraum von ca. 4 Wochen) jeden Tag Vorstellungsgespräche führen? Bedenken Sie: Während dieser Zeit kann niemand aus der Auswahlkommission andere Aufgaben erledigen, diese bleiben dann an der Vertretung hängen.

Wie würden Sie sich den Ablauf vorstellen? Man muss alle Bewerber erst ansehen und am Ende, nach dem letzten Gespräch, soll man dann noch entscheiden können, ob der Bewerber von vor 4 Wochen besser war als der von gestern? Sagen Sie jetzt nicht "Wer dazu nicht in der Lage ist, ist an der Stelle falsch eingesetzt". Niemand kann nach so vielen Bewerbern noch jeden einzelnen vor Augen haben.

So leid mir Ihre gesundheitliche Situation tut (ich selbst habe eine Schwerbehinderung sowie eine psychische Krankheit und kann die Hürden nachvollziehen), Sie schreiben, dass sie ein AC nicht mit Ihrer Persönlichkeit vereinbaren können.. Dort wird Allgemeinbildung abgefragt. Grundkenntnisse in Mathe, Grammatik, Rechtschreibung, Logik. Zahlenreihen, Gruppenaufgaben und solche Geschichten. Alles Dinge, die Sie (je nach Abteilung/Stelle) auch im Berufsalltag wieder erleben werden, aber im AC ist der Schwierigkeitsgrad verglichen zum Berufsleben sehr niedrig. Wenn Sie ein AC nicht mit sich vereinbaren können, gilt das eventuell auch für den gesamten Beruf. Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, mir ist nur schleierhaft, wie jemand, der ein AC nicht bewältigen will, später einmal in einer Abteilung integriert an Sachverhalten arbeiten soll, ggf. auch mit Kollegen und unter ziemlichem Druck.

Ich denke, Sie schaffen das. Ein Abi mit 2,6 und eine Ausbildung, die als einer der besten und überdurchschnittlich abgeschlossen wurde, ist wesentlich schwerer als ein solches AC.

Ihre zweite Frage habe ich bereits beantwortet: Ich sehe keine Chance ohne das genannte Verfahren. Sie wirken sehr intelligent, Ihre schriftliche Ausdrucksweise ist stark. Sie schaffen das!
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#8
Hallo,

ich fürchte, dass ich das, aufgrund meiner Persönlichkeitsstruktur (Asperger) nicht kann, mir wird schon beim Gedanken daran schlecht.
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#9
Ich möchte mich da mal eben zwischenschalten und eine Frage an den Fragesteller stellen: wenn der Gedanke an ein AC Sie so fertig macht, sind Sie dann wirklich geeignet, den Beruf auszuüben? Ist wirklich ne ernst gemeinte Frage. Der Beruf ist wesentlich fordernder als das AC. Auch in dem Beruf muss man sich unter Druck mit Sachverhalten auseinander setzen oder im Team arbeiten oder mit jemandem kontrovers diskutieren oder sich in andere hineinversetzen, nur auf höherem Level. Können Sie Jahre lang diesen Beruf ausüben, wenn ein paar Stunden AC nicht machbar sind?

Ist nicht böse gemeint, interessiert mich einfach nur!
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#10
(29.11.2018, 11:09)Gast schrieb: Ich möchte mich da mal eben zwischenschalten und eine Frage an den Fragesteller stellen: wenn der Gedanke an ein AC Sie so fertig macht, sind Sie dann wirklich geeignet, den Beruf auszuüben? Ist wirklich ne ernst gemeinte Frage. Der Beruf ist wesentlich fordernder als das AC. Auch in dem Beruf muss man sich unter Druck mit Sachverhalten auseinander setzen oder im Team arbeiten oder mit jemandem kontrovers diskutieren oder sich in andere hineinversetzen, nur auf höherem Level. Können Sie Jahre lang diesen Beruf ausüben, wenn ein paar Stunden AC nicht machbar sind?

Ist nicht böse gemeint, interessiert mich einfach nur!

Finde bzw. sehe ich überhaupt nicht so. Im jetzigen Job ist es nicht anders und keinerlei Problem. Ich lehne derartige Verfahren, aus verschiedensten Gründen, ab und halte Sie für ungeeignet. 

Ich bin ein eher zurückhaltender, ruhiger, introvertierter Mensch. All dies sind Charakterzüge, die in einem AC nicht gefragt sind. 
Die Persönlichkeit des Menschen bleibt außer acht, so man nach standardisierten Vorgaben selektiert. 
Man züchtet sich so Roboter heran, die sich kaum noch unterscheiden, eliminiert Diversität.

Ich glaube nicht, dass das notwendig oder sinnvoll ist, im Gegenteil. 

Es gibt nur wenige Jobs, in die man sich nicht einfinden kann, in welchen man von Anfang, aufgrund Konsequenzen, auf voller Höhe sein muss. 

Dazu zählen Ärzte und Fondsmanager. Angestellte und Beamte im mittleren und gehobenen Dienst, die Direktiven ausführen und leben, gehören hierzu gewiss nicht. 
Für erste Gruppe ist ein AC grundsätzlich sinnvoll, für Zweitere nicht. 

Wofür gibt es Schulen, wenn man deren Arbeit, die von Beamten verrichtet wird, deren Leistungs- und Urteilsvermögen, anzweifelt?

Das ist meine Meinung. 
Was in der Wirtschaft schon eine Frechheit ist, gleicht im Öffentlichen Dienst einem Unding und zeugt viel mehr von der eigenen Schwäche. 

Ja, auch ich bin schwach, weil ich dies fürchte wie der Teufel das Weihwasser. Ein AC hat so viele Fallstricke, über welche man stolpern und scheitern kann. Ehrlicherweise weiß ich nicht wie (und ob) ich damit umgehen könnte, auch deshalb nehme ich hier eine Vermeidungs- und Abwehrhaltung ein.

Wie mir geht es mindestens 25 % aller Bewerber, siehe Studie.

Es ist unverständlich, warum 75 % diesen Zirkus überhaupt über sich ergehen lassen.
Einen Zirkus, erdacht von Personen (ohne jemandem zu nahe treten zu wollen), die sich außerstande sehen, dies auf althergebrachtem Wege zu beurteilen, ein menschenverachtendes System ohne Gedanken zu stützen.

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