Ausbildung Kommune oder Bundeswehr
#1

Hallo zusammen,

ich werde dieses Jahr meine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten anfangen. Ich habe 2 Zusagen bekommen.
Ein mittelgroße Kommune und bei der Bundeswehr. 

Könnt ihr mir Vor-/Nachteile sagen? Welche Richtung würdet ihr wählen?

Über Anregungen / Gedanken / Erfahrungsberichte würde ich mich freuen.

Cartus   Smile
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#2

Hallo Cartus!

Ich stand vor 7 Jahren vor genau der gleichen Entscheidung (Zusage der BW & von einer mittleren Kommune) und habe mich für die Kommune entschieden!

Warum?

1.) In der Zusage der BW stand gleich, dass eine Übernahme nicht garantiert wird. Das ist bei den Kommunen idR nicht so (also die Kommune sagt zwar nicht in der Zusage, dass man auch übernommen wird, aber die bilden halt eigentlich nur nach Bedarf aus)!

2.) Selbst wenn die BW mich nach der Ausbildung übernommen hätte, hätte der Arbeitsort "sonst wo" sein können. Auch das ist bei der Kommune logischerweise anders...

3.) Das "Studieninstitut" der BW ist in Berlin (war jedenfalls damals so). Für den Zwischen- und Abschlusslehrgang hätte ich für mehrere Monate nach Berlin gemusst und dann auch dort im Wohnheim wohnen müssen. Darauf hatte ich persönlich keine Lust. Das Studieninstitut für die Ausbildung bei der Kommune ist nur 40km von meinem Wohnort entfernt...


Das ist aber immer eine rein subjektive Entscheidung. Es werden sicherlich viele ihre Ausbildung bei der BW machen/gemacht haben und damit top zufrieden sein. Genauso wie es auch viele gibt, die bei den Kommunalverwaltungen unzufrieden sind. Nur für mich halt war die Kommune die bessere Entscheidung...

Schlecht ist jedenfalls keine der Optionen, man muss das halt für sich selber abwägen Smile
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#3

Ich würde mich ganz eineutig für die Kommune entscheiden.

Wie bereits geschrieben: Die Bundeswehr ist in ganz Deutschland (und auch anderswo auf der Welt...) vertreten; wer weiß, wo du später mal arbeiten sollst? Davon abgesehen dürften die Tätigkeitsfelder bei der Bundeswehr arg beschränkt sein: z. B. Personal, Kassen- und Haushaltswesen, Beschaffung, Sekretariat etc.; und das vermutlich weitgehend nur im Bereich der "Zuarbeit".

In der Kommunalverwaltung hast du viel mehr Möglichkeiten, unterschiedliche Aufgaben (auch als eigenverantwortliche Sachbearbeiterin) zu übernehmen und bei Bedarf und Interesse kannst du jederzeit den Arbeitgeber wechseln. Von der Bundeswehr kommst du nicht mehr so leicht weg, weil du du das, was in der Kommunalverwaltung erwartet wird, nicht gelernt hast.

Mir fällt nichts ein, was für die Bundeswehr spricht...
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#4

Es kommt halt auf die persönliche Präferenz an. Beim Bund kann man ohne Wechsel des Arbeitgebers eine Vielzahl verschiedener Behörden an verschiedenen Standorten wahrnehmen. Das kann man auch als Vorteil sehen. Ein Wechsel von der Bundeswehrverwaltung zu anderen Teilen der Bundesverwaltung ist ohne größere Probleme möglich und kommt auch immer wieder vor.

Im kommunalen Bereich muss man damit rechnen, dass Eingruppierungen ausgewürfelt werden. In der Bundesverwaltung ist die Fehlerquote bei der Eingruppierung geringer. (Wobei Fehler im kommunalen Bereich auch zu Gunsten des Beschäftigten sein können)

In der Tendenz ist man in der Kommunalverwaltung näher am Bürger. Wenn man das will, spricht dies eher für den kommunalen Bereich. Wenn man über eine Verbeamtung nachdenkt. Der Bund hat ein recht flexibles Laufbahnrecht. Je nach Bundesland kann das im Kommunalbereich dann schwerer sein, die Laufbahnbefähigung zu erlangen.

Die Aufstiegsmöglichkeiten hängen von der Kommune ab. Pauschale Aussagen sind schwer. Ggf. muss man dann auch Wechseln um etwas zu erreichen.

Eigenverantwortliche Tätigkeiten für Verwaltungsfachangestellte sind in Kommunen deutlich häufiger als beim Bund. Beim Bund sind es mehr Unterstützungstätigkeiten. Wenn du aber sowieso den Bereich >E9a mittelfristig anstrebst ist der Punkt ggf. weniger tragend.
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#5

Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Infos/Gedanken.

Zusammenfassend für mich (möchte lieber am Wohnort/oder Nähe bleiben, Beamtenstatus wird erstmal nicht angestrebt):

Vorteile:
1. BW: Zusage, dass man übernommen wird (großer Vorteil)
2. BW: Wechsel von Bundeswehrverwaltung zu anderen Teilen der Bundesverwaltung ohne größere Probleme möglich
3. BW: Studium Public Administration intern möglich - ohne dass man sich extern bewerben und um eine Zulassung
bei der Hochschule bangen muss (großer Vorteil)
4. Kommune: Mehr "Arbeitgeber" zur Auswahl
5. Kommune: Aufgabengebiete breiter ausgelegt

Nachteile:
1. BW: Man kann "sonst wo" landen (größter Nachteil für mich)
2. BW: eher Unterstützungstätigkeiten - nach Studium nicht mehr relevant
3. Kommune: ?

Vor-/Nachteil:
BW: flexibles Laufbahnrecht ?

Richtig?

Cartus
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#6

Ich glaube, das hast du falsch verstanden: In meiner BW-Zusage stand damals, dass man NICHT garantiert übernommen wird!

Für den Zwischen- und Abschlusslehrgang bei der BM müsstest du mehrere Monate am Stück nach Berlin... Kann natürlich auch ein Nachteil sein, wenn man lieber in der gewohnten Umgebung bleiben will (so wie ich damals).

Ich würde zudem behaupten, dass man sich bei der BW ebenfalls um das Studium bewerben und einen entsprechenden Eignungstest absolvieren muss (anders wäre es mit Art. 33 Abs. 2 GG auch nicht vereinbar). Da ist dementsprechend kein wirklicher Unterschied zur Kommunalverwaltung!

Ein Ebenenwechsel (z.B. von der Kommune zum Landratsamt oder der Landesverwaltung, selbst zum Bund) ist auch mit der Ausbildung auf Kommunalebene möglich.


Ich persönlich habe bei der BW nur Nachteile, aber keine wirklichen Vorteile gesehen...
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#7

Hallo, (#6)

die BW hat bei uns vor dem schriftlichen Auswahltest betont, dass sie die Azubis übernehmen, da dringend Bedarf besteht.
Wie es im Endeffekt aussieht, weiß man nicht, wenn es nicht im Vertrag steht ....

https://www.hsbund.de/DE/02_Studium/15_B...-node.html
Ja, da steht auch, dass man empfohlen werden und einen Eignungstest/Verfahren durchlaufen muss.

Wohnortnähe ist für mich auch sehr wichtig - und ein Wechsel, wäre für mich der größte Nachteil.

Danke Dir nochmal für die Gedankenanstöße - auch mit dem Ebenenwechsel.

Cartus
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#8

Hier noch Erfahrungen aus unserer Stadtverwaltung in NRW:

Ein Nachteil in Kommunen ist, dass es auch einige üble Ämter gibt. Zum Beispiel eine Tätigkeit im Jobcenter, in der Ausländerbehörde oder in der Zulassungsstelle, um nur einige zu nennen, kann sehr belastend sein.

Ferner läuft in Kommunen viel nach Vitamin B und Nasenpolitik: Wer gute Beziehungen zum Bürgermeister, zu wichtigen Politikern oder dergleichen hat, wird protigiert, erhält z.B. eine gute Stelle und Fortbildungen und wird schnell höhergrupiert. Mitarbeiter ohne Beziehungen erhalten dagegen des öfteren minderwertige Stellen und werden ferner häufiger von Amt zu Amt auf unbeliebte Posten umgesetzt.

Ein Wechsel in Kommunen von einem Amt zum anderen Amt bedeutet dabei erhebliche Einarbeitungszeit, da sich das Recht, die Programme, usw. stark unterscheiden. Man fängt nach einem Ämterwechsel fast bei Null an. In jungen Jahren ist das noch okay, aber ältere Mitarbeiter leiden darunter.

Und noch eine kleine Sache: Mitarbeiter der Kommunen werden regelmäßig zum ehrenamtlichen Wahldienst herangezogen. Durchschnittlich 1-2 Sonntage pro Jahr gehen dafür drauf.
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#9

(18.01.2022, 19:16)Gast schrieb:  Und noch eine kleine Sache: Mitarbeiter der Kommunen werden regelmäßig zum ehrenamtlichen Wahldienst herangezogen. Durchschnittlich 1-2 Sonntage pro Jahr gehen dafür drauf.

Das kann einem aber auf fast jeder Ebene passieren!

Bei der Bundestagswahl 2021 wurden bei uns wegen Corona die Wahllokale quasi verdoppelt. Da musste (fast) jeder Verwaltungsmitarbeiter als Wahlhelfer antreten - trotzdem hat es nicht gereicht. Also hat sich die Gemeindewahlleitung beim Land die Landesbediensteten mitteilen lassen, die bei uns wohnen (ist im Landeswahlgesetz explizit so ermöglicht). So hatten wir dann einige Lehrer und Finanzamtsmitarbeiter als zusätzliche Helfer. Die haben aber "nur" ihr Erfrischungsgeld bekommen; wir Verwaltungsmitarbeiter haben zusätzlich eine pauschale Zeitgutschrift bekommen...


Und mal ganz ehrlich: Wer sich dazu entschließt, sein Berufleben im öffentlichen Dienst (also im StaatsDIENST) zu verbringen, der kann mMn. auch mal als Wahlhelfer fungieren und zum Funktionieren der Demokratie beitragen. Im Schnitt sind es sogar weniger als 1 Sonntag/Jahr, weil Kommunalwahlen idR. zeitlich mit Landes- oder Bundestagswahlen zusammengelegt werden.

Die Wahlhelfersache ist aus meiner Sicht so ziemlich das letzte Argument, was ich in der Entscheidung BW oder Kommune berücksichtigen würde...
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#10

In Beitrag #8 steht einiger Unsinn, den ich nicht unkommentiert so stehen lassen will.

Richtig ist, dass man Arbeitsplätze wie das Jobcenter oder die Ausländerbehörde mögen muss. Allerdings wird wohl kaum jemand gezwungen, gegen seinen Willen dort zu arbeiten. In der Kommunalverwaltung gibt es einen großen Fundus an Arbeitgebern und Tätigkeiten, auf die man sich bewerben kann. Ich war vor ca. 20 Jahren auch mal beim Sozialamt eines Landkreises, aber dort absolut unzufrieden, was übrigens weniger an der Tätigkeit an sich lag, sondern eher an den "Rahmenbedingungen". Also habe ich mich auf eine andere Stelle beworben und war nach ein paar Monaten wieder weg.

Die behauptete Arbeitsplatzvergabe nach persönlicher Sympathie ist völliger Quatsch. Hegt der Verfasser des Beitrags vielleicht einen persönlichen Groll gegen seine Vorgesetzten, weil er sich benachteiligt fühlt?

Eine notwendige Einarbeitungszeit beim Wechsel von einem zum anderen Aufgabengebiet ist eine Selbstverständlichkeit und hat nichts mit dem Arbeitgeber zu tun. Wenn ich dagegen in gleicher Funktion von einer zur anderen Kommune wechsle, sollte das nicht an der EDV scheitern; Meldeämter, Standesämter, Finanzverwaltungen etc. haben in praktisch allen Kommunen (zumindest in BW) die gleichen Programme.

Gelegentliche Wahlsonntage sind schon mal gar kein Argument; ist unterhaltsam und gibt Überstunden. Die nächste Wahl in BW ist übrigens voraussichtlich im Mai 2024...
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#11

(19.01.2022, 09:01)Gast schrieb:  Die behauptete Arbeitsplatzvergabe nach persönlicher Sympathie ist völliger Quatsch. Hegt der Verfasser des Beitrags vielleicht einen persönlichen Groll gegen seine Vorgesetzten, weil er sich benachteiligt fühlt?

Sorry, aber dabei muss ich #8 Recht geben. Gerade bei kleineren Verwaltungen ist es "von Vorteil" den "richtigen" Nachnamen zu haben. Da werden dann auch gerne mal ganze Abteilungen organisatorisch verändert, damit plötzlich eine Beförderung möglich ist...

Das wird (zum  Glück) nicht überall so sein, ist aber bei der kleinen Gemeindeverwaltung XY wahrscheinlicher als beim Landratsamt...
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