Einfacher Dienst
#1
Hallo,

mit erschrecken muss ich leider immer wieder feststellen, das man heute für immer mehr Stellen ein Studium benötigt.

Ich habe mal VFA gelernt und bin auch damit noch beschäftigt. Bei meinem Arbeitgeber bekommen diese und Beamte mD aber vermehrt nur noch Stellen, die ich eher dem einfachen Dienst zurechnen würde wie wie Registratur. Interessantere Sachbearbeiterstellen gehen im größeren Umfang nur noch an Personen mit einem Studium.

Ist das auch bei den Kommunen so? Für mich heißt das, dass ich in dem Beruf nur wenige Stunden arbeiten kann vor lauter Langeweile, ich bin für alle interessanten Stellen zu schlecht ausgebildet.

Die Stellenfluktuation scheint in dem Berufsfeld auch zu gering zu sein, um Wechseln zu können. Damit meine Ich, dass jeder halt die wenigen eigenen Azubis unterbringt, aber dadurch auch wenig Ausschreibungen für diesen Beruf existieren, auch fehlen Stellen, die mal mehr als E6 bezahlt sind.

Habt ihr diese Erfahrung auch schon gemacht?

Kann man eine Umschulung bezahlt bekommen, auch wenn man nicht arbeitslos ist? Ich würde gerne noch mal etwas lernen, wo man mehr Stellenauswahl hat und es interessante Aufgaben gibt. Büroberufe sind auch total überlaufen.

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#2
Ähnliche Erfahrungen haben wir auch schon machen müssen.
Machen wir uns nichts vor: Der mittlere Dienst rutscht mehr und mehr in die Bedeutungslosigkeit ab, egal ob bei Bund, Ländern oder Kommunen. Wir hatten Kollegen, die in den späten 1970er Jahren trotz mittlerer Dienst Referatsleiter waren und vom Tätigkeitsbild eigentlich schon fast mehr dem gD zuzuordnen waren. Im Laufe der Jahre hat man diesen gut ausgebildeten und erfahrenen Leuten immer mehr Tätigkeiten und Verantwortung abgenommen und auf den gD übertragen, der dadurch hoffnungslos überlastet wurde.
Ergebnis: Reife und ergraute Amtsinspektoren mit A9 in Endstufe, die für jede Aufgabe dankbar sind, die lediglich Ergänzugslieferungen einordnen, einfache Registraturarbeiten erledigen, Fotokopien für Vorgesetzte anfertigen, Schriftverkehr einbriefen und frankieren, bei eingehenden Rechnungen prüfen, ob Einzelbeträge richtig zusammengerechnet worden sind, Brotzeit holen, usw. usw. ..... und das bei knapp 2.500 € / Monat.
Und wer sich beschwert kann sich folgende Antwort anhören: "Sie haben nur Realschulabschluss und sind nur mittlerer Dienst, bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine höherwertigen Aufgaben übertragen können".

Ob der Steuerzahler dies auch so sieht, möchte ich bezweifeln.



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#3
Ich kenne diese Entwicklung auch aus großen Börden. In kleineren Kommunen braucht man kein Studium für interessante Tätigkeiten. Jetzt kannst du also entweder in eine kleinere Behörde wechseln oder dich für deinen Arbeitgeber interessant machen.

Sorge dafür, dass du für die guten Stellen gut genug ausgebildet bist. Informiere dich über Qualifikationsmöglichkeiten und unterbreite deinem AG Vorschläge. Gerade für den öffentlichen Dienst gibt es Unmengen Angebote für einfache Fortbildungen oder ganze Lehrgänge. Gibt es eine Personalentwicklung bei euch die dir vielleicht weiterhelfen kann?

Grundsätzlich finde ich es gut, dass im ö. D. viele gut qualifizierte Leute arbeiten. Aber einfache Tätigkeiten durch Beamte im gehobenen Dienst erledigen zu lassen ist Blödsinn.

Grüße
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#4
Aber für einfache Tätigkeiten gab es mal den einfachen Dienst. Für manche tätigkeiten könnte man auch Personen einstellen, die sonst in einer Behindertenwerkstatt arbeiten würden. Tut mir leid, aber ich hab ein Abitur mit Einserabschluss und keinen Haupt - oder Sonderschulabschluss. Für so einfache Tätigkeiten bin ich schlichtweg nunmal unterfordert.

ich brauch geistig anregendere Tätigkeiten. Kann man eine Umschulung bekommen oder Bildungsgutschein, auch wenn man nicht arbeitslos ist?

Außerdem sollte man dringend das Personalmarketing für diesen Beruf unterlassen, das ist in Wirklichkeit kein qualifizierter Beruf.

für das, was man damit mittlerweile beruflich oft nur noch machen kann, braucht man weder Realschulabschluss noch überhaupt 3 Jahre Ausbildung, das kann man in wenigen Wochen vermitteln
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#5
(04.06.2014, 22:42)Gast schrieb: für das, was man damit mittlerweile beruflich oft nur noch machen kann, braucht man weder Realschulabschluss noch überhaupt 3 Jahre Ausbildung, das kann man in wenigen Wochen vermitteln
Das war schon mein Eindruck nach dem Vorbereitungsdienst für den mittleren Dienst vor ca. 18 Jahren. Die 2 Jahre Ausbildung hätte ich mir schenken können, mit 4 Wochen Einarbeitung wäre ich mindestens genau so gut klar gekommen.

Es ist tatsächlich so, dass nicht nach den Fähigkeiten sondern den Abschlüssen beurteilt wird. Daran wirst du vermutlich nix ändern. Also, weiterbilden. Meine Erfahrung bei den Weiterbildungen und Lehrgängen war, dass das viel mehr Spaß macht als die erste Ausbildung. Du sitzt mit Leuten zusammen, die das auch wollen. Die gehen nicht in die Schule weil sie müssen, die wollen sich weiter entwickeln und lernen.

Das Arbeitsamt wird sicher nicht für jemanden in einem Beschäftigungsverhältnis zahlen. Dafür gibt es doch die Weiterbildungsangebote der Verwaltungsschulen und verschiedener Verbände.

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#6
Bei uns gibt es eine Verwaltungsfachschule, die den AL II anbietet. Aber eigentlich nur für Personen, die der Arbeitgeber schickt, es gibt blockweise unterricht, wo man frei bekommen müsste. Außerdem kostet das dann ja mehr als 5000 Euro sicherlich.

unter dem Begriff Personalentwicklung falle ich leider nicht drunter. Nur bei Bedarf der Abteilung. Dieser Bedarf wird nicht gesehen, da man ja eh von außen genug Akademiker einstellen kann.

Ich kann den Arbeitgeber auch nicht verstehen. Er will unbedingt Personal abbauen wg. Schuldenbremse. Wenn er wie die bundeswehr den Mitarbeitern Lehrgänge oder Umschulung bezahlen würde, dann würde ich auch abhauen! Aber auf diese tolle Idee kommen die leider nicht.

ich versteh deren Personalpolitik echt nicht. Sie wollen Leute abbauen und da die meisten Einstellungen mittlerweile geh. Dienst und höher sind, wird man v.a. ja den mD einsparen wollen. Da könnte man ja so fair sein und solche Modelle anbieten - ich würde dann gerne einen Beruf nochmal lernen, der einen höher qualifiziert und wo man mehr Stellenauswahl mit hat, vielleicht ja was Soziales.

stattdessen will man hier nun eine neue Stelle schaffen im mD, die aus meiner Sicht vollkommen überflüssig ist. Diejenige Person soll nur Akten registrieren, damit kann man doch nicht den ganzen Tag arbeiten! Da wird gerade eine total unnötige Stelle geschaffen. Für eine vollzeitstelle wird das eh nicht reichen von der Tätigkeit her, außerdem ist das aus meiner Sicht einfacher Dienst.

Da ICH aber nicht auf solchen Stellen versauern will, da ich ein Gehirn habe und es benutzen möchte, bin ich echt in einer blöden Lage. Ich werde von dem Beruf mittlerweile depressiv, weil ich keine beruflichen Perspektiven damit habe.

Als ich den damals lernte dachte ich noch, es gibt so viele Behörden und bestimmt total viel Stellenauswahl - nun arbeite ich beim größten Arbeitgeber meines Bundeslandes und für den Beruf sind kaum Stellen ausgeschrieben und wenn, dann entstehen nur noch solche Stellen wie die von mir geschilderte - dafür braucht man doch nicht 3 Jahre Ausbildung mit Rechtsanwendungen und allem.

ich weiß mit dem Beruf leider nichts mehr anzufangen.

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