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Fachhochschule der
Wirtschaft
-FHDW-
Gütersloh
Diplomarbeit
Strategisches
Management als Erfolgsfaktor in der Kommunalverwaltung und
Entwicklung eines
Konzeptes zur Strategieimplementierung für die Stadt Vlotho
Verfasser:
Volker Nentwig
7. Semester
Studiengang
Betriebswirtschaft
Schwerpunkt:
Europäische Unternehmensführung
Eingereicht am:
23. Februar 2005
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Anfang der 80er Jahre hat sich in der
Betriebswirtschaft[1] eine
neue Disziplin unter dem Begriff „strategisches Management“[2]
etabliert, die sich dem Prozess der Planung und Umsetzung von
Strategien widmet. Seitdem wurden zahlreiche Konzepte und Instrumente
der strategischen Unternehmensführung entwickelt, die besonders in
der
freien Wirtschaft Anwendung fanden.
Im öffentlichen Bereich stellt
das strategische Management bisher
„einen noch kaum ausgefüllten Bereich“[3] dar. Zwar haben sich die
Kommunen[4] in den 90er Jahren grundlegende Reformen auferlegt, diese
beinhalteten aber vorwiegend eine Modernisierung des operativen
Handelns.
In Zeiten der Globalisierung sind auch
die Kommunen einem
ansteigenden Wettbewerb (z.B. um Einwohner, Wirtschaftsunternehmen,
Konsumenten oder Touristen), wachsenden Ansprüchen der Kunden[5]
sowie
einer zunehmenden Umweltdynamik[6] und Umweltkomplexität[7]
ausgesetzt.
Die Steuerung der Kommunen hat mit
dieser Entwicklung nicht genügend
Schritt gehalten, denn sie ist vielfach zu statisch, zu wenig
koordiniert, zu kurzfristig und monetär ausgerichtet. Insbesondere
im
strategischen Handeln ist ein Defizit festzustellen.
Die Kommunale Gemeinschaftsstelle
(KGSt) und die Bertelsmann
Stiftung haben im Jahr 2000 erstmals in getrennten
Veröffentlichungen
und Projekten die Notwendigkeit eines strategischen Managements
für
Kommunen herausgestellt und damit wichtige Impulse für die Praxis
geliefert.[8] In der Praxis sind diese jedoch auch auf vielfältige
Probleme und Grenzen gestoßen, die weniger in den Konzeptionen
als
vielmehr in den Strukturen und Umweltbedingungen der Kommunen
begründet
waren.
Zum einen hat sich das kameralistische
Rechnungswesen der Kommunen
als eine Art „Geburtsfehler“ und unüberbrückbares Hindernis
für eine
strategische Steuerung erwiesen, da es keine Informationen über
die
Vermögenslage und den Ressourcenverbrauch liefert.[9] Damit fehlt
im
Strategieprozess ein entscheidender Faktor, die finanzielle
Ausgangslage der Kommunen. Zum anderen befinden sich viele Kommunen
seit dem Jahr 2001 in einer gravierenden Finanzkrise, die massive
Kapazitäten von Rat und Verwaltung für die
Haushaltskonsolidierung
bindet.
In beiden Problemfeldern ist ein Licht
am Ende des Tunnels zu erkennen:
So hat die Mehrzahl der
Bundesländer für den Bereich der Kommunen
eine Ablösung der Kameralistik durch die kaufmännische
doppelte
Buchführung beschlossen.[10] Aufgrund des erheblichen
Arbeitsumfangs[11] sind für die Umstellung Übergangsfristen
von
mehreren Jahren vorgesehen.
Zudem beginnen neben eigenen
Konsolidierungsmaßnahmen erste
gesetzliche Regelungen von Bund und Ländern zur Stärkung der
Finanzkraft der Kommunen zu greifen.[12] Von einer Entspannung kann
allerdings keine Rede sein.[13]
Mit der Einführung der Doppelten
Buchführung gewinnen die Kommunen
bessere Möglichkeiten der Steuerung. Neben einer effizienteren
operativen Steuerung (z.B. durch Prozessmanagement, Benchmarking)
können sie das strategische Management einsetzen, das bereits
für die
weitere Haushaltskonsolidierung wertvolle Unterstützung bieten
kann.
Abbildung 1: Steuerungsdefizit in
Kommunen

Quelle: Eigene Darstellung
1.2 Zielsetzung der Diplomarbeit
Diese Diplomarbeit verfolgt das Ziel,
unter Berücksichtigung der
strukturellen Rahmenbedingungen der Kommunen aus der abstrakten,
uneinheitlichen und umfangreichen Disziplin des strategischen
Managements geeignete Instrumente für Kommunen auszuwählen
und
vorzustellen sowie einen pragmatischen kommunalen Strategieprozess zu
entwickeln.
Es handelt sich bei diesem
Strategieprozess um einen idealtypischen
Weg, der für jede Kommune an Ausgangslage und Zielsetzung
anzupassen
ist. Aufgrund der großen Vielfalt der Kommunen und deren Aufgaben
ist
die Darlegung in diesem Teil der Arbeit sehr abstrakt, wird jedoch mit
Beispielen aus meinem eigenen Erfahrungsbereich sowie solchen aus
Literatur und Praxis konkretisiert.
Der wohl „schwierigsten Phase“[14] des
strategischen Managements,
der Strategieimplementierung, wird durch die Anwendung auf eine
konkrete Kommune besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Für die Stadt
Vlotho im Kreis Herford, einer Kommune mit 20.300 Einwohnern, wird am
Beispiel des ausgegliederten Betriebs der Stadtwerke Vlotho GmbH eine
konkrete Implementierungskonzeption entworfen. In diesem Zusammenhang
berücksichtige ich die strategische Ausgangslage der Stadt Vlotho
und
der Stadtwerke Vlotho. Darüber hinaus nehme ich auf die bereits im
Rahmen der Teilnahme am Projekt „Kompass“ eingeleiteten Schritte einer
strategischen Steuerung und die weiteren eingesetzten
Strategieinstrumente Bezug.
1.3 Struktur der Arbeit
Zunächst werden im nachfolgenden
zweiten Kapitel die theoretischen
Grundlagen und die historische Entwicklung des strategischen
Managements beschrieben.
In Kapitel 3 folgen eine Analyse der
Aufgaben und Strukturen sowie
eine Darstellung der derzeitigen Lage der Kommunen. Auf diese Weise
wird sichergestellt, dass die folgenden Kapitel der Arbeit der
strategischen Ausgangslage und den strategischen Optionen der Kommunen
gerecht werden.
Im vierten Kapitel der Arbeit wird ein
idealtypischer Prozess für
eine strategische „Unternehmensführung des Konzerns Kommune“[15]
entwickelt, der die Phasen „Strategische Zielplanung“, „Strategische
Analyse“, „Strategieentwicklung“, „Strategieimplementierung“ und
„Strategische Kontrolle“ beinhaltet.
Das Kapitel 4 lässt sich mit dem
nachfolgenden Prozessmodell veranschaulichen:
Abbildung 2: Kommunaler
Strategieprozess

Quelle: Eigene Darstellung
Die Phase der
Strategieimplementierung[16] wird innerhalb dieses
Prozesses am Beispiel der Stadt Vlotho dargestellt. Für die
Sparten Gas
und Wärme der Stadtwerke Vlotho wird eine Konzeption entworfen,
vorliegende Strategien „in konkretes, strategiegeleitetes Handeln der
Unternehmensmitglieder“[17] umzusetzen. Die Stadtwerke Vlotho betreiben
neben der Gas- und Wärmeversorgung die Wasserversorgung, den
Stadtbus
und den Schulbus.
Das vierte Kapitel wird mit einer
Bewertung des strategischen Managements in Kommunen abgeschlossen.
Eine kurze Zusammenfassung und ein
Ausblick auf die zukünftige
Entwicklung des strategischen Managements in Kapitel 5 bilden den
Abschluss dieser Diplomarbeit.
2 Grundlagen des
strategischen Managements
2.1 Begriff der Strategie
Die Wurzeln des Begriffes der
Strategie liegen im militärischen
Bereich, in dem er „ursprünglich die Aufstellung von
Kriegsplänen, den
Entwurf individueller Kampagnen und die Wahl der geeigneten Mittel zur
Erreichung der vorgegebenen Ziele“[18] beinhaltete. So geht auch das
Wort „Strategie“ auf die griechischen Wörter „Stratos“ (Das Heer)
und
„Agein“ (Führen) zurück.[19] Auch in der aktuellen
betriebswirtschaftlichen Literatur sind wichtige Grundprinzipien der
militärischen Vorläufer erkennbar.[20]
In der heutigen Wirtschaftspraxis und
in der Wirtschaftspresse wird
der Strategiebegriff wahllos, undifferenziert und unkritisch
gebraucht.[21] Dies lässt sich auch darauf zurückführen,
dass
Strategien in der Betriebswirtschaftslehre auf vielfältige Weise
definiert werden.[22] In dieser Arbeit kann keine umfassende Diskussion
der vielfältigen Definitionen erfolgen. Zwei bedeutsame
Unterschiede
des Strategiebegriffs werden jedoch dargestellt.
Zum einen werden verschiedene
Entstehungsweisen von Strategien zugrunde gelegt:
- Nach dem klassischen
Strategieverständnis werden Strategien im Wege
eines „pro-aktiven, geplanten und rationalen Handelns“[23]
ausgearbeitet.
- Henry Mintzberg hat ein
umfangreicheres Strategieverständnis
geprägt. Zwar lehnt er das klassische Strategieverständnis
nicht völlig
ab, häufiger entstehen Strategien nach seiner Meinung jedoch
zufällig
und unbeabsichtigt und sind erst im Nachhinein erkennbar.[24]
Eine weitere wichtige Unterscheidung
betrifft die Zeithorizonte von Strategien.
- Vielfach werden als
Abgrenzungsmerkmal zur operativen Planung
längerfristige Planungszeiträume festgelegt, die von 3 bis zu
10 Jahren
reichen.
- Der Deutsche Aloys Gälweiler
bestimmte in seiner
Strategiedefinition keinen Zeithorizont. Er betonte stattdessen das
Erfolgspotenzial als Quelle nachhaltigen Erfolges und verstand eine
Strategie daher als Suche, Aufbau und Erhaltung von
Erfolgspotenzialen.[25]
Bea/Haas haben einen umfassenden und
prägnanten Strategiebegriff geformt, dem in dieser Arbeit gefolgt
wird:
|
„Strategien sind
Maßnahmen zur Sicherung des langfristigen Erfolgs eines
Unternehmens.“ [26]
|
Hervorzuheben ist, dass diese
Definition nicht auf Zeiträume
abstellt, sondern im Sinne von Gälweiler auf die Sicherung des
langfristigen Erfolgs. Damit fallen auch kurzfristige Entscheidungen
und Maßnahmen zum Aufbau und zur Stärkung der
Erfolgspotenziale unter
den Strategiebegriff.
Auch Mintzbergs ungeplante Strategien
werden von diesem
Strategiebegriff eingeschlossen. Da in dieser Diplomarbeit
Gestaltungsempfehlungen für die strategische
Unternehmensführung
gegeben werden sollen, Mintzbergs Strategiebegriff jedoch eher einen
beschreibenden Charakter hat, werden den weiteren Kapiteln nur
„pro-aktive, geplante und rationale“[27] Strategien zugrunde gelegt.
Aus dem Strategiebegriff leitet sich
eine Definition des Strategischen Managements ab.
„Strategisches
Management ist ein Prozess, in dessen Mittelpunkt die Formulierung und
Umsetzung von Strategien
in Unternehmungen besteht.“[28]
|
2.2 Geschichte des strategischen
Managements
In der Literatur werden in der Regel
vier Phasen des strategischen
Handelns in den Unternehmungen genannt, an deren Ende das strategische
Management steht.
Haupttreiber dieser Entwicklung sind
die zunehmende Dynamik sowie
die Komplexität des Umfeldes und der Unternehmungen. Mit den
höheren
Anforderungen an das strategische Denken ging auch eine Steigerung von
dessen Komplexität einher.
Abbildung 3: Entwicklung strategischen
Handelns

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003), S. 9, und
Grimm, Ulrich (2004), S. 11
Beschreibung der einzelnen Phasen:
1. Phase: Finanzplanung:
In den 50er Jahren wurde die
Unternehmensplanung hauptsächlich in
Form einer Finanzplanung durchgeführt. „Man ging davon aus, dass
sich
wirtschaftliche Aktivitäten grundsätzlich in Geld
niederschlagen und
sich das Unternehmensgeschehen über Finanzströme lenken
lässt.“[29]
Wesentliches Instrument der Finanzplanung waren Jahres-Budgets.
2. Phase: Langfristige Planung:
Mitte der 50er Jahre wurden die
kurzfristigen Finanzplanungen um
langfristige Prognosen für das gesamte Unternehmen erweitert. Die
Langfristprognosen wurden regelmäßig durch eine
Trendextrapolation
vorhandener Trends gewonnen.
3. Phase: Strategische Planung:
Der Beginn der strategischen Planung
wird auf die 70er Jahre
datiert. In dieser Phase „kam der Umweltanalyse und der Analyse des
Wettbewerbs eine zunehmende Bedeutung zu.“[30] Unternehmen haben
versucht, den Unternehmenserfolg durch die Festlegung von Zielen
langfristig zu gestalten.
4. Phase: Strategisches Management
In den 80er Jahren setzte sich die
Erkenntnis durch, dass es der
strategischen Planung an einer Analyse der Stärken und
Schwächen der
komplexen Unternehmung sowie einer systematischen
Strategieimplementierung und -kontrolle fehlte. Mit dem Ansatz des
strategischen Managements wurden diese Lücken gefüllt.
Die Darstellung der Phase
„Strategisches Management“ darf nicht
darüber hinwegtäuschen, dass die „theoretische Identität
des
strategischen Managements eher verschwommen ist“[31] und es kein
zentrales Paradigma für dieses Feld gibt.[32]
2.3 Abgrenzung zum operativen
Management
Schlagwortartig lassen sich die
Unterscheide zwischen dem
strategischen[33] und operativen Management[34] anhand eines bekannten
Wortspiels von Peter F. Drucker beschreiben:
- Strategisches Management widmet
sich der Effektivität: „Doing the right things.“, d.h. die
richtigen Dinge tun.
- Operatives Management betrifft die
Effizienz: “Doing the things right.”, das heißt die Dinge richtig
tun.[35]
Diese Unterscheidung soll noch um
weitere Betrachtungskriterien erweitert werden:
Tabelle 1: Unterschiede zwischen
operativem und strategischem Management
Strategische Führung
heißt
|
Operative Führung
heißt
|
Erfolgspotenziale aufbauen und erhalten
|
kurzfristige Erfolge erzielen
|
zukünftiges Handeln beschreiben
|
anstehende Aktivitäten managen
|
Ziele setzen und Wege zur Zielerreichung finden
|
Ziele operativ in Maßnahmen umsetzen
|
Strategien kommunizieren und Messlatten
für Motivation und Leistung definieren
|
operative Budgets festlegen und Produktionsmengen und –abläufe
definieren und optimieren
|
die Allokation von Ressourcen in
Unternehmen festlegen
|
die Qualität sichern und Cash-Management betreiben
|
Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Grimm, Ulrich (2004b) S.
15 und Ansoff, H. Igor (1991), ohne Seitenangabe, zitiert bei:
Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter A. (2004), S. 32
Das strategische und das operative
Management sind in der Praxis untrennbar miteinander verbunden:
- Einerseits ist ohne operative
Exzellenz, die sich in den
Dimensionen Zeit, Kosten und Qualität widerspiegelt, jede noch so
gute
Strategie zum Scheitern verurteilt.[36]
- Andererseits können
„Versäumnisse bei strategischen Entscheidungen
nicht durch organisatorische operative Anstrengungen aufgeholt werden."
[37]
-
3 Grundlagen der
Kommunalverwaltung
3.1 Aufgaben und Strukturen
3.1.1 Begriff, Anzahl und
Größenklassen
Der Begriff „Kommune“ dient als
Sammelbegriff für kreisfreie
Städte, Gemeindeverbände (insbesondere Kreise)[38],
kreisangehörige
Städte und kreisangehörige Gemeinden.[39] Städte und
Gemeinden werden
gesetzlich unter dem Begriff „Gemeinden“ zusammengefasst. Die rund 82,5
Millionen Einwohner Deutschlands[40] verteilen sich auf 12.629
Gemeinden unterschiedlichster Größenordnungen, die in der
folgenden
Statistik aufgeführt sind:
Tabelle 2: Anzahl und Einwohnerzahlen
der Gemeinden Stand 31.12.2003
Zahl der
|
Einwohnerzahl
|
Gemeinden
|
von
|
bis
|
204
|
< 100
|
539
|
100
|
200
|
2021
|
200
|
500
|
2315
|
500
|
1.000
|
2221
|
1.000
|
2.000
|
1158
|
2.000
|
3.000
|
1302
|
3.000
|
5.000
|
1296
|
5.000
|
10.000
|
875
|
10.000
|
20.000
|
507
|
20.000
|
50.000
|
109
|
50.000
|
100.000
|
44
|
100.000
|
200.000
|
26
|
200.000
|
500.000
|
9
|
500.000
|
1.000.000
|
3
|
> = 1.000.000
|
Quelle: Eigene Darstellung, in
Anlehnung an: Statistisches Bundesamt (2004)
Mit Ausnahme von 116 kreisfreien
Städten gehören die Gemeinden 323 (Land-)Kreisen an, die
überörtliche Aufgaben wahrnehmen.
3.1.2 Einordnung im Staatswesen
Die Kommunen sind
Gebietskörperschaften[41] des öffentlichen Rechts.
Sie gehören verfassungsrechtlich zu den Ländern und stellen
insofern
keine selbständige Ebene dar. An der Gesetzgebung haben Kommunen
nur
geringe Mitwirkungsrechte. In Bund und Ländern beschränken
sich die
Rechte i. d. R. auf die Anhörung der kommunalen
Spitzenverbände. Auf
Ebene der EU sind die Kommunen im Ausschuss der Regionen vertreten, der
im europäischen Rechtsetzungsprozess allerdings nur eine schwache
Stellung hat.[42]
3.1.3 Aufgaben
Die Kommunen haben die Aufgabe, das
Wohl ihrer Einwohner zu fördern.
Um dies zu ermöglichen, wird den Kommunen in Art. 28 Abs. 2 des
Grundgesetzes das Recht auf kommunale Selbstverwaltung eingeräumt.
Neben freiwilligen Aufgaben (z.B.
Angebot von Freibädern, Museen)
müssen Kommunen auch zahlreiche Aufgaben wahrnehmen, die ihnen vom
Bund
oder von den Ländern übertragen werden.
Zwischen den Kommunen bestehen
erhebliche Unterscheide in der
Aufgabenwahrnehmung, die sich aus mannigfaltigen Ursachen wie z.B. der
Größe, Landeszugehörigkeit, politischen Mehrheiten, der
Finanzkraft
oder der Geschichte herleiten.
Der Produktrahmen für
Kommunen[43] gibt einen groben Überblick über die
vielfältigen und heterogenen Aufgaben der Kommunen.[44]
Abbildung 4: Kommunaler Produktrahmen;
hier: Produktbereiche (schwarze Schrift)

Quelle: Eigene Darstellung
Jeder Produktbereich besteht aus
mehreren Produktgruppen, die sich
regelmäßig in mehrere Produkte unterteilen. Diese weitere
Unterteilung,
die für Kommunen nicht verbindlich ist, wird am Beispiel des
Produktrahmens NRW dargestellt.
Tabelle 3: Auszug aus dem
Produktrahmen des Landes NRW, Stand 31.12.04

Quelle: Innenministerium NRW (2004)
3.1.4 Organe
Da das Kommunalverfassungsrecht eine
Aufgabe der Länder darstellt,
gibt es in der Definition und Ausgestaltung der Organe Unterschiede, so
dass an dieser Stelle nur häufig anzutreffende Konstellationen
wiedergegeben werden. In allen Ländern werden der
Bürgermeister bzw.
Landrat und der Rat als Organe der Kommunen definiert. Aus dem Rat
bilden sich daneben die Ausschüsse als Teilorgane. In einigen
Bundesländern sind darüber hinaus für größere
Städte
Bezirksvertretungen und Bezirksvorsteher vorgesehen. Weitere oder
abweichende Organe sind in den kommunalen Unternehmen vorhanden.
Es ist regelmäßig
vorgesehen, dass Rat und Bürgermeister von den Bürgern
für 5 Jahre gewählt werden.
Der Rat entscheidet über wichtige
und grundlegende Angelegenheiten
der Kommune. Er ist – mit Ausnahme der Stadtstaaten - Teil der
Exekutive und kein Parlament. Je nach Einwohnerzahl der Kommune setzt
sich der Rat aus 20 bis 90 Mitgliedern unterschiedlichster Berufe und
Qualifikationen zusammen, die das Ratsmandat ehrenamtlich ausüben.
Innerhalb des Rates gründen sich regelmäßig Fraktionen
der politischen
Parteien. Zur Beratung oder Entscheidung spezieller Themen bildet der
Rat Ausschüsse.
Der Bürgermeister (in kreisfreien
Städten der Oberbürgermeister)
leitet die Verwaltung, wozu ihm ein umfassendes Organisationsrecht
zusteht. Er vertritt und repräsentiert die Kommune, bereitet die
Beschlüsse des Rates vor und hat den Vorsitz im Rat. Im Rat hat
der
Bürgermeister das gleiche Stimmrecht wie ein Ratsmitglied.
Über
einfache Geschäfte entscheidet er selbständig.
Die Bürger stellen kein Organ
dar, verfügen aber neben dem Wahlrecht
über weitere Rechte, mit denen sie Einfluss auf die Gestaltung der
Kommunen ausüben können (z.B. Information und Anhörung,
Bürgeranträge,
Bürgerbegehren, Bürgerentscheide).
3.1.5 Organisation und Personal
Die Kommunen nehmen ihre Aufgaben in
vielfältigen
öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Rechts- und
Organisationsformen wahr. Der Trend zur Ausgliederung von
Verwaltungsbereichen hat sich in jüngerer Zeit weiter
verstärkt.[45]
Nach einer Umfrage im Jahr 2002 unter Kommunen mit mehr als 50.000
Einwohnern beträgt der Personalanteil der Beteiligungen 46 %.[46]
Die Ausgliederungen werden vielfach
als „kommunale Unternehmen“
bezeichnet. Dieser Bezeichnung liegt keine gesetzliche Definition
zugrunde.[47] In dieser Arbeit wird das kommunale Unternehmen definiert
als „Unternehmen, dessen Anteile zu 50 % oder mehr von einer oder
mehreren kommunalen oder regionalen Gebietskörperschaften gehalten
werden, oder das - wenn sie weniger als 50 % halten - in der Praxis
ganz von diesen Gebietskörperschaften kontrolliert wird.“[48]
Die am häufigsten gewählten
Organisationsformen von kommunalen
Unternehmen sind die GmbH (73 %), Eigenbetriebe[49] (9 %), die AG (5 %)
und Zweckverbände[50] (5 %).[51] Als Gründe für
Ausgliederungen werden
u. a. die Selbständigkeit der Führungsorgane, eine flexiblere
Personalwirtschaft sowie bessere Finanzierungs- und
Kooperationsmöglichkeiten genannt.[52]
Die Kommunen verfügen über
1.410.000 Bedienstete, die sich aus
Angestellten (907.000), Arbeitern (326.000) und Beamten (177.000)
zusammensetzen.[53]
3.1.6 Finanzierung
Haupteinnahmequellen der Kommunen sind
Steuern und allgemeine
Zuweisungen von Bund und Ländern. Erst an dritter Stelle stehen
Gebühren, die - im Gegensatz zu Steuern und Zuweisungen - als
Entgelt
für erbrachte Leistungen der Kommune eingenommen werden.
Die wichtigste Einnahmequellen der
Kommunen sind (in Klammern die Ergebnisse 2003)[54]:
1. Steuern (47 Mrd. €), insbes. Anteil
an der Einkommens- und Körperschaftsteuer (20) und Gewerbesteuer
(15 Mrd. €),
2. laufende Zuweisungen vom Bund und
von den Ländern (38 Mrd. €) und
3. Gebühreneinnahmen (16 Mrd. €).
Den Einnahmen stehen die
Hauptausgabeblöcke
- Personal (41 Mrd. €),
- Soziale Leistungen (30 Mrd. €) und
- Sachaufwand (29 Mrd. €)
gegenüber.
„Mehr als die Hälfte ihrer
Steuereinnahmen geben die Kommunen unmittelbar für soziale
Leistungen aus.“[55]
3.1.7 Stadtwerke[56]
In Deutschland bezeichnen sich rund
1.000 Versorgungsunternehmen als
Stadtwerke (Stand 08/2003).[57] Bei 12 dieser rund 1.000 Stadtwerke ist
die Beteiligung privater Unternehmen größer als 50 %. Es
wird davon
ausgegangen, dass in diesen Unternehmen die Kommunen keinen
bestimmenden Einfluss ausüben, so dass entsprechend der in Kapitel
3.1.5 getroffenen Definition nicht von kommunalen Unternehmen
gesprochen werden kann.
Mehr als zwei Drittel der kommunal
bestimmten Stadtwerke befinden
sich in alleiniger Hand der Kommunen wie die nachfolgende Abbildung
verdeutlicht.
Abbildung 5:
Eigentumsverhältnisse an kommunalen Stadtwerken 08/2003

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Verband kommunaler Unternehmen (2003b), S. 1
Die meisten Stadtwerke betreiben
mehrere Sparten. Dabei werden
oftmals gewinnbringende Sparten wie Strom und Gas mit typischen
Verlustträgern wie Bädern oder Verkehr kombiniert, um in
einem
steuerlichen Querverbund die Gewinne mit den Verlusten verrechnen zu
können. Die Zielsysteme der Stadtwerke sind mehrdimensional. Neben
der
Sicherstellung der Versorgung, Preisgünstigkeit und
Umweltverträglichkeit sollen Stadtwerke auch einen Ertrag für
den
Haushalt der Gemeinde abwerfen, der mindestens eine marktübliche
Verzinsung des Eigenkapitals beinhaltet. Da die genannten Ziele
teilweise in einem Konflikt zueinander stehen, wird von einigen
Stadtwerken in Anlehnung an das in der Wirtschaft dominierende Ziel des
„shareholder value“ die Maxime des „citizen value“ („Wertschöpfung
für
Bürgerinnen und Bürger“[58]) ausgegeben.
Die Wirtschaftstätigkeit von
Stadtwerken wird in den
Gemeindeordnungen mit Ausnahme der liberalisierten Bereiche (insbes.
Elektrizität und Gas) in der Regel auf das kommunale Gebiet
beschränkt.
Außerdem wird die Wirtschaftstätigkeit regelmäßig
auf die Erfüllung
eines öffentlichen Zwecks beschränkt. Zum Teil sehen die
Gemeindeordnungen darüber hinaus vor, dass die wirtschaftliche
Betätigung nur zulässig ist, „wenn der Zweck nicht besser
oder
wirtschaftlicher durch einen anderen erfüllt werden kann (so
genannte
Subsidiaritätsklausel).“[59]
Die Situation der wichtigsten Sparten
soll kurz skizziert werden (in
Klammern: Umsätze und Marktanteile der Stadtwerke 2003):[60]
- Strom (Umsatz 22 Mrd. €,
Marktanteil 53 %): Seit der Öffnung der
Strommärkte im Jahr 1998 stehen die Stadtwerke im Wettbewerb mit
nationalen und internationalen Anbietern, konnten ihre Marktanteile
jedoch behaupten. Etwa 21 % des Stroms erzeugen die Stadtwerke in
eigenen Anlagen.[61]
- Gas (Umsatz 20 Mrd. €, Marktanteil
52 %): Die Öffnung der Märkte
erfolgte ebenfalls 1998, hat jedoch im Gegensatz zum Strom bisher kaum
zu Wettbewerb geführt.
- Wasser (8 Mrd. €, Marktanteil 75
%): Die Wasserversorgung ist nach
dem Grundsatz der ortsnahen Wasserversorgung regelmäßig von
den
Kommunen durchzuführen und steht derzeit nicht im Wettbewerb. 25 %
der
Versorgung erfolgen durch private Unternehmen und durch Eigenversorgung
der Verbraucher.
- Wärme (3 Mrd. €, Marktanteil
73 %): Kommunen erzeugen Wärme in Nah-
und Fernwärmeanlagen und versorgen damit Einheiten
unterschiedlichster
Größenordnung von ganzen Baugebieten über
Produktionshallen bis hin zu
Einfamilienhäusern. Oftmals wird die Wärmelieferung als
Contracting[62]
abgewickelt. Im Bereich der Wärmelieferung stehen die Kommunen im
Wettbewerb zur freien Wirtschaft.
- Verkehr (0,7 Mrd. €,
Marktanteilszahlen liegen nicht vor): Die
Kommunen als gesetzlicher Aufgabenträger verbuchen mit dem
ÖPNV trotz
vielfältiger Förderungen von Bund und Ländern hohe
Verluste. Oftmals
führen die Kommunen den ÖPNV mit eigenen Verkehrsbetrieben
durch, so
dass nur ein geringer Wettbewerb stattfindet.
3.2 Bewertung der Lage und der
zukünftigen Herausforderungen
3.2.1 Die Lage der Kommunen
Das größte Problem vieler
Kommunen ist ihre Finanzkrise. Die Schere
zwischen steigenden Aufgaben auf der einen Seite und sinkenden
Einnahmen auf der anderen Seite hat sich so weit geöffnet, dass
die
Kommunen im Jahr 2003 ein Finanzierungsdefizit von 9,7 Mrd. €
aufwiesen.[63] Die Finanzkrise lässt sich maßgeblich auf
eine verfehlte
Bundes- und Landesgesetzgebung zurückführen, auf die die
Kommunen kaum
Einfluss haben.[64] Zwei Beispiele sollen diese Feststellung belegen:
- Die Haupteinnahmequellen der
Kommunen, die Gewerbesteuer und der
Anteil an der Einkommensteuer, sind in den vergangenen Jahren - bedingt
durch Steuererleichterungen, eine höhere Gewerbesteuerumlage an
Bund
und Länder sowie die konjunkturelle Talfahrt - stark
rückläufig. Allein
zwischen den Jahren 2000 und 2003 gingen diese Einnahmen der Kommunen
um 5,9 Mrd. € zurück. Die Gewerbesteuer ist nicht nur in ihrer
absoluten Höhe gesunken, erhebliche Probleme bereiten den
einzelnen
Kommunen daneben auch hohe Aufkommensschwankungen.
- Der zweitgrößte
Kostenblock der Kommunen, die Ausgaben für soziale
Leistungen, sind von 2000 bis 2003 um 3 Mrd. € auf 30 Mrd. € gestiegen.
Auch auf diese bundesgesetzlichen Sozialgesetze haben die Kommunen
keinen Einfluss, müssen aber die Aufgaben ausführen und
Ausgaben
tragen. Innerhalb der sozialen Leistungen entfallen 11 Mrd. €
auf die
Eingliederungshilfen für Behinderte (z.B. für betreutes
Wohnen, Arbeit
in Behindertenwerkstätten), eine Aufgabe, die der Deutsche
Städte- und
Gemeindebund zu Recht als gesamtgesellschaftliche und nicht primär
kommunale Aufgabe bezeichnet.
Bereits 65 % der kommunalen
Steuerausgaben mussten die Kommunen im Jahr 2003 für soziale
Aufgaben verwenden.
Die kommunalen Spitzenverbände
beklagen, „dass die Kommunen aufgrund
eines Entzuges politischer Handlungsspielräume zusehends von einer
politisch-administrativen Ebene zu einer rein administrativen Ebene
mutieren“.[65] Es genügt nicht, diese Entwicklung allein auf den
Bund
und die Länder zurückzuführen. Vielmehr haben die
Kommunen in
konjunkturellen Hochphasen regelmäßig keine Vorsorge
für schwächere
Phasen getroffen, sondern sind im Gegenteil langfristige
Verpflichtungen eingegangen.
Neben der schlechten Finanzlage stehen
die Kommunen vor eine Reihe
weiterer Herausforderungen. Beispielhaft werden einige wichtige Punkte
genannt:
- Aufbau von
Ganztagsbetreuungsangeboten für Kinder bis zu 3 Jahren
- Verödung der Innenstädte
- Demografischer Wandel (Alterung und
Abnahme der Bevölkerung, wachsender Migrantenanteil)[66]
- Kommunalpolitische Krise:
„Mitgliederschwund, Nachwuchsprobleme im Rat, sinkende
Wahlbeteiligung“[67]
- Spezielle Probleme von Kommunen in
den neuen Bundesländern: Abwanderung, Arbeitslosigkeit,
Wohnungsleerstände, etc.
- Stärkere Einbeziehung der
ausgegliederten Beteiligungen in die Gesamtsteuerung der Kommune im
Sinne einer „Konzernsteuerung“
3.2.2 Besondere Betrachtung der
Stadtwerke
Der Bereich der Stadtwerke ist seit
einigen Jahren von einem
erheblichen Strukturwandel in Form von Kooperationen, Fusionen und
vertikalen Integrationen geprägt. Auch ausländische Anbieter
verschaffen sich Zutritt zum deutschen Energiemarkt.
Neben der Struktur der Stadtwerke als
Ganzes sind auch die einzelnen
Sparten derzeit von erheblichen Änderungen ihres Umfeldes
betroffen
oder bedroht. Besonders die Energiemärkte weisen eine große
Dynamik
auf, wie die folgende Grafik veranschaulicht.
Abbildung 6: Herausforderung Dynamik
in der Energiewirtschaft

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Stadtwerke Flensburg (2005a)
Den umfassendsten rechtlichen Einfluss
übt die EU mit Regelungen zum
europäischen Binnenmarkt aus. Auf Bundesebene sind die
Wirtschaftspolitik (u. a. Energiepolitik, Wettbewerbspolitik),
Steuerpolitik und Umweltpolitik zu nennen. Seitens der Länder
wirken
sich besonders die Kommunalgesetze, Umweltgesetze und
Förderrichtlinien
für den ÖPNV aus.
Die Perspektiven der einzelnen Sparten
stellen sich wie folgt dar:
- Strom, Gas, Wärme: Zur
Umsetzung von EU-Vorgaben wird das deutsche
Energiewirtschaftsrecht voraussichtlich Mitte 2005 erheblich
verändert.
Das modifizierte Recht wird umfangreiche Verpflichtungen zur
Entflechtung des Netzbetriebs von anderen Tätigkeiten vorsehen
(informatorisches[68], buchhalterisches[69], rechtliches[70] und
operationelles[71] Unbundling). Damit soll Wettbewerbern eine
diskriminierungsfreie Nutzung des Netzes ermöglicht werden.
Für die
Regulierungsaufgaben des Energiewirtschaftsrechts wird derzeit eine
weitere Bundesbehörde aufgebaut, die den Markt neben dem bereits
tätigen Bundeskartellamt kontrollieren soll.[72] Für die
Energieversorgungsunternehmen sind mit dem geänderten Energierecht
Risiken wie bürokratischer Aufwand, Synergieverluste, geringere
Investitionssicherheit und ein verschärfter Wettbewerb[73]
verbunden.
Darüber hinaus sind die Preise derzeit Gegenstand wachsender
Proteste
von Verbrauchern. In diesem dynamischen Marktumfeld wirken sich die
Beschränkungen der Gemeindeordnungen (z.B. das
Subsidiaritätsprinzip)
nachteilig aus, da die Stadtwerke nur begrenzte Möglichkeiten zum
Wachstum und zur Diversifikation besitzen.
- Wasser: Auch die Wasserversorgung
ist Ziel von
Liberalisierungsbestrebungen der EU-Kommission, wenngleich diese vom
EU-Parlament bereits einmal zurückgewiesen wurden.
- ÖPNV: Der defizitäre
ÖPNV wird zunehmend eingeschränkt, da zum
einen der Bund und die Länder ihre Fördergelder kürzen
und zum anderen
die Kommunen die Defizite in diesem Bereich aufgrund ihrer Finanzkrise
reduzieren müssen.
Für viele Stadtwerke ist ferner
die Frage von erheblicher Bedeutung,
ob die Kommunen ihre ausgegliederten Unternehmen im Rahmen ihres
Organisationsermessens ohne europaweite öffentliche Ausschreibung
konzessionieren[74] oder beauftragen dürfen. In der Praxis wurde
dies
bis zuletzt regelmäßig so gehandhabt. Ein neues Urteil des
Europäischen
Gerichtshofs vom 11.01.05 schränkt dieses Vorgehen jedoch im
Bereich
von Dienstleistungsaufträgen ein, was das Ende für zahlreiche
Privatisierungsmodelle darstellen könnte.[75] Nach diesem Urteil
darf
nicht auf eine Ausschreibung verzichtet werden, wenn an einem
Unternehmen neben der Kommune auch private Unternehmen beteiligt sind.
Auf die Höhe der privaten Beteiligung kommt es nicht an.
Die Frage der Notwendigkeit einer
öffentlichen Ausschreibung ist für
kommunale Unternehmen von existenzieller Bedeutung. Durch
Ausschreibungsniederlagen könnte ein kommunales Unternehmen
gleichzeitig seine Aufgaben verlieren, da ein Ausweichen auf andere
Orte oder Produkte rechtlich nur sehr eingeschränkt möglich
ist. In
Ermangelung von Aufgaben müsste das kommunale Unternehmen dann
aufgelöst werden. Für die Kommunen kann dies zur Folge haben,
dass es
dauerhaft auf Fremdleistungen angewiesen ist, da sich das nicht mehr
existente Unternehmen nicht an späteren Ausschreibungen beteiligen
kann.[76]
Dienstleistungskonzessionen werden von
dem Urteil des EUGH zwar
nicht erfasst, doch auch in diesem Bereich erwägt die
EU-Kommission
weitere Liberalisierungen.[77]
4 Strategisches Management
in der Kommunalverwaltung
4.1 Anforderungen an die
strategische Steuerung
Die Anforderungen an das strategische
Management in Kommunen ähneln
in vielen Bereichen denen in der freien Wirtschaft, so dass generelle
Anforderungen an das strategische Management und besondere
Anforderungen der Kommunalverwaltung getrennt ausgewiesen werden.
4.1.1 Generelle Anforderungen
a) Flexibilität und Dynamik
Aufgrund der beschriebenen dynamischen
Veränderungen der Umwelt muss
die strategische Steuerung so flexibel sein, dass eine kurzfristige
Anpassung von Zielen und Maßnahmen möglich ist. Die
strategische
Steuerung muss daher neben einem regelmäßigen Planungszyklus
auch
kurzfristig einsetzen können. Die strategischen Daten müssen
kontinuierlich aufbereitet werden, da die so genannten „strategischen
Fenster“[78] nur kurzfristig geöffnet sind und einer schnellen
Reaktion
bedürfen. Um dies sicherzustellen, kann auf verschiedene
„Real-time-Systeme“ zurückgegriffen werden (z.B. Strategic Issue
Management, Weak Signal Management, Krisenmanagement).[79]
Zwar bietet der Strategieprozess ein
Schema als Handlungsrichtlinie,
er darf aber nicht als „Handeln nach Schema“ missverstanden werden.
„Erfolgreiche Unternehmen sind immer in Bewegung, sie schaffen sich
immer wieder neu, verwandeln sich, passen sich den stets sich
ändernden
Verhältnissen an.“[80]
Der Strategieprozess ist als ein „eng
verzahnter, iterativer
Prozess“[81] anzusehen. „Bei jedem Schritt in der Umsetzung kann es
notwendig werden, sich auf einen früheren Prozessschritt
zurück zu
beziehen oder einen Schritt im Voraus festzulegen.“[82]
b) „Einfachheit“[83]
Da das strategische Management gerade
darauf abzielt, die komplexe
Umwelt handhabbar zu machen, darf es auch selbst nicht zu komplex
sein.[84] Bernhard Böhm ergänzt die Einfachheit um „Intuition
und
Hemdsärmeligkeit“[85]. Auch für Führungskräfte aus
technischen
Bereichen muss der Strategieprozess schnell erlernbar und nutzbar sein.
Auf das strategische Management kann daher die nachfolgende von Albert
Einstein geprägte Forderung übertragen werden: „Mache es so
einfach wie
möglich, aber nicht einfacher." [86]
c) „Geringe finanzielle und personelle
Ressourcenbindung“[87]
Das strategische „Management zielt
nicht nur auf Effektivität und
Effizienz, sondern muss selbst effektiv und effizient sein.“[88]
Insofern muss sich der Einsatz von Ressourcen im Unternehmen für
die
strategische Steuerung rentieren.
d) „Partizipation und
Gruppenorientierung“[89]
In der Betriebswirtschaft hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt, dass
ausschließlich von der Unternehmensführung angestoßene
und mit Macht
und Druck durchgesetzte Veränderungen (so genannte „Bombenwurf-
oder
Machtstrategien“) häufig zu Misserfolgen führen, da diese bei
den
Mitarbeitern keine Akzeptanz finden. Der Umfang der
Mitarbeiter-Beteiligung lässt sich lässt vereinfacht mit dem
Grundsatz
„Top down for targets – Bottom up for how to do it“[90] beschreiben.
Die Beteiligung der Mitarbeiter erfolgt zweckmäßigerweise in
Form von
Teamarbeit. Auf diese Weise kann das komplementäre Wissen und das
kreative Potenzial der Mitarbeiter genutzt werden.
4.1.2 Zusätzliche
Anforderungen in der Kommunalverwaltung
Die Kommunalverwaltung weist besondere
strukturelle
Rahmenbedingungen auf, die von einem strategischen Managementsystem zu
berücksichtigen sind. Die wichtigsten Besonderheiten sind
nachfolgend
aufgeführt:
a) Berücksichtigung der
Vielfältigkeit der Aufgaben und Ziele
Kommunen erfüllen ein „breites,
diversifiziertes
Aufgabenspektrum“[91] und können daher mit einem
„Mehrproduktdienstleistungsunternehmen“[92] verglichen werden. Mit den
meisten Aufgaben verfolgen die Kommunen nicht monetäre, sondern
Wirkungsziele. Da die verschiedenen Stakeholder von Kommunen oftmals
„unterschiedliche Vorstellungen von ‚Erfolg’ und ‚Qualität’ haben,
reicht das Spektrum möglicher Qualitätsansprüche von
Kosteneinsparung
bis zur Sicherung fachlicher Standards.“[93]
b) Koordination und Ganzheitlichkeit
Die Aufgaben der Kommunen werden
häufig in unterschiedlichen
Organisations- und Rechtsformen wahrgenommen. Auch wenn den kommunalen
Unternehmen von der Kommune bewusst ein weiter strategischer
Handlungsspielraum überlassen wird, so muss doch
gewährleistet sein,
dass die strategische Steuerung in den kommunalen Unternehmen mit der
strategischen Steuerung der Kommune im Einklang steht.
Abbildung 7: Verzahnung der
strategischen Steuerungen

Quelle: Eigene Darstellung
c) Beachtung der geringen
Handlungsautonomie und der Abhängigkeiten
Den Kommunen werden gesetzlich von
Bund und Ländern vielfältige
Pflichten und Aufgaben auferlegt. Finanziell sind Kommunen erheblich
von der Konjunkturentwicklung abhängig.
d) Politische Organe
Die Zuständigkeit für
strategische Entscheidungen liegt in der Regel
beim Rat.[94] „Daher kann strategisches Management in der Kommune nicht
ohne enge Einbeziehung der Politik (Rat und politische
Verwaltungsführung) erfolgen.“[95] Die Eigenheiten dieses Organs
liegen
in dessen Wahl durch die Bürgerschaft, im parteipolitischen
Wettbewerb,
in der großen Mitgliederzahl (20 – 90), in der Ehrenamtlichkeit
des
Mandats und in den heterogenen Qualifikationen der Ratsmitglieder.[96]
e) Einbeziehung der Bürger und
lokalen Gruppen
Die Kommune ist nicht nur eine
Organisation, die möglichst effizient
Leistungen erbringt, sondern sie ist auch „eine Gemeinschaft, in der
Menschen ihre Heimat haben und gleichzeitig Demokratie leben
können.“[97] Es ist daher wichtig, die Ziele und Strategien den
Bürgern
und den lokalen Gruppen anschaulich zu kommunizieren, um
Verständnis
und Akzeptanz zu erreichen und das Gemeinschaftsgefühl zu
stärken.
Neben der Information können die Bürger und lokalen Gruppen
in
bestimmten bürgernahen Bereichen auch am Strategieprozess
beteiligt
werden.[98]
4.2 Der Strategieprozess
Für das strategische Management
werden in der
betriebswirtschaftlichen Literatur zahlreiche verschiedene Modelle
beschrieben. Die klassische Strategielehre folgt in der Regel einem
Phasenkonzept, das auch dieser Arbeit zugrunde gelegt wird.
In Anlehnung an das Konzept von Welge
/ Al-Laham wird das strategische Management als ein Prozess von
fünf Phasen dargestellt:
- Strategische Zielplanung:
Entwicklung der Unternehmensphilosophie, des Leitbildes und
strategischer Zielsetzungen
- Strategische Analyse:
Unternehmungsanalyse und Umweltanalyse
- Strategieformulierung: Formulierung
von Strategien
- Strategieumsetzung: Umsetzung von
Strategien[99]
- Strategische Kontrolle:
„Prämissen-, Wirksamkeits- und Durchführungskontrolle“[100]
Für den Strategieprozess wird das
folgende eigene Schaubild zugrunde gelegt.
Abbildung 8: Kommunaler
Strategieprozess

Quelle: Eigene Darstellung
Darin bilden die äußeren
dickeren Pfeile die logische Reihenfolge
des Strategieprozesses. Die dünneren Pfeile symbolisieren die Vor-
und
Rückkopplungen, die in einer dynamischen Umwelt zwischen allen
Phasen
stattfinden müssen. Von der gebräuchlichen hierarchischen
Darstellung[101] wird bewusst abgewichen, da diese den Anschein eines
reinen „top-down-Ansatzes“[102] erweckt. Zwar trägt die oberste
Unternehmensführung (im Fall der Kommunen der Rat) die
Verantwortung
für das strategische Management, ohne eine Einbindung der
Mitarbeiter
fehlen jedoch die notwendigen Informationen zur Strategiefindung und
die notwendige Akzeptanz zur Strategieumsetzung.
4.2.1 Strategische Zielplanung
Die strategische Zielplanung[103]
bildet den Ausgangspunkt des
strategischen Managements. Ihre Formulierung obliegt in der
Kernverwaltung dem Rat der Kommune. Die Zuständigkeit für die
strategische Zielplanung der ausgegliederten kommunalen Unternehmen
kann der Rat z.B. durch die Wahl der Rechtsform, die Ausgestaltung von
Gesellschaftsverträgen oder den Verkauf von Anteilen an private
Gesellschafter ganz oder teilweise auf die Organe der Gesellschaft
übertragen. Wie bereits dargelegt wurde, muss sichergestellt sein,
dass
die strategische Zielplanung der kommunalen Unternehmen mit der
strategischen Zielplanung ihrer Kommunen in Einklang steht.
Die Phase der strategischen
Zielplanung wird in der
betriebswirtschaftlichen Literatur in drei Schritte unterteilt: Im
ersten Schritt der strategischen Zielplanung wird eine
Unternehmensphilosophie entwickelt. Die Unternehmensphilosophie wird im
zweiten Schritt in einem Leitbild konkretisiert und um
Verhaltensrichtlinien erweitert. Die Unternehmensphilosophie und das
Leitbild bedürfen im dritten Schritt noch „einer weiteren
Präzision
durch die sog. Unternehmensziele.“[104]
Die Beziehung zwischen der
Unternehmensphilosophie, dem Leitbild und
den Unternehmenszielen weisen Bea/Haas in einer Zielhierarchie aus, die
auch die folgenden Zielebenen beinhaltet:
Abbildung 9: Zielhierarchie im
strategischen Management

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Bea, Franz Xaver/Haas, Jürgen (2000), S. 68
In der Praxis der Kommunen wird
häufig nicht zwischen den genannten
Schritten unterschieden, sondern es werden alle drei Schritte in einem
Leitbild oder in strategischen Zielen zusammengefasst. Diese
Vereinfachung kann angesichts der strukturellen Rahmenbedingungen der
Kommunen (z.B. Größe der Kommunen, Ehrenamtlichkeit des
Rates) sinnvoll
sein. Gleichwohl sollten die einzelnen Schritte der strategischen
Zielplanung aus logischen Gründen gedanklich getrennt werden. Im
Folgenden wird daher das dreistufige Modell beschrieben.
4.2.1.1 Unternehmensphilosophie
und Leitbild
Die Unternehmensphilosophie hat die
Aufgabe, dem Unternehmen auch in
Zeiten dynamischer Veränderungen einen Sinn und Werte zu
vermitteln.
Sie bildet einen Rahmen für die Formulierung und Umsetzung von
Strategien. Dazu behält sie regelmäßig über viele
Jahre bis Jahrzehnte
Gültigkeit.
Inhaltlich umfasst die
Unternehmensphilosophie häufig zum einen den
übergeordneten Zweck des Unternehmens, der die Frage beantwortet,
welches Bedürfnis der Gesellschaft die Unternehmung erfüllen
will.[105]
Zum anderen enthält sie die
Grundwerte des Unternehmens. Neben
sachlichen Werten wie Kundenorientierung, Service und Effizienz sollte
diese auch positive emotionale Werte wie Fairness, Freude und
Gemeinschaftsgeist enthalten.[106]
Die Unternehmensphilosophie „gibt eine
Richtung an, vermittelt Sinn,
besitzt symbolischen und erzieherischen Charakter und setzt Energien
der Führungskräfte und Mitarbeiter frei“.[107]
Den inhaltlichen und zeitlichen Fokus
der Unternehmensphilosophie stellt Hinterhuber in einer 4-Felder-Matrix
dar:
Abbildung 10: Zur Definition der
Unternehmensvision

Quelle: Hinterhuber, Hans H. (2004a),
S. 84
Die Unternehmensphilosophie wird in
einem Leitbild schriftlich
festgehalten und zum Teil um Verhaltensrichtlinien gegenüber den
Anspruchsgruppen ergänzt.
In Kommunen muss besonderer Wert
darauf gelegt werden, dass die
Unternehmensphilosophie und das Leitbild einen möglichst breiten
Konsens und damit eine breite Akzeptanz in Politik, Bürgerschaft
und
Mitarbeiterschaft finden. „Weniger der Inhalt als vielmehr die Art und
Weise der Entwicklung bestimmen den Wert eines Leitbildes“[108]. Die
Aussage „Der Weg ist das Ziel.“ trifft für diese Phase des
Strategieprozesses also zu einem wesentlichen Teil zu.
In der Praxis haben sich politische
„Workshops“ bewährt, für die
externe Moderatoren eingesetzt werden. Durch eine professionelle
Prozessbegleitung kann auch der Gefahr endloser Diskussionen vorgebeugt
werden. Darüber hinaus besitzt ein externer Moderator den Vorteil
der
politischen Unabhängigkeit. Die Beteiligung der Bürgerschaft
und der
weiteren Anspruchsgruppen wird häufig unter Einsatz geeigneter
Moderationstechniken in einer öffentlichen Veranstaltung
durchgeführt.
Angesichts der Uneinheitlichkeit des
strategischen Managements und
der Vielfalt der Kommunen haben sich in der kommunalen Praxis sehr
unterschiedliche Formen und Inhalte von Leitbildern gebildet.
Nachfolgend werden die Leitbilder der ostwestfälischen Städte
Oerlinghausen und Minden beschrieben und auszugsweise dargestellt.
Die Stadt Oerlinghausen (Kreis Lippe)
weist in ihrem Leitbild zunächst die damit verbunden Ziele aus.
Ihr drei DIN-A4 Seiten umfassendes
Leitbild unterteilt sie in sechs
Rubriken („Lebensqualität im Lipperland“, „Stadt mit Vergangenheit
und
Zukunft“, „Stadt mit Kultur“, „Stadt in Bewegung“, „der attraktive und
aktive Wirtschaftsstandort“, „ökologische Stadt“).
Die Rubrik „Lebensqualität im
Lipperland“ stellt sich auszugsweise wie folgt dar:
Leitbild der Stadt Oerlinghausen
(Auszug):
„Die
Bergstadt Oerlinghausen ist eine attraktive, historisch gewachsene
Stadt, eingebettet in die abwechslungsreichen Landschaften von
Teutoburger Wald und Senne. (…) Die Einwohner leben hier gern und
fühlen sich wohl. Die gastfreundliche Stadt kann aus allen Zentren
Ostwestfalen-Lippes sowohl mit individuellen als auch mit
öffentlichen
Verkehrsmitteln auf kurzem Weg erreicht werden. Dabei ist Oerlinghausen
auch eine weltoffene Stadt, in der partnerschaftliche und
freundschaftliche Kontakte zu anderen Städten, Institutionen und
Einrichtungen Europas gepflegt werden.“[109]
|
Die Stadt Minden (Kreis
Minden-Lübbecke) beschreibt in ihrem 16
Internetseiten umfassenden Leitbild mit dem Titel „Im Mittelpunkt steht
der Mensch“ zunächst die Lage und Geschichte der Stadt.
Anschließend
nennt sie die Ziele, die sie mit dem Leitbild verfolgt, sowie die
allgemeinen Trends in der Gesellschaft. Darauf aufbauend werden acht
Visionen genannt und beschrieben. Vier dieser Visionen werden
auszugsweise zitiert:

Neben den Kommunen selbst können
auch ihre kommunalen Unternehmen
über eigene strategische Zielplanungen verfügen. Beispielhaft
wird die
Vision der Stadtwerke Flensburg GmbH, die sich zu 100 Prozent im
Eigentum der Stadt Flensburg befinden, dargestellt:

Um seinen Zweck zu erfüllen, muss
das Leitbild im Unternehmen und
nach Außen kommuniziert werden, zur Grundlage von Entscheidungen
und
Handlungen werden und im täglichen Verhalten von den
Führungskräften
vorgelebt werden.[112]
4.2.1.2 Die Unternehmensziele
Die noch vagen
Unternehmensphilosophien und Leitbilder müssen
weitergehend konkretisiert werden, um sie operabel zu machen. Die
Unternehmensziele bilden die Grundlage für darunter befindliche
Geschäftsbereichs- und Funktionsbereichsziele.
Ziele sind „normative Vorstellungen
über einen zukünftigen Zustand
der Unternehmung, der durch Handlungen hergestellt werden soll.“[113]
Die strategischen Ziele erfüllen
im Managementprozess folgende Funktionen:
1. „Entscheidungsfunktion: Ziele
liefern Kriterien für die Bewertung von Alternativen.“
2. „Koordinationsfunktion: Ziele
sind geeignet, Teilaktivitäten zu
integrieren und auf eine Bezugsgröße, nämlich das Ziel,
auszurichten.“
3. „Motivationsfunktion: Ziele
stellen Vorgaben dar und sollen daher die Mitarbeiter motivieren, diese
Ziele zu erfüllen.“
4. „Informationsfunktion: Ziele
informieren sowohl die Mitarbeiter
als auch die Unternehmensumwelt über die künftigen
Aktivitäten.“
5. „Kontrollfunktion: Ziele
schaffen die Voraussetzung für einen Soll-Ist-Vergleich und damit
für die Kontrolle.“[114]
6. „Steuerungsfunktion: Ziele
ermöglichen die Steuerung bzw.
Lenkung von Verhaltensweisen durch Vorgabe von
Leistungsgrößen
(Sollvorgaben).“[115]
An die Definition von Zielen
müssen inhaltliche Anforderungen
gestellt werden, damit diese für die nachfolgenden Phasen des
strategischen Steuerungsprozesses anwendbar sind.
Die notwendigen Eigenschaften von
Zielen lassen sich anhand der bekannten SMART-Formel beschreiben.
Abbildung 11: Eigenschaften von Zielen

Quelle: Camphausen, Bernd (2003), S. 24
In der Praxis der Kommunalverwaltung
folgen die strategischen Ziele
diesen Vorgaben häufig nicht. So werden die Ziele oft nicht als
Zustände, sondern als Maßnahmen definiert.
Darüber hinaus fehlt oftmals der
zeitliche Rahmen. Diese Tatsache
lässt sich zum einen auf die großen Schwankungen der
Einnahmen und
Ausgaben der Kommunen zurückführen, die die Planung sehr
schwierig
macht. Zum anderen ist dies auch eine Folge des politischen
Wettbewerbs, in dem sich die Mehrheitsfraktionen nur ungern an dem
Erreichen von Zielen messen lassen.
Schließlich bereitet auch die
Messbarkeit Probleme, da die Ziele der
Kommunen oftmals nicht monetäre Größen, sondern
erzielte Wirkungen
sind. Auch für Kommunen gilt jedoch der Grundsatz „If you
can´t measure
it, you can´t manage it." [116], so dass die Wirkungsziele so
formuliert werden müssen, dass geeignete Kennzahlen gefunden
werden
können.
An der Entwicklung der strategischen
Ziele sollten die Bürger,
lokalen Interessengruppen und die Verwaltungsmitarbeiter in definierten
Bereichen beteiligt werden, zum Beispiel in Form von öffentlichen
Zielfindungsworkshops. Aufgrund der entstehenden Komplexität sowie
eines notwendigen Interessenausgleichs obliegt die endgültige
Formulierung der strategischen Ziele aber dem Rat.
Im Folgenden werden die strategischen
Ziele der Städte Cuxhaven und
der Städte des Modellprojekts „Kompass“ der Bertelsmann Stiftung
dargestellt.
Strategische Ziele der Stadt
Cuxhaven:
- „Cuxhavener Wir-Gefühl
bewusst machen: Institutionen, Verbände,
Politik und Stadtverwaltung stellen durch ihr Handeln das
Gemeininteresse vor das Einzelinteresse
- Das Zentrum als
Stadtmittelpunkt weiterentwickeln: Cuxhavens Zentrum lädt ein zum
Leben, Verweilen und Einkaufen
- Sicherung der Grundversorgung
in den Stadtteilen
- Bewahren der
Vielfältigkeit der Naturgebiete, der besonderen
Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie der offenen
Landschaften und
der damit verbundenen Grünflächen im Stadtgebiet
- Behutsame Entwicklung des
Siedlungs- und Stadtbildes“[117]
|
Im Modellprojekt „Kompass“ der
Bertelsmann Stiftung wurden die
strategischen Ziele zunächst in öffentlichen Zielworkshops
der
teilnehmenden Kommunen erarbeitet. Anschließend wurden die
vorläufigen
Ergebnisse der einzelnen Kommunen ausgewertet und zu einem
einheitlichen Zielkatalog aller Projektkommunen zusammengeführt.
Angesichts der unterschiedlichen Größenordnungen, Strukturen
und
Ausgangslagen der im Projekt teilnehmenden Kommunen und
Kommunalverbände[118] überrascht dieses Vorgehen. Hintergrund
dieses
gemeinsamen Zielkatalogs im Projekt ist, dass auf dieser gemeinsamen
Zielbasis Vergleiche zwischen den Kommunen durchgeführt wurden
(z.B.
Kennzahlenvergleiche zur Bürgerzufriedenheit, Finanzkraft).
„Die gemeinsamen strategischen
Ziele der Kompass-Projektkommunen:
1. Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Identifikation mit der
Stadt stärken
2. Wirtschaftsstandort ausbauen und Arbeitsplätze
fördern
3. Gesicherte soziale Lebensbedingungen gewährleisten und
attraktive kulturelle Lebensbedingungen ermöglichen
4. Bildung und lebenslange Lernprozesse gewährleisten
5. Gesunde Umwelt nachhaltig sichern.“[119]
|
4.2.2 Strategische Analyse
Die strategische Analyse teilt sich
auf in eine Umwelt- und eine
Unternehmensanalyse. „ Analyse“ ist in diesem Sinne nicht nur als
Erfassung der Gegenwart, sondern auch als Prognose der Entwicklungen in
der Zukunft zu verstehen.
Abbildung 12: Unterteilung der
strategischen Analyse

Quelle: Eigene Darstellung
Für eine größere
Zielgenauigkeit sowohl der strategischen Analyse
als auch der folgenden Phasen des Strategieprozesses ist es sinnvoll,
das Unternehmensumfeld und das Unternehmen strategisch zu segmentieren.
Dazu erfolgt eine Aufteilung in strategische Geschäftsfelder (SGF)
und
strategische Geschäftseinheiten (SGE).
Die Segmentierung der Umwelt erfolgt
durch Definition von
strategischen Geschäftsfeldern. Diese stellen spezifische Elemente
aus
der Umwelt des Unternehmens dar. Die strategischen Geschäftsfelder
müssen nicht mit den vorhandenen Produkten der Kommunen
übereinstimmen,
sondern können auch zukünftige Produkte, die sich z.B. aus
den
Bedürfnissen der Bürger oder Aufgabenübertragungen von
Bund und Ländern
ergeben, enthalten.
Die Abgrenzung der
Geschäftsfelder kann nach den Kriterien
- „Wachstums- und
Erfolgsaussichten,
- zukünftige Chancen und
Gefahren (Turbulenzen, Unsicherheiten) und
- Erfolgsfaktoren (Strategie,
organisatorische Fähigkeiten, Investitionen)“[120] erfolgen.
Im Inneren wird das Unternehmen in
verschiedene Aktivitäten, so
genannte „strategische Geschäftseinheiten“ unterteilt. Die
strategischen Geschäftseinheiten müssen im Unternehmen nicht
als
organisatorische Einheiten existieren.[121] Als strategische
Geschäftseinheit „wird in der Regel ein eigenständiges
Aktivitätsfeld
der Unternehmung interpretiert, das als Ganzes Gegenstand strategischer
Entscheidungen wie Aufbauen, Verkauf, Konsolidierung etc. ist.“[122]
Diese Definition muss für die Kommunen modifiziert werden, da
diese nur
im Bereich der freiwilligen Aufgaben einen derart umfassenden
Entscheidungsspielraum besitzen (z.B. Angebot eines Freizeitbades,
privatisierbare Produkte wie die Energieversorgung durch die
Stadtwerke). In Kommunen müssen daher auch Aufgaben als
strategische
Geschäftseinheiten gelten, auf die die Kommunen nur geringe
Einflussmöglichkeiten besitzen, d.h. insbesondere die
Pflichtaufgaben.
Für die Praxis bietet es sich an, die strategischen
Geschäftseinheiten
in Anlehnung an die tatsächlich bestehenden Produktbereiche,
Produktgruppen oder Produkte aus dem kommunalen Produktrahmen zu
bilden.[123]
4.2.2.1 Die Umweltanalyse
Das Ziel der Umweltanalyse ist es, die
Chancen und Risiken der
Umwelt zu identifizieren, damit sich das Unternehmen in idealer Weise
diesen anpassen oder die Umweltentwicklungen beeinflussen kann.
Aufgrund der beschrieben Abhängigkeit der Kommunen von externen
Einflüssen ist die Umweltanalyse für Kommunen von sehr
großer
Bedeutung. In der Umweltanalyse muss eine Auswahl der für das
Unternehmen bzw. für die strategischen Geschäftsfelder
relevanten
Einflussfaktoren der Umwelt erfolgen. Für Kommunen eignet sich
z.B.
eine Unterscheidung zwischen der lokalen, regionalen, nationalen,
europäischen und globalen Ebene.
Abbildung 13: Umweltebenen der Kommunen

Quelle: Eigene Darstellung
Anhand dieses Schemas kann die Kommune
die für sie relevanten Einflussfaktoren auf den jeweiligen Ebenen
identifizieren.
Nachfolgend werden für die
einzelnen Ebenen beispielhaft Faktoren
aufgeführt, die den Handlungsspielraum der Kommune sowohl direkt
als
auch indirekt beeinflussen.
Tabelle 4: Beispiele für Faktoren
der kommunalen Umwelt

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Camphausen, Bernd (2003), S. 37
Die Kommune muss die Entwicklung der
Einflussfaktoren in der
Gegenwart feststellen, eine Zukunftsprognose anstellen und bewerten, ob
es sich um eine Chance oder ein Risiko handelt.
In einigen Fällen ist es
nützlich, zur genaueren Einschätzung
zukünftiger Entwicklungen quantitative und qualitative
Prognoseverfahren einzusetzen. Zu den quantitativen Instrumenten
zählen
nach Welge / Al-Laham z.B. die Trendextrapolation einschl. Gap-Analyse,
die Regression und die Lebenszyklusanalyse.[124] Den qualitativen
Verfahren ordnen sie u. a. die Delphi-Methode, die Szenario-Technik
oder den Relevanzbaum zu.[125] Beispielhaft wird im Folgenden eine
Analyse mit der Szenario-Technik dargestellt.
Die Szenario-Technik dient der
Entwicklung von Szenarios. Batelle
versteht unter einem Szenario „sowohl die Beschreibung einer
möglichen
zukünftigen Situation als auch das Aufzeigen von
Entwicklungsverläufen,
die zu der Situation führen.“[126]
Abbildung 14: Folgen des
demografischen Wandels für die Kindergärten

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Ramboll Management GmbH (2005), S. 9
Aus diesem Szenario lassen sich
für die Phase der
Strategieentwicklung alternative Strategien wie z.B. präventives
Handeln (z.B. verbesserte Wohnungsangebote) oder reaktives Handeln
(z.B. Umnutzung der Kindergärten) ableiten.
Für die Aufgabenbereiche, in
denen die Kommunen im Wettbewerb stehen
(z.B. Energieversorgung; Wettbewerb um Konsumenten, Touristen,
Unternehmen), können auch die klassischen in der freien Wirtschaft
verwendeten Analyseinstrumente eingesetzt werden. Dazu gehören die
Analyse der Branche (z.B. mit dem Konzept der fünf
Wettbewerbskräfte
von Porter), die Analyse der brancheninternen Struktur (z.B. Einteilung
in strategische Gruppen), die Konkurrenzanalyse und die
Marktanalyse.[127]
Die ermittelten und bewerteten
Einflussfaktoren werden anschließend in einem
Chancen-/Risiken-Profil zusammengefasst.
Dieses wird in der folgenden Tabelle -
ergänzt um ein Beispiel für die Kurstadt Bad Salzuflen (Kreis
Lippe) - dargestellt:
Tabelle 5: Kommunales
Chancen-Risiken-Profil der Umweltanalyse

Quelle: Eigene Darstellung
4.2.2.2 Die Unternehmensanalyse
In der Unternehmensanalyse soll
untersucht werden, welche
gegenwärtigen und zukünftigen Stärken und Schwächen
das Unternehmen
aufweist. Dazu werden quantitative und qualitative Daten erhoben, die
zwecks einer Bewertung mit anderen Kommunen verglichen werden
müssen.
„Die strategische Unternehmensanalyse legt mithin eine sowohl interne
als auch externe Betrachtungsperspektive zugrunde.“[128] Die
Stärken
und Schwächen des Unternehmens werden abschließend in einem
Stärken-/Schwächen-Profil abgebildet.
Der mögliche Ablauf der
Unternehmensanalyse und die dazu
bereitstehenden Instrumente lassen sich anhand des folgenden
Schaubildes veranschaulichen:
Abbildung 15: Prozess der
strategischen Unternehmensanalyse

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003), S. 236
Für den ersten Schritt der
Unternehmensanalyse, die Ermittlung der
Stärken und Schwächen, unterscheiden Welge/Al-Laham drei
Ansätze:
„Klassische Ansätze untersuchen
die Potenziale in den
Funktionsbereichen oder das bestehende Produktprogramm im Hinblick auf
Stärken oder Schwächen.
Wertorientierte Ansätze
fokussieren bei der Betrachtung von Stärken
und Schwächen einer Unternehmung auf die Konfiguration ihrer
Wertkette
oder ihres Geschäftssystems.
Ressourcen- und kompetenzorientierte
Ansätze machen strategische
Stärken und Schwächen an der Ausprägung bestimmter
Ressourcen,
Fähigkeiten oder „Kernkompetenzen“ einer Unternehmung fest.“[129]
Alle drei Formen der
Unternehmensanalyse können je nach Struktur der
Kommune oder der zu untersuchenden strategischen Geschäftseinheit
eingesetzt werden.
In dieser Arbeit werden der klassische
Ansatz (Untersuchung der
Funktionsbereiche) und der wertorientierte Ansatz (Untersuchung der
Wertkette) beschrieben.
4.2.2.2.1 Ermittlung von
Stärken und Schwächen
4.2.2.2.1.1 Klassischer Ansatz
Vergleichbar mit den klassischen
Ansätzen (Analyse der
Funktionsbereiche bzw. des Produktprogramms) können in der
Kommunalverwaltung die nach dem Produktrahmen zu bildenden
Produktbereiche als Analysegrundlage herangezogen werden (s. Abbildung
4). Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass für diese Bereiche
aufgrund der
einheitlichen Verwendung ein interkommunaler Vergleich (Benchmarking)
möglich ist.
Zunächst sind für die
ausgewählten Produktbereiche strategisch
relevante Daten zu erheben. Als Leitfaden für die Untersuchung
können
in Anlehnung an Bea/Haas strategische Erfolgsfaktoren[130] untersucht
werden.
Tabelle 6: Beispiele für
Potenziale und ihre strategischen Erfolgsfaktoren

Quelle: Eigene Darstellung, in
Anlehnung an: Bea, Franz Xaver/Haas, Jürgen (2000), S. 111 f.
Oftmals treten „unterschiedliche
Sichtweisen auf über die objektive
Situation und die subjektive Meinung über die eigenen Leistungen
und
Fähigkeiten“.[131]
Die Bertelsmann Stiftung hat daher im
Projekt „Kompass“ zwischen
„objektiven Daten“, die von der Verwaltung gesammelt werden (z.B.
Einwohnerzahlen, Arbeitslosenquote, Investitionen) und „subjektiven
Daten“, die das persönliche Empfinden der Bürger und lokaler
Gruppen
widerspiegeln, unterschieden. Die subjektiven Daten wurden im
Modellprojekt durch eine Telefonumfrage des Instituts für
Demoskopie
Allensbach erhoben. „Da Führungskräfte dazu neigen,
unangenehme
Informationen zu unterdrücken und positive hervorzuheben“[132],
konnte
auf diese Weise ein realistisches Meinungsbild erfasst werden.
Dieses repräsentative
Meinungsbild der Bürger ist sinnvoll, aber
finanziell außerhalb eines Modellprojekts sehr aufwändig.
Für den
Strategieprozess sind diese repräsentativen Umfragen nicht
zwingend
erforderlich. Sofern für Produktbereiche die Meinung der
Bürger und
lokaler Gruppen zweckmäßig ist (z.B. zum Stadtmarketing,
Wirtschaftsförderung), können auch eigene - nicht
repräsentative –
Befragungen durchgeführt werden.
4.2.2.2.1.2 Wertkette
Die so genannte Wertkette wurde „von
der Beratungsgesellschaft
McKinsey und später insbesondere von Porter in die Diskussion des
strategischen Managements eingebracht“[133]. In dieser Arbeit wird der
Ansatz von Porter vorgestellt.
Ziel des Ansatzes von Porter ist es,
die Wettbewerbsvorteile, die
sich aus Kosten- und Differenzierungsvorteilen ergeben können,
sichtbar
zu machen. Dazu unterscheidet Porter zwischen primären
Aktivitäten, die
für die Herstellung und den Absatz des Produkts erfolgen, und
unterstützenden Aktivitäten, die zur Ausübung der
primären Aktivitäten
notwendig sind. Der Gesamtwert einer Wertkette ergibt sich aus den
Kosten der Aktivitäten und der Gewinnspanne, die der Kunde zu
tragen
bereit ist.
Im Bereich der Kommunen eignet sich
die Wertkette besonders für die
Untersuchung der Stärken und Schwächen der Stadtwerke, da
diese in der
Regel eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen und auch über die von
Porter genannten primären Aktivitäten verfügen.
Die folgende Abbildung zeigt eine
vereinfachte Wertkette für ein kommunales Stadtwerk (Produkt:
Strom):
Abbildung 16: Grundstruktur der
Wertkette eines Stadtwerkes

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Porter, Michael E.
(2003), S. 62, zitiert bei: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003),
S. 245
Nach der Definition der Wertkette
können Analysen durchgeführt werden, um
Optimierungspotenziale aufzudecken:
- Analyse der Verbindungen:
- Zwischen welchen Aktivitäten
innerhalb der Wertkette bestehen Verbindungen (so genannte
Verknüpfungen)?
- In welchen Aktivitäten der
Wertkette bestehen Verbindungen zu
Wertketten anderer Geschäftsbereiche oder zu strategischen
Geschäftseinheiten der Unternehmung (so genannte Verflechtungen)?
- In welchen Aktivitäten ist die
Wertkette des Unternehmens mit Wertketten anderer Unternehmen
verbunden?
- Analyse von Kostenschwerpunkten:
Welche Kosten fallen in den einzelnen Aktivitäten an?
- Analyse von
Differenzierungsschwerpunkten: In welchen Aktivitäten liegen
Quellen von Differenzierungsvorteilen?
Die aufgeführten Fragen bilden
nur einen groben Anhalt der vorhandenen Analysemöglichkeiten.
4.2.2.2.1.3 Vergleich und
Bewertung der Stärken und Schwächen:
Die mit der Produktbereichsanalyse
oder mit der Wertkette
ermittelten strategischen Daten des Unternehmens können nur in
Relation
zu anderen Unternehmen als Stärke oder Schwäche bewertet
werden. Zu
diesem Zweck kann ein direkter Vergleich (Benchmarking) mit anderen
Kommunen (z.B. mit anderen Stadtwerken), ein
branchenübergreifendes
Benchmarking oder ein Vergleich mit den Anforderungen der Kunden
(kundenorientierter Vergleich) durchgeführt werden.
Aufgrund der spezifischen
Aufgabenstellung der Kommunen bietet sich
ein Vergleich zwischen den Kommunen bzw. kommunalen Unternehmen an. In
der Kommunalverwaltung gibt es bereits mehrere laufende
Kennzahlenvergleiche, z.B. das „KIK-Net“ der Bertelsmann Stiftung, das
„IKO-Netz“ der Kommunalen Gemeinschaftsstelle oder das Benchmarking des
Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU).
In nicht wettbewerbsrelevanten
Aufgabenbereichen (z.B. Gewährung von
Sozialhilfe, interne Leistungen) dient der Vergleich als
künstlicher
Wettbewerb.
Im Projekt „Kompass“ der Bertelsmann
Stiftung wurden die Kommunen
ebenfalls untereinander verglichen, wie das folgende Beispiel zeigt:
Abbildung 17: Vergleich der
Kaufkraftkennziffern[134]

Quelle: Bertelsmann Stiftung (2002),
S. 21
Das Benchmarking endet nicht mit dem
Vergleich der Daten. Um vom
Besseren lernen zu können, müssen die dahinter stehenden
Erfolgsfaktoren ergründet werden.
Nach dem Vergleich mit Wettbewerbern
können die ermittelten Stärken
und Schwächen in einer so genannten SWOT-Matrix[135]
zusammengetragen
werden.
Diese Matrix wird am Beispiel eines
Stadtwerks vorgestellt.[136]
Abbildung 18: SWOT-Matrix eines
kommunalen Stadtwerks

Quelle: Kellner, Marion (2003), S. 23
4.2.2.2.1.4 Erstellung eines
Stärken-Schwächens-Profils
Auf der Grundlage der vorliegenden
Vergleiche können Daten bewertet
(z.B. in einer Skala von 1 bis 10) und zur anschaulicheren Darstellung
in ein Stärken-Schwächen-Profil eingesetzt werden.
Abbildung 19: Beispiel für ein
kommunales Stärken-Schwächen-Profil

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Bea, Franz Xaver/Haas, Jürgen (2000), S. 113
4.2.3 Die Strategieentwicklung
In der Phase der Strategieentwicklung
werden aus den strategischen
Zielen und den Ergebnissen der strategischen Analyse Strategien
abgeleitet. Dabei ist auf das so genannte „strategische Fit“, d. h. die
Stimmigkeit der Strategien mit der Umwelt, die Stimmigkeit der
Strategien mit dem Unternehmen und die Stimmigkeit der einzelnen
Strategien untereinander, zu achten. Unter mehreren
Strategiealternativen sind die Strategien auszuwählen, die unter
Berücksichtigung ihrer Eintrittswahrscheinlichkeiten den
höchsten
Zielerreichungsgrad erwarten lassen.
4.2.3.1 Allgemeine Prinzipien
der Strategieformulierung
Bei der Strategieformulierung erweist
es sich als hilfreich, sich
von allgemein anerkannten, „zentralen Prinzipien“[137] der
Strategieformulierung leiten zu lassen.
Diese lauten
- „Aufbau von Stärken, Vermeiden
von Schwächen,
- Konzentration der Kräfte,
- Optimierung der Ressourcenbasis und
- Ausnutzung bzw. Aufbau von
Synergiepotenzialen“[138]
4.2.3.1.1 Aufbau von
Stärken, Vermeiden von Schwächen
Dieses Prinzip zielt darauf ab,
Stärken und Chancen zu nutzen sowie Schwächen und Risiken zu
vermeiden.
Zu diesem Zweck können die in der
strategischen Analyse ermittelten
Daten unmittelbar verwendet werden, wie folgende Grafik zeigt:
Abbildung 20: Strategieformulierung am
Beispiel der TOWS-Matrix

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Hunger, J.D./Wheelen, Th.L. (2000),
S. 112, zitiert bei: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003), S. 318
In der so genannten TOWS-Matrix[139]
entstehen vier Strategie-Typen:
1.
Chancen-/Stärken-Strategien („Ideales Unternehmen“[140]):
Chancen der Umwelt treffen auf Stärken des Unternehmens. Dieser
Strategietyp „umschreibt den Idealfall der
Strategieformulierung“[141].
Beispiel: Einer Kommune bietet sich
die Gelegenheit, eine
Investition im ÖPNV zu tätigen (z.B. neue Wartehalle), die zu
einem
Großteil durch Landeszuschüsse finanziert wird. Da die
Kommune über
ausreichende Mittel verfügt, kann sie den notwendigen Eigenanteil
aufbringen und die Gelegenheit nutzen.
2.
Chancen-/Schwächen-Strategien („Bedrängtes
Unternehmen“[142]):
In der Umwelt ergeben sich Chancen, die jedoch aufgrund interner
Schwächen nicht unmittelbar genutzt werden können. Es gilt,
diese
Schwächen mit geeigneten Strategien abzubauen, um die Chancen
anschließend nutzen zu können.
Beispiel: Wie im Fall zuvor bietet
sich die Gelegenheit einer
günstigen Investition in den ÖPNV. Eine finanziell schwach
aufgestellte
Kommune kann die Gelegenheit nicht wahrnehmen, da sie den notwendigen
Eigenanteil nicht zahlen kann.
3.
Risiken-/Stärken-Strategien („Gefährdetes Unternehmen“[143]):
Risiken aus der Unternehmensumwelt fallen mit internen Stärken
zusammen. Die Stärken können eingesetzt werden, um die
Umweltgefahren
zu minimieren.
Beispiel: Es entsteht die Gefahr, dass
die Kommunen keine günstigen
Kommunalkredite bei den Sparkassen mehr in Anspruch nehmen können,
sondern sich wie ein Wirtschaftsunternehmen einem Rating stellen
müssen. Eine Kommune, die bereits über die erforderlichen
Strukturen
für ein positives Rating verfügt (z.B. entsprechende
Finanzkennzahlen,
Finanzplan, strategische Steuerung), wird weiterhin günstige
Kredite
erhalten können.
4.
Risiken-/Schwächen-Strategien (Bedrohtes Unternehmen): Diese
Konstellation bildet den ungünstigsten Ausgangsfall für das
Unternehmen. Das Unternehmen muss Maßnahmen gegenüber
Risiken
ergreifen, obwohl es sich in diesem Bereich bereits in einer schwachen
Position befindet.
Beispiel: Bei gleichem Risiko wie im
Fall 3 wird eine Kommune, die
nicht über die erforderlichen Strukturen für ein positives
Rating
verfügt (z.B. negative Finanzkennzahlen, keine strategische
Steuerung),
ein schlechtes Ranking erhalten und ihre Kredite zukünftig nur zu
schlechteren Konditionen beziehen können.
Diese TWOS-Matrix kann auch für
eine strategische Geschäftseinheit wie ein Stadtwerk erstellt
werden:
Abbildung 21: TWOS-Matrix eines
kommunalen Stadtwerks

Quelle: Kellner, Marion (2003), S. 25
4.2.3.1.2 Konzentration der
Kräfte
Nach diesem Prinzip muss das
Unternehmen seine Kräfte in Bereichen mit den größten
Erfolgspotenzialen konzentrieren.
Unter Zugrundelegung der Wertkette von
Porter bedeutet dies, dass
das Unternehmen die „Anstrengungen auf diejenigen
Wertschöpfungsaktivitäten konzentriert, die Differenzierungs-
oder
Kostenvorteile gegenüber dem Wettbewerb bieten.“[144]
Für das in Abbildung 16
dargestellte Stadtwerk kann es
beispielsweise zweckmäßig sein, die Ressourcen in den
Aktivitäten
Stromerzeugung (Beispiel „Ökostrom“) oder Marketing & Vertrieb
(z.B. lokales Sport-Sponsoring) zu konzentrieren, wenn es sich dadurch
wichtige Differenzierungsvorteile gegenüber überregionalen
Anbietern
sichern kann.
4.2.3.1.3 Optimierung der
Ressourcenbasis
Die Verbesserung der finanziellen,
personellen und sachlichen
Ressourcenbasis dient der Erweiterung zukünftiger strategischer
Gestaltungsmöglichkeiten. Dieser Grundsatz ist daher mit einer
Investition in die Zukunft gleichzusetzen.
Gerade für das strategische
Management in der Kommunalverwaltung
ist, wie im Kapitel 3 beschrieben, eine ausreichende finanzielle Basis
bedeutsam, da die Einnahmen und Ausgaben großen Schwankungen
unterliegen. Der politische Wettbewerb in den Kommunen führt
jedoch
vielfach dazu, dass von diesem strategischen Grundsatz zu selten
Gebrauch gemacht wird.
4.2.3.1.4 Aufbau und Ausnutzung
von Synergiepotenzialen
Synergien treten auf, wenn durch
„Zusammenfassung von
Einzelaktivitäten eine Gesamtwirkung erzielt wird, die
größer ist als
die Summe der Einzelwirkungen (2+2=5 Effekt).“[145] Synergien
können
sich in Form von höherer Effektivität unternehmerischer
Aktivitäten
(z.B. durch Spezialisierung) oder durch Kostensparungen auswirken.
In der Kommunalverwaltung können
Synergieeffekte z.B. durch
Zusammenfassung von Ämtern, Kooperationen mit anderen Kommunen
oder
privaten Unternehmen oder durch Bündelung ausgegliederter Betriebe
erreicht werden.
Zu beachten ist, dass die
Zusammenfassung bisher getrennter Bereiche
nicht zwangsläufig zu positiven Synergieeffekten führt,
sondern sich
auch negativ auswirken kann (negative Synergie).[146]
4.2.3.2 Inhaltliche Ebenen der
Strategien
Die Formulierung von Strategien kann
auf einer Vielzahl von Ebenen erfolgen. Kreikebaum unterscheidet
zwischen sechs Ebenen:
Tabelle 7: Strategietypologie

Quelle: Kreikebaum, H. (1997), S. 58,
zitiert bei: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003), S. 326
Alle genannten Ebenen können auch
in Kommunen oder ihren kommunalen
Unternehmen Anwendung finden. Zu ergänzen ist diese Aufstellung
für die
Kommunen um die Strategien auf den Ebenen der Produktbereiche, -gruppen
und Produkte, die sehr oft als Anknüpfungspunkte für
kommunale
Strategien dienen.
Diese Ebenen lassen sich hierarchisch
ordnen und in einer Pyramide abbilden:
Abbildung 22: Gegenstände
kommunaler Strategien

Quelle: Eigene Darstellung
Besonders in den Stadtwerken eignen
sich neben den Produktebenen die
betrieblichen Funktionen wie Beschaffung, Produktion, Entwicklung oder
Marketing bzw. die mit Hilfe der Wertkette analysierten
Aktivitäten als
Anknüpfungspunkte für Strategien.
Der Rat entscheidet, auf welcher
Produktebene er Strategien
definieren will. Je detaillierter die Strategien vorgegeben werden,
desto geringere Handlungsspielräume bleiben dem Bürgermeister
bzw. den
Leitern der ausgegliederten Bereiche bei der Umsetzung der Strategien.
Die Unternehmensgesamtstrategien und
die Strategien auf den Ebenen
der Produktbereiche, Produktgruppen und Produkte werden im Folgenden
detaillierter behandelt.
4.2.3.2.1
Unternehmensgesamtstrategien
Die kommunalen Gesamtstrategien
betreffen die Entwicklung der
Kommune als Ganzes, so dass von diesen in der Regel alle
Produktbereiche betroffen sind. Darunter fallen zum Beispiel generelle
Wachstums- oder Konsolidierungsstrategien. Als Beispiel lässt sich
die
Strategie der Stadt Hannover im „Strategiepapier Hannover 2015“
anführen, die Attraktivität der Stadt Hannover insbesondere
für junge
Menschen zu steigern[147], um die Bevölkerungsentwicklung der
Stadt
Hannover positiv zu beeinflussen. Die Gesamtstrategien bedürfen
aufgrund ihres abstrakten Charakters noch einer Konkretisierung in den
einzelnen strategischen Geschäftseinheiten und Produktbereichen.
In der freien Wirtschaft kommt in
dieser Phase der
Strategieentwicklung für das gesamte Unternehmen besonders die
Portfolio-Technik zur Anwendung, für die in der Literatur und von
Beratungsunternehmen zahlreiche verschiedene Konzepte entwickelt
wurden. Häufig wird die Portfolio-Technik von diversifizierten
Unternehmen dazu verwendet, das Portfolio von strategischen
Geschäftsfeldern, strategischen Geschäftseinheiten, Produkten
oder
Kompetenzen so zu gestalten, dass dieses in optimaler Weise dem
Erreichen der strategischen Ziele dient. In der Kommunalverwaltung hat
sich diese Form der Portfolio-Technik aufgrund der speziellen Aufgaben-
und Zielstruktur (Pflichtaufgaben und freiwillige Aufgaben,
Heterogenität der Aufgaben) auf gesamtkommunaler Ebene nicht
durchgesetzt. In sehr großen Kommunen wird die Portfolio-Technik
teilweise im Rahmen des strategischen Beteiligungsmanagements
angewendet.
Die Portfolio-Technik kann aber auch
generell für die Analyse von
zwei unabhängigen Kriterien eingesetzt werden. Nachfolgend wird
die
Portfolio-Technik auf der Ebene der Produktbereiche, Produktgruppen und
Produkte erörtert.
4.2.3.2.2 Produktbereichs-,
Produktgruppen- und Produktstrategien
Aufgrund der Heterogenität der
kommunalen Aufgaben werden Strategien
in der Praxis sehr oft auf der Ebene der Produktbereiche, -gruppen und
Produkte definiert. Diese müssen von den Kommunen nach dem
bundeseinheitlichen Produktrahmen in der Kernverwaltung verwendet
werden und dienen in der Regel als Grundlage für die
Haushaltsplanungen, das Controlling, das Benchmarking und für die
Aufbauorganisation.
So kann die Formulierung von
Strategien im Produktbereich Wirtschaft
und Tourismus (s. Tabelle 3) auf der Ebene des Produktbereichs, der
vier Produktgruppen oder der 12 Produkte erfolgen.
Als Beispiel aus der Praxis wird die
Strategie der Stadt Hameln für den Produktbereich
Wirtschaftsförderung angeführt:
Strategien der Stadt Hameln:
„Wichtigstes Instrument für die Wirtschaftsförderung ist die
Bestandspflege der in Hameln ansässigen Unternehmen. Dabei ist
es erforderlich, Vertrauen aufzubauen und den Betrieben die schnelle
Umsetzung von Investitionsvorhaben zu ermöglichen. (…)
Es
ist (…) unabdingbar, städtische Gewerbeflächen zu
interessanten
Konditionen anzubieten und eine umfassende Förderberatung sowie
eine
intensive Betreuung der Firmen zu jeder Zeit sicherzustellen.
Neben
der geographischen Lage Hamelns im landschaftlich reizvollen
Weserbergland und der weltweit bekannten Sagenfigur des
Rattenfängers
gibt es in Hameln weitere positive Standortfaktoren: der
Gewerbesteuerhebesatz liegt seit 1980 konstant bei 345 % und die
Energiepreise für Strom, Gas und Wasser sind sehr günstig.“
[148]
|
In den ausgegliederten Bereichen wie
den Stadtwerken hat der
IMK-Produktrahmen zwar keine Gültigkeit, aber auch hier stellen
die
Produkte geeignete Anknüpfungspunkte dar.
Beispielhaft für die Strategien
einer ausgegliederten strategischen
Geschäftseinheit werden die Strategien der Stadtwerke Flensburg
dargestellt:
Strategien der Stadtwerke
Flensburg GmbH
- „Die (…) überragende
Marktposition auf dem Heimatmarkt (…). wird in
Zukunft gehalten. Sie dient als Grundlage für eine nachhaltige
Wachstumsstrategie auch in europäischen Märkten, um die Ziele
des
Gesellschafters zu erreichen.
- Auf dem heimischen Markt
für Wärme, Wasser und Strom halten wir
unsere Marktanteile und nutzen diese für den Absatz neuer Produkte
und
Dienstleistungen. Dabei verbessern wir kontinuierlich unsere
Effektivität und die Margen.
- Auf dem europäischen
Markt werden wir die Geschäfte ausbauen, die steigende Rendite
versprechen. (…)
- Zur Zukunftssicherung
investieren wir in den weiteren Aufbau von
Technologie- und Markt-Know-How bei alternativen Energien und neuen
Produkten, um diese bei wirtschaftlicher Eignung auszubauen.“[149]
|
Für die Strategieentwicklung auf
den Produktebenen können
vielfältige Instrumente eingesetzt werden. Dazu zählen neben
der
bereits in Kapitel 4.2.3.1.1 aufgeführten TWOS-Matrix die
Szenario-Technik, die Portfolio-Technik, die Wertkette oder die
Nutzwertanalyse. Die Szenario- und die Portfolio-Technik werden anhand
von Beispielen näher behandelt.
4.2.3.2.2.1 Szenario-Technik
Die Szenario-Technik wurde bereits in
Kapitel 4.2.2.1 als Instrument
der strategischen Analyse vorgestellt. Es wird auf das im vorgenannten
Kapitel in Abbildung 14 aufgeführte Beispiel zurückgegriffen,
um daraus
mögliche Strategien abzuleiten. Aus dem zu erwartenden
Rückgang der
Anzahl der Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren lassen sich
grundsätzlich vier Strategien ableiten: die Beibehaltung des
Status
Quo, ein reaktives Handeln, ein präventives Handeln und ein
Strategie-Mix aus reaktivem und präventivem Handeln.[150] Die
Folgen
der Beibehaltung des Status Quo werden bereits im Ursprungs-Szenario
dargestellt (Abbildung 14).
Die reaktiven und präventiven
Strategien stellen sich in Szenarien wie folgt dar:
Abbildung 23: Strategieentwicklung mit
der Szenario-Technik: Reaktive Strategie

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Ramboll Management GmbH (2005), S. 13
Abbildung 24: Strategieentwicklung mit
der Szenario-Technik: Präventive Strategie

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Ramboll Management GmbH (2005), S. 12
Die jeweiligen Strategie-Szenarien
müssen in Form von zu treffenden
Maßnahmen konkretisiert werden (Beispiel für
präventives Handeln:
Ausweisung von Wohngebieten, Ansiedlung von Firmen, etc.).
4.2.3.2.2.2 Portfolio-Technik
Wie bereits erwähnt wurde,
bestehen für die Portfolio-Technik
zahlreiche Varianten, so dass nur ein Beispiel für diese
unterschiedlichen Formen aufgeführt wird. In der nachfolgend
beschriebenen Form baut die Portfolio-Technik auf den in der
SWOT-Analyse ermittelten Stärken und Schwächen sowie Chancen
und
Risiken des Unternehmens auf. Aus den vielfältigen Faktoren, die
sich
in der SWOT-Analyse ergeben haben, werden zwei oder drei
Schlüsselkriterien ausgewählt, die den größten
Einfluss auf den Erfolg
ausüben. Diese Schlüsselkriterien werden anschließend
in einem
Portfolio dargestellt, um daraus Strategien ableiten zu können.
Das nachfolgende Beispiel bildet die
Standortfaktoren einer Kommune
anhand von drei Faktoren ab (Bedeutung für die Wirtschaft,
relatives
Leistungsniveau, Umfang der Einflussmöglichkeiten).
Abbildung 25: Portfolio-Technik in der
Wirtschaftsförderung

Quelle: Eigene Darstellung
Die Pfeile symbolisieren das
angestrebte Soll-Portfolio der Kommune,
das wie in der Szenario-Technik noch einer Konkretisierung durch
Strategien bedarf (z.B. Senkung der Energiepreise, regionale
Imagekampagne).
4.2.4 Strategieimplementierung
am Beispiel der Stadt Vlotho
4.2.4.1 Grundlagen
4.2.4.1.1 Struktur der Stadt
Vlotho
In der Stadt Vlotho im Kreis Herford
leben rund 20.300 Einwohner auf einer Fläche von 77 km2.
Wesentliche Kennzeichen Vlothos sind die landschaftlich reizvolle Lage
an der Weser, die Eigenschaft als Luftkurort mit dem Angebot von
Campingplätzen, Badeseen und Kurkliniken, die Präsenz von
vier
Bildungsstätten und einem voll gegliederten Schulsystem sowie eine
ausgezeichnete Verkehrsanbindung an die Autobahnen A 2 und A 30. Als
Wirtschaftsstandort verfügt Vlotho über eine
mittelständische
Unternehmensstruktur mit Schwerpunkten in den Bereichen des
Maschinenbaus, der Holzverarbeitung und der Kunststoffverarbeitung. In
der näheren Umgebung Vlothos befinden sich die größeren
Städte Herford,
Bad Oeynhausen, Löhne, Porta Westfalica, Minden, Bad Salzuflen und
Lemgo.
Die Aufgaben und Leistungen der Stadt
werden im Wesentlichen in den
Organisationsformen der Stadtverwaltung (als Körperschaft des
öffentlichen Rechts), der Vlothoer Wirtschaftsbetriebe (VWB,
rechtlich
unselbständige eigenbetriebsähnliche Einrichtung) und der
Stadtwerke
Vlotho GmbH erbracht.[151] Darüber hinaus befindet sich derzeit
eine
Vlotho Marketing GmbH in der Gründung.
Die Aufgabenverteilung auf die
zukünftig vier Organisationsformen wird im folgendem Schaubild
verdeutlicht.
Abbildung 26: Rechts- und
Organisationsformen der Stadt Vlotho

Quelle: Eigene Darstellung
Die Kernverwaltung, die VWB und die
Stadtwerke Vlotho sind zwar in
den Organisationsformen getrennt, es bestehen aber dennoch
vielfältige
Verflechtungen:
- Die Kernverwaltung nimmt Aufgaben
für die VWB und/oder die
Stadtwerke wahr (z.B. Personalverwaltung, EDV, Bürgerbüro,
Verwaltung
des Girokontos). Der Bürgermeister und zwei Ratsherren
gehören der fünf
Mitglieder umfassenden Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Vlotho
GmbH an. Der Bürgermeister ist Dienstvorgesetzter der
Beschäftigten der
VWB.
- Die VWB erbringen mit dem Bauhof
Dienstleistungen für die
Kernverwaltung und erfüllen mit ihrem Personal auch die Aufgaben
der
Stadtwerke. Der Werkleiter der VWB ist zugleich
Geschäftsführer der
Stadtwerke Vlotho.
- Die Stadtwerke beliefern die
Kernverwaltung mit Gas, Wärme und
Wasser und führen im Auftrag der Kernverwaltung die Aufgaben
Stadtbus
und Schulbus aus.
Die Stadtwerke wurden im Oktober 2004
mit Wirkung zum 01.01.04 von
einem Eigenbetrieb in eine GmbH umgewandelt, um den Einstieg der RWE AG
als strategischer Partner zum 01.01.05 zu ermöglichen. Die RWE AG
hat
u. a. das Gasnetz des Ortsteiles Vlotho-Exter in die GmbH eingebracht.
Trotz verlustbringender Sparten konnten die Stadtwerke, für die
rund 12
Mitarbeiter der Vlothoer Wirtschaftsbetriebe tätig sind, in den
vergangenen Jahren die Konzessionsabgaben für Gas und Wasser an
die
Stadt Vlotho und zusätzlich noch einen Jahresgewinn
erwirtschaften.
4.2.4.1.2 Ausgangslage im
strategischen Management
4.2.4.1.2.1 Bisher eingesetzte
strategische Steuerungsinstrumente
Neben dem durch das Projekt „Kompass“
angestoßenen Strategieprozess
werden weitere Instrumente der strategischen Steuerung eingesetzt.
Diese werden im Folgenden getrennt nach Kernverwaltung und Stadtwerken
erläutert.[152]
4.2.4.1.2.1.1
Kernverwaltung
Die wichtigsten strategischen
Instrumente der Kernverwaltung sind
der Haushaltsplan, das Controlling, strategische Einzelentscheidungen
sowie der Jahresabschluss.
Haushaltsplan: In der Kernverwaltung
bildet der jährlich vom Rat der
Stadt Vlotho zu beschließende Haushaltsplan das wichtigste
operative
und strategische Steuerungsinstrument. Mit diesem Plan lenkt der Rat
die Leistungen der Verwaltung, da er in diesem Ziele vorgibt und Mittel
bereitstellt. Die Mittel für Geschäftsausgaben werden
für ein
Haushaltsjahr genehmigt und überwiegend zu Budgets
zusammengefasst. Im
Bereich der Investitionen werden die Mittel an konkrete Maßnahmen
gebunden. Für Investitionsmaßnahmen, die sich über
mehrere Jahre
erstrecken, wird auch über die Bereitstellung von Mitteln in den
Folgejahren entschieden. Darüber hinaus eröffnet der
Haushaltsplan auch
eine Übersicht über die gesamte finanzielle Lage der Stadt
Vlotho, da
er die Finanzströme von und an die VWB und von und an die
Stadtwerke
einbezieht und in einem Beteiligungsbericht nähere Angaben zu
deren
Lage ausweist. Zusätzlich zum Planjahr erfolgt im Haushaltsplan
eine
Finanz- und Ergebnisplanung der auf das Haushaltsjahr folgenden drei
Jahre. Aufgrund seiner Bedeutung steht der Haushaltsplan auch im
Zentrum der öffentlichen politischen Auseinandersetzung.
- Einzelentscheidungen des Rates:
Während des Haushaltsjahres trifft
der Rat strategische Einzelentscheidungen in Form von
Ratsbeschlüssen.
Im Rahmen seiner Befugnisse (z.B. Organisationsrecht) entscheidet auch
der Bürgermeister über strategische Belange.
- Controlling: Der Haushaltsplan
bildet ferner die Grundlage für das unterjährige
Finanzcontrolling der Verwaltung.
- Jahresabschluss: Nach Vollzug des
Haushaltsjahres wird ein
Jahresabschluss mit einer Bilanz und einer Ergebnisrechnung erstellt.
4.2.4.1.2.1.2 Stadtwerke
Trotz der abweichenden Organisations-
bzw. Rechtsformen ähneln die
strategischen Instrumente der VWB und der Stadtwerke denen der
Kernverwaltung, was sich insbesondere aus gesetzlichen und
vertraglichen Regelungen ergibt. Im Folgenden werden die Instrumente
der Stadtwerke beschrieben.
- Wirtschaftsplan: Die Stadtwerke
erarbeiten als Pendant zum
Haushaltsplan der Kernverwaltung jährlich einen Wirtschaftsplan,
der
von der Gesellschafterversammlung vor Beginn des Geschäftsjahres
beschlossen wird. Der Wirtschaftsplan enthält einen Ergebnisplan,
einen
Vermögensplan und einen Finanzplan. Letzterer schließt das
geplante
Wirtschaftsjahr und vier Folgejahre ein. Der Wirtschaftsplan bildet die
Grundlage für die Geschäfts- und Investitionstätigkeiten
im
Wirtschaftsjahr. Eine Budgetierung der Mittel erfolgt nur im Bereich
der Investitionsmaßnahmen. Während der Haushaltsplan der
Kernverwaltung
veröffentlicht wird, ist der Wirtschaftsplan der Stadtwerke
nicht-öffentlich.
- Einzelentscheidungen der
Gesellschafterversammlung: Während des
Wirtschaftsjahres trifft die Gesellschafterversammlung strategische
Einzelentscheidungen. Im Rahmen seiner Befugnisse (z.B.
Organisationsrecht) entscheidet auch der Geschäftsführer
über
strategische Belange.
- Controlling: Basierend auf dem
Wirtschaftsplan erfolgt im
Wirtschaftsjahr ein Controlling, in dessen Zentrum die Entwicklung der
Finanz- und Ergebnislage steht.
- Jahresabschluss: Nach Abschluss des
Wirtschaftsjahres wird ein
Jahresabschluss und Lagebericht nach den Vorschriften des HGB
aufgestellt.
Darüber hinaus verfügen die
Stadtwerke Vlotho über ein
Risikomanagement. Die festgestellten Risiken und die zu deren
Reduzierung gewählten Strategien werden in einem
Risikomanagementhandbuch festgehalten, das jährlich angepasst
wird.
Dieses Handbuch wird derzeit aufgrund der anstehenden, weit reichenden
Veränderungen des Energiewirtschaftsrechts überarbeitet und
daher hier
nicht dargestellt.
4.2.4.1.2.2 Klassischer
Strategieprozess im Projekt „Kompass“
Durch den im Jahr 2002 erfolgten
Eintritt in das bereits laufende
Projekt „Kompass“ der Bertelsmann Stiftung wurde das strategische
Management erstmals im Sinne des klassischen Strategieprozesses
angewandt. Innerhalb des Strategieprozesses wurden von der Stadt Vlotho
die nachfolgend beschriebenen Schritte durchgeführt.
1. Strategische Zielplanung
Zunächst wurde vom Rat im Juni
2002 in einem Strategieworkshop ein Leitbild für die Stadt Vlotho
entwickelt:
Das Leitbild der Stadt Vlotho:
„Vlotho,
Stadt der Bildung, Kultur, Tourismus, Gesundheit, mit florierender
Wirtschaft und belebtem Zentrum und einer sinnvollen Verkehrsstruktur
in einer landschaftlich reizvollen Wohnlage“
|
Als strategische Ziele wurden die von
den anderen Projektkommunen einheitlich vereinbarten Ziele
übernommen:
Strategische Ziele der Stadt
Vlotho:
- Gesellschaftlichen
Zusammenhalt und Identifikation mit der Stadt stärken
- Wirtschaftsstandort ausbauen
und Arbeitsplätze fördern
- Gesicherte soziale
Lebensbedingungen gewährleisten und attraktive kulturelle
Lebensbedingungen ermöglichen
- Bildung und lebenslange
Lernprozesse gewährleisten
- Gesunde Umwelt nachhaltig
sichern
|
2. Strategische Analyse
Ebenfalls im Juni 2002 wurde eine
strategische Analyse durchgeführt.
Diese bestand zum einen aus einer Telefonumfrage des Instituts für
Demoskopie Allensbach unter Vlothoer Bürgern und
Interessengruppen, in
der z. B. die Zufriedenheit mit der Stadtverwaltung und mit der
Lebensqualität Vlothos abgefragt wurden. Zum anderen wurden
objektive
Daten wie Finanzkennziffern, statistische Kennziffern oder
Wirkungskennziffern erfasst. Diese subjektiven und objektiven Daten
wurden mit den anderen Projektkommunen verglichen. Die Daten wurden in
Anlehnung an die SWOT-Analyse hinsichtlich der aus ihnen ableitbaren
Chancen und Risiken bzw. Stärken und Schwächen ausgewertet.
Als Ergebnis der Analyse lässt
sich grob zusammenfasst darlegen,
dass die Stadt Vlotho strukturelle Merkmale besitzt (z.B. Landschaft,
Verkehrsanbindung, Wirtschaftsstruktur, Schulen), die ihr im Wettbewerb
der Kommunen eine gute Ausgangslage verschaffen. Die Bürger haben
angegeben, gerne in Vlotho zu leben, sahen jedoch auch Handlungsbedarf
z. B. im Bereich der Einkaufssituation und dem Straßenzustand.
Strategische Chancen für die
Stadt Vlotho wurden insbesondere in der
Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen, der Ausweisung von attraktiven
Wohngebieten oder einer Ausweitung des Tourismus identifiziert.
Demgegenüber wurden im demografischen Wandel und in der Konkurrenz
zu
den Nachbarkommunen (im Hinblick auf Konsumenten, Kurgäste,
Einwohner,
Wirtschaftsunternehmen, etc.) strategische Risiken gesehen.
3. Strategieentwicklung
Als nächster Schritt im
Strategieprozess wurden vom Rat der Stadt
Vlotho in einem Strategie-Workshop im September 2002 die folgenden
Handlungsschwerpunkte als Vorstufe für die Entwicklung von
Strategien
formuliert:
Strategische Handlungsfelder der
Stadt Vlotho:
- Verbesserung der
Verkehrssituation
- Verbesserung der
Einkaufssituation
- Förderung von Familien,
Kindern und Jugendlichen (einschließlich Schulstandorte)
- Gestaltung des demografischen
Wandels
- Verbesserung der
Kommunikation mit dem Bürger
|
4. Weitere Phasen des
Strategieprozesses
Die weitere systematische Umsetzung
des Strategieprozesses, d.h. die
Konkretisierung, Implementierung und Kontrolle der Strategien, wurde
zunächst aufgrund der in der Kernverwaltung laufenden Umstellung
des
Rechnungswesens von der Kameralistik auf die Doppik
zurückgestellt.
Diese Umstellung auf das so genannte „Neue Kommunale Finanzmanagement“,
ein an die Doppik angelehntes Rechnungswesen, wurde zwischenzeitlich
zum 01.01.05 abgeschlossen. Das Projekt „Kompass“ wurde
planmäßig Mitte
2004 von der Bertelsmann Stiftung beendet.
4.2.4.2 Konkretes Vorgehen bei
der Strategieimplementierung
4.2.4.2.1 Inhaltliche Grundlagen
Die Stadtwerke Vlotho verfügen
über keine explizit formulierte
Unternehmensphilosophie und stützen sich insoweit als
kommunalbestimmtes Unternehmen auf das Leitbild und die strategischen
Ziele der Stadt Vlotho. Die derzeit noch auf übergeordneter Ebene
der
Stadt Vlotho definierten Ziele und Handlungsfelder müssen für
die
Stadtwerke Vlotho konkretisiert werden. Aus den strategischen Zielen
der Stadt Vlotho lässt sich eine Reihe von Zielen für die
Stadtwerke
folgern:
Tabelle 8: Abgeleitete Ziele für
die Stadtwerke Vlotho

Quelle: Eigene Darstellung
Darüber hinaus gehen aus den
strategischen Zielen der Stadt Vlotho
mittelbar auch Finanzziele für die Stadtwerke hervor. Zwar werden
die
Finanzen in den strategischen Zielen der Stadt Vlotho nicht direkt
erwähnt, diese lassen sich jedoch aus diesen ableiten, da für
das
Umsetzen und Erreichen der Ziele entsprechende Mittel notwendig sind.
Aufgrund der beschriebenen Finanzkrise der Stadt Vlotho wird von den
Stadtwerken Vlotho die Zahlung der Konzessionsabgaben und einer
Gewinnausschüttung erwartet. Die SGE Gas/Wärme soll daher
Gewinne in
einer Höhe erwirtschaften, die im Jahresabschluss der Stadtwerke
auch
nach der Verrechnung mit den verlustbringenden SGE die Zahlung der
Konzessionsabgaben und einer Gewinnausschüttung ermöglicht.
Auch die strategischen Handlungsfelder
der Stadt Vlotho können zum Teil aufgenommen werden:
Tabelle 9: Abgeleitete Handlungsfelder
für die Stadtwerke Vlotho

Quelle: Eigene Darstellung
Schließlich werden für die
Strategieimplementierung auch noch
Strategien benötigt. Die bisherigen Strategien der Stadtwerke
Vlotho
werden aufgrund der anstehenden Liberalisierung überarbeitet. Aus
diesem Grunde werden beispielhaft die in der TWOS-Matrix in Abbildung
21 aufgeführten Maßnahmen zugrunde gelegt.
4.2.4.2.2 Einsatz der Balanced
Scorecard
Als Instrument für die
Implementierung von Strategien, d. h. für die
Umsetzung von Strategien in „konkretes, strategiegeleitetes Handeln der
Unternehmensmitglieder“[153], empfehle ich den Stadtwerken Vlotho die
Balanced Scorecard (BSC).
4.2.4.2.2.1 Grundlagen der
Balanced Scorecard
Die BSC wurde zu Beginn der 90er Jahre
von Robert S. Kaplan und
David P. Norton ursprünglich als Performance Measurement System
entwickelt. Heute reicht die Stellung der BSC weit über den
ursprünglichen Ansatz hinaus.
Diese umfassende Bedeutung
verdeutlicht eine aktuelle Definition:
„Die Balanced Scorecard ist ein ausgewogenes, kennzahlenbasiertes
Instrument der strategischen Planung, Kontrolle und Steuerung, welches
Führungs- und Ausführungsinformationen liefert, und
darüber hinaus ein
vielseitiges Managementtool.“[154]
Kaplan und Norton unterscheiden in
ihrem Basismodell vier Perspektiven, die in der nachfolgenden Abbildung
dargestellt werden.
Abbildung 27: Umsetzung von Strategien
in operative Größen mit der BSC

Quelle: Kaplan, Robert S./Norton,
David P. (1997), S. 9, geringfügig
modifiziert in der Fragestellung der finanziellen Perspektive nach:
Scherer, Andreas Georg (2002), S. 14
Die Vision und die Strategien werden
in den vier Perspektiven in
operative Größen (Ziele, Kennzahlen, Vorgaben,
Maßnahmen) herunter
gebrochen.
Im Gegensatz zu traditionellen
Steuerungssystemen (z.B.
DuPont-Schema, Kosten- und Leistungsrechnung) und Finanzkennzahlen
(z.B. Cash-flow, Economic Value Added) konzentriert sich die BSC nicht
ausschließlich auf monetäre Messgrößen. Zwar
kommt auch in der BSC der
Finanzperspektive eine übergeordnete Stellung zu. Darüber
hinaus werden
in weiteren Perspektiven aber auch nicht-monetäre
Messgrößen wie die
Zufriedenheit der Kunden, die Effizienz der Prozesse und die
Qualifikation und die Motivation der Mitarbeiter festgehalten, da diese
„die Treiber und Vorlaufindikatoren zukünftiger finanzieller
Leistung“[155] darstellen.
Im Einzelnen bietet die BSC folgende
Vorteile gegenüber den traditionellen Steuerungssystemen. Die
Balanced Scorecard
- „stützt sich auf monetäre
und nicht-monetäre Leistungsmessgrößen,
- berücksichtigt kurzfristige
und langfristige Zielgrößen,
- überwacht nachlaufende
Zielgrößen und vorlaufende Indikatoren (" Leistungstreiber"
),
- verkoppelt Ziele und
Maßnahmen im Sinne von Ursache-Wirkungsbeziehungen,
- erstrebt eine gesamthafte
Leistungsschau des Unternehmens aus der
Perspektive des Leistungsergebnisses (Kapitalgeber und Kunden) und aus
der Perspektive der Leistungsentstehung (Prozesse und Lernen) und
- bewirkt eine Transparenz des
Leistungserstellungsprozesses.“[156]
4.2.4.2.2.2 Einführung bei
den Stadtwerken Vlotho
Der Prozess der Einführung einer
Balanced Scorecard kann in vier Phasen aufgeteilt werden, die
nachfolgend beschrieben werden:
„Phase 1: Strategische Basis festlegen
- Strategische Grundlage
überprüfen
- Bestimmung der strategischen
Stoßrichtung
- Einbindung der BSC in den
Strategieentwicklungsprozess
Phase 2: Implementierungsregeln
formulieren
Organisatorischen Rahmen festlegen
- Projektorganisation
- Information und Kommunikation
sicherstellen
- Methoden und Inhalte
standardisieren und kommunizieren
- Fehler vermeiden und Erfolg sichern
Phase 3: BSC entwickeln und
implementieren
- Konkretisierung der strategischen
Ziele
- Aufbau von
Ursache-Wirkungs-Beziehungen und Verknüpfung mit strategischen
Zielen
- Auswahl von Messgrößen
- Festlegung der Zielwerte
- Strategische Aktionen bestimmen
- Einführung der BSC
unternehmensweit
BSC auf nachgelagerte Ebenen herunter
brechen
Phase 4: Akzeptanz und Einsatz der
Balanced Scorecard sicherstellen
- Integrieren der BSC in
Managementinformations- und Steuerungsinstrumente
- Einbinden der BSC in das
Planungssystem
- Mitarbeiter erfolgsorientiert
anhand der BSC führen
- BSC durch Einsatz von Software
unterstützen“[157]
Die Festlegung der strategischen Basis
(Phase 1) wurde in Kapitel 4.2.4.2.1 vorgenommen.
Zur Formulierung von
Implementierungsregeln in Phase 2 wird
empfohlen, die Verantwortung für die Einführung der BSC beim
Geschäftsführer der Stadtwerke Vlotho anzusiedeln, da dieser
über die
notwendigen Kompetenzen und Informationen verfügt, um alle
betroffenen
Mitarbeiter einzubeziehen. Auf die weiteren Aspekte dieser Phase wird
nicht näher eingegangen, da hier im wesentlichen Fragen des
Projektmanagements im Vordergrund stehen.
Der Schwerpunkt der nachfolgenden
Ausführungen wird auf die
Entwicklung und Implementierung der BSC (Phase 3) gelegt. Diese wird am
Beispiel der Stadtwerke Vlotho GmbH für deren strategische
Geschäftseinheit der Gas- und Wärmelieferung[158]
beschrieben.
Grundsätzlich kann die BSC auf allen Ebenen eines Konzerns
eingeführt
werden, d. h. konzernweit, unternehmensweit, für strategische
Geschäftseinheiten, Abteilungen oder Teams oder auch für
einzelne
Mitarbeiter.[159] Angesichts der Größe der Stadtwerke Vlotho
und der
hohen Auslastung der Mitarbeiter erscheint eine Überführung
der BSC auf
nachgelagerte Einheiten (z. B. BSC Technik, BSC Controlling)
zunächst
nicht sinnvoll.
In Phase 4, d.h. der Sicherstellung
der Akzeptanz und des Einsatz
der Balanced Scorecard, wird die notwendige Verknüpfung mit
bestehenden
Steuerungsinstrumenten erläutert. Auf die erfolgsorientierte
Führung
der Mitarbeiter wird nicht näher eingegangen, da derzeit bei den
Stadtwerken noch keine Leistungsbeurteilungs- u. Entlohnungssysteme
für
die Führungskräfte und die Mitarbeiter vorhanden sind. Der
Einsatz von
Software für die BSC wird nicht näher beschrieben. Da die
Stadtwerke
Vlotho die betriebswirtschaftliche Standardsoftware SAP R/3 und das
Microsoft Office verwenden, ist davon auszugehen, dass
diesbezüglich
keine erheblichen Implementierungshemmnisse bestehen.
4.2.4.2.2.2.1 Festlegung
der Perspektiven
Es ist zu überprüfen, ob die
vier Perspektiven des Basismodells den
Strukturen und Zielen der Stadtwerke Vlotho gerecht werden oder ob eine
Anpassung erfolgen sollte.
Anders als im Basismodell der BSC
kommt den Finanzzielen bei den
Stadtwerken Vlotho zwar eine bedeutende Rolle, aber keine
übergeordnete
Rolle zu. Vielmehr haben aufgrund des lokalen Auftrages auch Ziele wie
Sozialverträglichkeit, Umweltverträglichkeit,
Preisgünstigkeit,
Engagement für Vlotho und Sicherstellung der Arbeitsplätze
eine hohe
Bedeutung. Gleichzeitig besteht zwischen den Finanzzielen und den
Auftragszielen teilweise ein Spannungsverhältnis. So hat
beispielsweise
die von den Stadtwerken angebotene Energieberatung eine Minderung der
Absatzmengen und damit einen Rückgang des Umsatzes zur Folge.
Es ist daher zweckmäßig,
den vier regulären Perspektiven eine fünfte
Perspektive „Lokaler Auftrag“ [160] hinzuzufügen, die gleichrangig
neben der Finanzperspektive angeordnet wird.
4.2.4.2.2.2.2 Ableitung
mittelfristiger Ziele und Erstellung einer Strategy Map
Für die fünf gewählten
Perspektiven sind nach dem Konzept von Kaplan
und Norton „strategische Ziele“ zu definieren. An dieser Stelle zeigt
sich erneut, dass Begrifflichkeiten im strategischen Management nicht
eindeutig verwendet werden, da auch der erste Schritt des
Strategieprozesses als strategische Zielplanung bezeichnet wird. Die
„strategischen Ziele“ der BSC sind konkreter, bauen auf den Strategien
auf und werden für einen kürzeren Zeitraum festgelegt als die
strategischen Ziele in der ersten Stufe des Strategieprozesses.
Abweichend von der für die Definition von Zielen entwickelten
SMART-Formel (s. Abbildung 11) werden die „strategischen Ziele“ in der
BSC nicht als Zustände, sondern als Maßnahmen formuliert
(z.B.
„Innovative Produkte entwickeln“). Um eine Verwechslung
auszuschließen,
werden die „strategischen Ziele“ der BSC in Anlehnung an Welge/Al-Laham
nachfolgend als „mittelfristige Ziele“ bezeichnet.[161]
Die mittelfristigen Ziele sind in
einer Strategy Map in Form von
Ursache-Wirkungsbeziehungen zu verbinden. Die Strategy Map sorgt
für
eine Stimmigkeit und Ausgewogenheit der Ziele. Darüber hinaus
hilft
sie, einen Konsens unter den Führungskräften über die
mittelfristigen
Ziele des Unternehmens herzustellen.[162]
Die folgende Abbildung zeigt eine
beispielhafte Strategy Map für die Stadtwerke Vlotho:
Abbildung 28: Strategy Map für
die Stadtwerke Vlotho, SGE Gas / Wärme

Quelle: Eigene Darstellung
Die grau gestrichelte Linie
verdeutlicht, zu welcher der beiden
übergeordneten Perspektiven „Finanzen“ oder „lokaler Auftrag“ die
einzelnen Ziele (ganz oder teilweise) zuzuordnen sind.
4.2.4.2.2.2.3 Ableitung
von Kennzahlen und Festlegung von Sollgrößen
Im dritten Schritt sind für die
einzelnen mittelfristigen Ziele
Kennzahlen zu definieren. Die Kennzahlen sollten aus
Erfolgsgrößen
(Spätindikatoren) und Leistungstreibern (Frühindikatoren)
bestehen. Die
Frühindikatoren zeigen dem Unternehmen frühzeitig an, ob die
Umsetzung
der Strategien erfolgreich verläuft. Bei Abweichungen kann auf
diese
Weise rechtzeitig gegengesteuert werden. Die Kennzahlen der
Spätindikatoren ergeben sich erst aus dem Erfolg oder Misserfolg
in den
Leistungstreibern, so dass diese ein Eingreifen nicht ermöglichen.
Anschließend sind für die Kennzahlen anspruchsvolle
Soll-Größen
(„Vorgaben“) festzulegen. Nach Möglichkeit sollten diese nicht von
den
Führungskräften vorgegeben, sondern mit den verantwortlichen
Mitarbeitern vereinbart werden, um eine größere Akzeptanz
und
Motivation zu erzielen.
Im Folgenden werden beispielhaft
Messgrößen und fiktive Vorgaben für die Stadtwerke
Vlotho (SGE Gas/Wärme) dargestellt.
Abbildung 29: Kennzahlen und Vorgaben
für die Stadtwerke Vlotho

Quelle: Eigene Darstellung
In der Praxis müssen bei
fortlaufenden Kennzahlen zusätzlich zu den
Vorgaben auch die Istwerte des Vorjahres ausgewiesen werden. Als
Grundlage für ein unterjähriges Controlling sollten für
wichtige
Kennzahlen zusätzlich auch monatliche, vierteljährliche oder
halbjährliche Vorgaben gemacht werden.
Die Anzahl der Kennzahlen sollte eng
begrenzt bleiben. „An die
wichtigsten Kenngrößen des Erfolgs sollte sich jeder
Mitarbeiter
spontan erinnern können“[163], damit diese das Handeln
maßgeblich
beeinflussen.
4.2.4.2.2.2.4 Festlegung
strategischer Initiativen und Ressourcenbereitstellung
Im vierten Schritt der BSC sind
strategische Initiativen
festzulegen, mit denen die Strategien umgesetzt und die Vorgaben
erreicht werden können. Dabei kann es sich z. B. um Projekte oder
Investitionen handeln.
Die Phase der Festlegung strategischer
Initiativen sollte in drei Arbeitsschritten ablaufen:
- „Schritt 1: Ableitung strategischer
Aktionen
- Schritt 2: Feststellung des
Aufwandes und Aufstellung einer Rangfolge
- Schritt 3: Feinplanung
strategischer Aktionen“[164]
Für eine erfolgreiche Umsetzung
der Aktionen ist im Rahmen der
Wirtschaftsplanung und Personalplanung sicherzustellen, dass diese mit
den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden.
4.2.4.2.2.2.5 Abstimmung
mit bisherigen Steuerungsinstrumenten
Es ist zweckmäßig, die
bisherigen Steuerungsinstrumente mit dem
klassischen Strategieprozess zu verbinden, um eine Stimmigkeit der
Instrumente und damit auch eine Stimmigkeit des strategischen Handelns
zu gewährleisten.
- Risikomanagement: Das
Risikomanagement ist in den Strategieprozess
zu integrieren, da die Erfassung der strategischen Risiken einen Teil
der strategischen Analyse darstellt und die weiteren Schritte des
Strategieprozesses auch auf diesen Risiken aufbauen.
- Wirtschaftsplanung /
Wirtschaftsplan: Der Prozess der
Wirtschaftsplanung und der Wirtschaftsplan als dazu gehöriges
Dokument
müssen eng mit dem Strategieprozess verzahnt werden. Zeitlich
sollte
mit der Wirtschaftsplanung ebenfalls eine Überprüfung der
bisherigen
Strategien, eine strategische Analyse und gegebenenfalls eine
Strategieentwicklung einsetzen. Inhaltlich muss die
Ressourcenallokation im Wirtschaftsplan den gewählten Strategien
folgen. Es wird empfohlen, die Strategien, die zugewiesenen Ressourcen
und die Zielvorgaben im Wirtschaftsplan explizit auszuweisen.
- Einzelentscheidungen: Die
strategischen Einzelentscheidungen müssen
auf dem Leitbild, den strategischen Zielen und den Strategien aufbauen.
Bei Konflikten zwischen den Einzelentscheidungen und den bisherigen
Strategien müssen die Strategien bzw. die darüber liegenden
Zielebenen
überprüft werden.
- Controlling: Im Rahmen des
Controllings muss auch während des
Geschäftsjahres eine ständige Analyse der strategischen Lage
erfolgen
(strategische Kontrolle), damit auf kurzfristig eintretende Chancen
oder Risiken reagiert werden kann. Darüber hinaus muss das
Controlling
den Erfolg der Strategieumsetzung überprüfen.
- Jahresabschluss: Im Lagebericht des
Jahresabschlusses ist über die
Umsetzung der Strategien und über die strategische Lage zu
informieren.
4.2.5 Strategische Kontrolle
Die letzte Phase im klassischen
Strategieprozess bildet die
strategische Kontrolle. Die „Kontrolle ist ein systematischer Prozess
zur Ermittlung von Abweichungen zwischen Plangrößen und
Sollgrößen.“[165]
Inhaltlich lassen sich drei Formen der
strategischen Kontrolle unterscheiden:
- Prämissenkontrolle:
Überprüfung der Annahmen, die den Strategien zugrunde liegen
- Wirksamkeitskontrolle:
Überprüfung der Wirksamkeit der Strategien
- Durchführungskontrolle:
Überprüfung der Umsetzung der Strategien[166]
Die Balanced Scorecard bietet für
die strategische Kontrolle den
großen Vorteil, dass sie alle drei Formen der Kontrolle abdeckt.
Durch
ihre enge Verknüpfung von Strategien, mittelfristigen Zielen und
operativen Aktionen beinhaltet die BSC sowohl eine operative als auch
eine strategische Kontrolle. Damit ermöglicht die BSC das so
genannte
„Double-loop-learning“, d. h. das operative und strategische Lernen.
Das Double-loop-learning wird anhand
des folgenden Schaubilds verdeutlicht.
Abbildung 30: Single-loop-learning u.
Double-loop-learning

Quelle: Hauck, Anne-Katrin (2003), S.
94
Auch Kommunen, die keine BSC
einsetzen, müssen die strategische
Lernschleife sicherstellen, um frühzeitig strategische Anpassungen
vornehmen zu können.
4.3 Bewertung des strategischen
Managements für Kommunen
Im Titel dieser Arbeit wird das
strategische Management als
Erfolgsfaktor für die Kommunalverwaltung bezeichnet. Diese
Feststellung
wird im Folgenden mit Argumenten belegt. In diesem Zusammenhang ist
zunächst zu klären, was ein Erfolgsfaktor ist. In Anlehnung
an Welge /
Al-Laham kann der Erfolgsfaktor definiert werden als eine
Größe, die
den unternehmensbezogenen Erfolg direkt positiv beeinflusst.[167]
Zur Bestätigung dieser Aussage
lassen sich vielfältige Gründe
anführen, die nachfolgend näher beschrieben werden Die
meisten
Argumente gelten in gleicher Weise für Unternehmen der freien
Wirtschaft. Argumente, die nur für die öffentliche bzw.
kommunale
Verwaltung von Bedeutung sind, werden daher getrennt ausgewiesen.
4.3.1 Der Nutzen für die
Kommunen
4.3.1.1 Genereller Nutzen des
strategischen Managements
a) Strukturierung der Steuerung
Durch die klassische strategische
Unternehmensführung wird das
strategische Handeln strukturiert und systematisiert. Dieses
„formalisierte Verfahren zwingt ‚die vom operativen Tagesgeschäft
Geplagten’ sich Zeit einzuräumen, um strategische
Schlüsselfragen zu
beantworten“.[168] Die Führungskräfte werden in die Lage
versetzt,
Risiken und Schwächen rechtzeitig zu erkennen und dadurch Krisen
zu
vermeiden sowie Erfolgspotenziale zu entdecken und konsequent zu
verfolgen. Der Strategieprozess stößt einen strategischen
Lernprozess
an, in dem „unprofitable Strategien identifiziert und korrigiert
werden“.[169] Die knappen Ressourcen lassen sich gezielt für das
Erreichen der strategischen Ziele einsetzen. Statt diese z.B. auf viele
kleinere Maßnahmen zu verteilen, kann durch Bündelung die
erforderliche
„kritische Masse“[170] erzielt werden. Gleichzeitig wird die
„Politisierung der Ressourcenallokation“[171] vermindert.
b) Vertrauensbildung
Transparente Visionen und Strategien
stärken das Vertrauen der
Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und anderer Anspruchsgruppen in das
Unternehmen. Durch eine Beteiligung der Mitarbeiter kann deren Wissen
und Kreativität genutzt werden und gleichzeitig ein Beitrag zur
Motivation, Integration und Kulturförderung geleistet werden.[172]
c) Ganzheitlichkeit
Mit Hilfe des strategischen
Managements können die verschiedenen
Ziele, Aufgaben, Entscheidungen und Organisationseinheiten im
Unternehmen koordiniert und integriert werden. Zielkonflikte werden
erkannt und können geklärt werden.
d) Rationaleres Handeln
Das Finden von Zielen, Strategien und
Maßnahmen wird im klassischen
Strategieprozess systematisch vorbereitet. Dadurch können
Entscheidungen auf einer fundierten Basis und nicht mehr
ausschließlich
„aus dem Bauch heraus“ gefällt werden. Das heißt nicht, dass
der
Intuition der Führungskräfte kein Raum mehr gelassen wird.
Entscheidungen, die sich mit rationalen Argumenten nicht
unterstützen
lassen, zum Beispiel das Vermeiden „unliebsamer Entscheidungen“, werden
aber erschwert.[173] Das rationale Handeln wird auch dadurch
gefördert,
dass erhobene Daten und Zukunftsprognosen anschaulich dargestellt
werden können.
Darüber hinaus wird die Gefahr
von Denkfehlern reduziert, die in komplexen Situationen oftmals
anzutreffen sind:[174]
Tabelle 10: Ausgewählte Fehler im
strategischen Denken

Quelle: Eigene Darstellung in
Anlehnung an: Welter, Friederike (2003), S. 40
4.3.1.2 Zusätzlicher Nutzen
in der Kommunalverwaltung
In den Kommunen ermöglicht das
strategische Management zusätzlich
eine neue Definition der Rollen im so genannten Kräftedreieck von
Rat,
Bürgern und Verwaltung.[175]
Insbesondere für die
Aufgabenverteilung zwischen Rat und Verwaltung
sind Verbesserungen möglich. In einem neuen Rollenverständnis
widmet
sich der Rat verstärkt der strategischen Führung, d.h. der
Definition
von Zielen, der strategischen Analyse, der Festlegung von Strategien,
der strategischen Kontrolle sowie weiteren strategischen
Einzelentscheidungen.[176] Um diese verstärkte Konzentration auf
die
strategische Führung zu ermöglichen, überlässt der
Rat einfache
Geschäfte dem Bürgermeister und der von ihm geführten
Verwaltung.
Auch im Verhältnis der Fraktionen
und Parteien untereinander können
durch das strategische Management Fortschritte erzielt werden. Eine
gemeinsame Entwicklung von Zielen kann das „politische Klima“
verbessern und eine gemeinsame Ausrichtung am Leitbild der Kommune
fördern.
Schließlich ermöglicht die
strategische Unternehmensführung auch
eine neue Rolle für die Bürger und lokale Gruppen. Neben
einer
umfassenden Information können die Bürger in geeigneten
Bereichen auch
beteiligt werden und dadurch eine aktivere Position in der lokalen
Demokratie einnehmen.
4.3.2 Risiken des strategischen
Managements in Kommunen
Besonders Mintzberg kritisiert den
klassischen strategischen
Managementprozess, an dem sich diese Arbeit orientiert. Mintzberg
bezeichnet den Glauben an die Vorhersagbarkeit der Zukunft, an die
Formalisierbarkeit des Strategischen Managements und an die Steuer- und
Kontrollierbarkeit des Systems als Illusion.[177]
Doch auch wenn man dieser absoluten
Auffassung nicht folgen will,
lassen sich gewisse Risiken nicht von der Hand weisen. Diese treten
insbesondere auf, wenn die notwendigen Kompetenzen in der
Durchführung
des Strategieprozesses und in der Entscheidungsfindung fehlen. Ist dies
der Fall, so kann das strategische Management auch Schaden anrichten.
Die größten Risiken bei
mangelhaften Kompetenzen sind
- Bürokratisierung und Verlust
von Flexibilität[178],
- „endlose Informationssammlungs- und
Planungsprozesse“[179],
- ein übertriebener Optimismus
in der Planung[180] und
- eine falsche Strategiewahl, z.B.
durch zu einseitige Konzentration auf einzelne moderne
Managementkonzepte.[181]
4.4 Gesamtbewertung des
strategischen Managements
Zur Gesamtbewertung des strategischen
Managements schließe ich mich
der folgenden Feststellung von Hans Hinterhuber an: „Wir brauchten
keine Strategie, wenn das Problem der Ressourcenallokation nicht
besteht, wenn die Zukunft ähnlich der Vergangenheit sein wird und
wenn
in der Vergangenheit befriedigende Wirtschaftsergebnisse erzielt worden
sind. Unter diesen Voraussetzungen genügt es, den Erfolg der
Vergangenheit zu wiederholen." [182]
Überträgt man diese Aussage
auch auf nicht-wirtschaftliche
Ergebnisse des kommunalen Handelns, so lässt sich für die
große
Mehrheit kommunaler Aufgaben herausstellen, dass Strategien
benötigt
werden. Die Alternative wäre, „passives Opfer überraschender
oder
unkontrollierter Veränderungen“ [183] zu werden.
Da die Strategien von großer
Bedeutung für den langfristigen Erfolg
der Kommunen sind, bedarf es für deren Planung und Umsetzung eines
geordneten Verfahrens. Das strategische Management bietet dazu den
notwendigen Rahmen.
Dem Titel der KGSt-Broschüre
„Strategisches Management - ein ‚Muss’
auch für Kommunen!“[184] stimme ich daher uneingeschränkt zu.
5 Zusammenfassung und
Ausblick
In dieser Arbeit wurde ein
Strategieprozess für eine ganzheitliche
Steuerung von Kommunen entwickelt. Aus den vielfältigen
Instrumenten
des strategischen Managements wurden diejenigen ausgewählt und
vorgestellt, die den besonderen Anforderungen und der Ausgangslage der
Kommunen gerecht werden.
Die einzelnen Kapitel des
Strategieprozesses wurden mit Beispielen
aus der Praxis veranschaulicht. Für die Stadt Vlotho wurde ein Weg
aufgezeigt, den im Projekt „Kompass“ begonnenen Strategieprozess im
Bereich der Stadtwerke Vlotho mit Hilfe der Balanced Scorecard
fortzuführen. In diesem Zusammenhang wurde der Nutzen der Balanced
Scorecard als ein „ausgewogenes, kennzahlenbasiertes Instrument der
strategischen Planung, Kontrolle und Steuerung (…) und vielseitiges
Managementtool“ [185] hervorgehoben. Aufgrund der aufgezeigten hohen
„Anpassungsfähigkeit der BSC an jegliche Rahmenbedingungen und
jede
Strategie“[186] ist die BSC auch für den Einsatz in der
Kernverwaltung
der Stadt Vlotho sehr gut geeignet.
Anhand der aktuellen strategischen
Lage der Kommunen wurde
aufgezeigt, dass die strategische Unternehmensführung für
Kommunen
einen umfangreichen Nutzen erbringt und deren Einsatz unverzichtbar
ist, um langfristig erfolgreich zu sein.
Doch auch unabhängig von der
aktuellen strategischen Lage der
Kommunen wird das strategische Management dauerhaft einen Erfolgsfaktor
der kommunalen Steuerung darstellen, da die vielfältigen
Instrumente
jederzeit eine flexible Anpassung an aktuelle Gegebenheiten
ermöglichen.
Anhang
Quellenverzeichnis: wird
ergänzt
Fußnoten:
[1] Strategisches Management wird teilweise auch als Teilgebiet der
Sozialwissenschaften angesehen (vgl. Hungenberg, Harald/Wulf, Torsten
(2003), Seite 169).
[2] In der Literatur werden als
Synonyme die Begriffe „Strategische
Unternehmensführung“ und „Strategische Steuerung“ verwendet.
[3] Fiedler, Jobst /Vernau, Katrin
(2001), S. 28
[4] Der Begriff der Kommune umfasst
kreisfreie Städte, Landkreise,
kreisangehörige Städte und kreisangehörige Gemeinden. In
NRW gehören
ferner die Landschaftsverbände zu den Kommunen. Neben
öffentlich-rechtlichen Handlungsformen sind auch privatrechtliche
Handlungsformen, z.B. in kommunalen Unternehmen, eingeschlossen.
[5] Für die Anspruchsgruppen der
Kommune wird in dieser Arbeit auch
der Begriff „Kunden“ verwendet (vgl. Rosino, Klaus/ Stöger, Roman
(2004), S. 3).
[6] Als beispielhafte Einflussfaktoren
können z.B.
Leistungsverbesserungen der Informations- und
Kommunikationstechnologien, abnehmende „Halbwertzeit“ von Vorschriften
oder der Einfluss der Wirtschaftsdynamik genannt werden.
[7] Dazu trägt besonders der
zunehmende Regelungsumfang durch EU-, Bundes- und Landesrecht bei.
[8] Beide Ansätze beruhen auf dem
klassischen Strategieverständnis,
das ein „pro-aktives, geplantes und rationales Handeln“ zugrunde legt
(vgl. Ziffer 2.1). Eine ausführliche Beschreibung der Modelle kann
in
dieser Diplomarbeit nicht erfolgen. Die Erfahrungen aus diesen Modellen
werden jedoch berücksichtigt.
[9] In der Kameralistik werden zum
Beispiel i. d. R. keine
Abschreibungen oder Rückstellungen gebildet, da diese Aufwendungen
zunächst nicht zahlungswirksam sind. Ein weiteres Problem stellen
die
unterschiedlichen Rechnungssysteme zwischen der Kernverwaltung
(Kameralistik) und den ausgegliederten Bereichen (i. d. R Doppik) dar,
die einen Gesamtüberblick auf die Finanzlage der Kommune
erschweren.
[10] Inwieweit in den einzelnen
Bundesländern die Doppik nach dem
HGB ganz oder nur teilweise übernommen wird, steht noch nicht
fest. Das
vom Land Nordrhein-Westfalen gesetzlich normierte Konzept „Neues
kommunales Finanzmanagement“ ist an die Doppik des HGB angelehnt.
[11] Zum Beispiel muss in der Regel
das gesamte Vermögen erfasst und bewertet werden sowie eine
Softwareumstellung erfolgen.
[12] Vgl. Bundesregierung (2004), S. 1
[13] Vgl. Bundesfinanzministerium
(2004), S. 1 ff.
[14] Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter
A. (2004), S. 328
[15] Kommunen sind
öffentlich-rechtliche Gebietskörperschaften und
fallen grds. nicht unter den Begriff der Unternehmung im Sinne des
Handels- oder Aktienrechts. Allerdings ist „eine
Körperschaft des
öffentlichen Rechts bereits dann als Unternehmen im
konzernrechtlichen
Sinne anzusehen, wenn sie lediglich ein in privater Rechtsform
organisiertes Unternehmen beherrscht“ (Siegels, Jörg (2004), S.
432),
so dass auch Kommunen herrschendes Unternehmen im konzernrechtlichen
Sinne sein können (vgl. Siegels, Jörg (2004), S. 433).
Unabhängig von
der rechtlichen Betrachtung haben sich die Begriffe“ Unternehmung“ und
„Konzern“ in der Praxis der Kommunalverwaltung jedoch zwischenzeitlich
eingebürgert (z.B. „Dienstleistungsunternehmen Stadt Bielefeld“,
„Konzern Stadt Bielefeld“) und werden daher auch in dieser Arbeit
für
Kommunen verwendet (z.B. „Unternehmensphilosophie“).
[16] In der Literatur wird als Synonym
zur Implementierung der Begriff „Umsetzung“ verwendet.
[17] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 531
[18] Welter, Friederike (2002), S. 2
[19] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 12
[20] Vgl. Eschenbach, Rolf/Eschenbach,
Sebastian/Kunesch, Hermann (2003), S. 43
[21] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 21
[22] Vgl. Weseloh, Friedrich Christian
(2004), S. 40
[23] Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter
A. (2004), S. 23
[24] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 17.
[25] Vgl. Eschenbach, Rolf/Eschenbach,
Sebastian/Kunesch, Hermann (2003), S. 9 ff.
[26] Bea, Franz Xaver/Haas,
Jürgen (2000), S. 50
[27] Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter
A. (2004), S. 22
[28] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 19
[29] Bea, Franz Xaver/Haas,
Jürgen (2000), S. 11
[30] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 9
[31] Klaus, P. (1987), S. 50, zitiert
bei: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003), S. 95
[32] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 95
[33] Die Phase der strategischen
Zielfindung wird im St. Galler Management-Modell als „normatives
Management“ bezeichnet.
[34] Das operative Management wird
teilweise auch als „taktisches Management“ bezeichnet.
[35] Eschenbach, Rolf/Eschenbach,
Sebastian/Kunesch, Hermann (2003), S. 78
[36] Vgl. Hinterhuber, Hans H.
(2004b), S. 15
[37] Gälweiler, Aloys (1971), S.
60, zitiert bei: Eschenbach, Rolf/Eschenbach, Sebastian/Kunesch,
Hermann (2003), S. 94
[38] „Gemeindeverbände sind
Gebietskörperschaften oberhalb der
Gemeinden. Sie treten auf u. a. in den Formen des Landschaftsverbandes,
des Bezirksverbandes, der Landkreise, Samtgemeinden, Verbandsgemeinden,
Ämter, Verwaltungsgemeinschaften,
Gemeindeverwaltungsverbände. Keine
Gemeindeverbände sind die Zweckverbände.“ (Ratgeberrecht.de
(o. J., a))
[39] In NRW zählen auch die
Landschaftsverbände zu den Kommunen.
[40] Vgl. Statistisches Bundesamt
(2004)
[41] Eine Gebietskörperschaft ist
eine Körperschaft des öffentlichen
Rechts, die als konstitutive Merkmale das Staatsgebiet mit
Gebietshoheit, die Begründung der Mitgliedschaft durch die
Gebietshoheit und die unmittelbare Wahl der Vertretungsorgane durch die
Bewohner hat. Gebietskörperschaften sind u. a. Bund, Länder,
Kreise und
Gemeinden. (Ratgeberrecht.de (o. J., b))
[42] Rechlin, Sandra (2004), S. 48
[43] Vgl. Konferenz der Innenminister
(2003), Seite 4 ff.
[44] Der Produktrahmen, zu dem auch
einheitliche Produktnummern
gehören, wird zukünftig von den Kommunen mit Ausnahme
der
ausgegliederten Organisationen (Eigenbetriebe, GmbH, AG etc.) in der
Haushaltsführung anzuwenden sein.
[45] Innenministerium NRW/Bals,
Hans-Jürgen (o. J.), S. 9
[46] Vgl. Richter, Peter/Brandt,
Steven (2004), S. 14
[47] Vgl. Kunz, Stefan (2001), S. 1 ff.
[48] European Centre of Enterprises
(2001), S. 2
[49] Eigenbetriebe sind rechtlich
unselbständige Einrichtungen von
Kommunen, denen in der Binnenorganisation eine gewisse Autonomie
zukommt. Insbesondere obliegt der Werksleitung das Recht zur laufenden
Betriebsführung. Daneben besitzen i. d. R. auch der Rat,
Werksausschuss
und der Bürgermeister Entscheidungsrechte. In einigen
Bundesländern
sind darüber hinaus „eigenbetriebsähnliche Einrichtungen“
vorgesehen,
deren Strukturen mit Eigenbetrieben vergleichbar sind.
[50] Zweckverbände sind
Körperschaften des öffentlichen Rechts, die
von mehreren Kommunen für die gemeinsame Durchführung
einzelner
Aufgaben gegründet werden (z.B. für Aufgaben des ÖPNV).
[51] Vgl. Richter, Peter/Brandt,
Steven (2004), S. 19
[52] Vgl. Uechtritz, Michael (2004),
S. 544 ff.
[53] Vgl. Statistisches
Bundesamt (2003), S. 684
[54] Diese Statistik erfasst nur die
Kernverwaltungen, d.h.
organisatorische verselbständigte Einheiten wie Eigenbetriebe,
GmbH
oder AG sind nicht enthalten.
[55] Deutscher Städte- und
Gemeindebund (2005), S. 8
[56] Auf die Stadtwerke wird
näher eingegangen, da die Konzeption
der Strategieimplementierung in Kapitel 4 sich den Stadtwerken Vlotho
widmet.
[57] Vgl. Verband kommunaler
Unternehmen (2003b), S. 1r Arbeityse der Aufgaben,
[58] Spremann, Klaus (1996), S. 1 ff.
[59] Uechtritz, Michael/ Otting, Olaf
(2004), S. 62
[60] Vgl. Verband kommunaler
Unternehmen (2004), S. 3
[61] Vgl. Verband kommunaler
Unternehmen (2003a), S. 14
[62] „Contracting bedeutet nach der
DIN 8930-5 die Übertragung von
Aufgaben der Energiebereitstellung und Energielieferung auf ein darauf
spezialisiertes Unternehmen (Contractor).“ (Ministerium für
Verkehr,
Energie und Landesplanung des Landes NRW (2005))
[63] Vgl. Deutscher Städte- und
Gemeindebund (2004), S. 1
[64] Vgl. Kapitel 3.1.2
[65] Rechlin, Sandra (2004), S. 12
[66] Vgl. Schmidt, Kerstin (2004), S.
5 ff.
[67] Bertelsmann Stiftung (o. J., a),
S. 1
[68] Wirtschaftlich verwertbare Daten
des Netzbereiches müssen
vertraulich behandelt werden, das heißt diese dürfen
insbesondere nicht
an den eigenen Vertrieb weitergegeben werden.
[69] Der Netzbetrieb muss
buchhalterisch getrennt werden, das heißt
für diesen sind eine eigene Gewinn- und Verlustrechnung sowie eine
Bilanz aufzustellen.
[70] Der Netzbetrieb muss in
Unternehmen mit mehr als 100.000 Kunden
hinsichtlich der Rechtsform unabhängig von anderen
Tätigkeiten der
Energieversorgung geführt werden.
[71] Der Netzbetrieb muss in
Unternehmen mit mehr als 100.000 Kunden
in Bezug auf Organisation, Entscheidungsgewalt und Ausübung des
Netzgeschäfts unabhängig sein.
[72] Die Kontrollaufgaben des
Energiewirtschaftsrechts wird die
Bundes-Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post
(RegTP) mit
Sitz in Bonn übernehmen, die in „Regulierungsbehörde für
Energie, Gas,
Telekommunikation und Post (REGTP)“ umbenannt wird. Neben dieser
Regulierungsbehörde wird der Energiemarkt durch das
Bundeskartellamt
beaufsichtigt, das zuständig ist für die „Durchsetzung des
Kartellverbots, die Durchführung der Fusionskontrolle und die
Ausübung
der Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende Unternehmen“
(Bundeskartellamt (2004), S. 1). So beabsichtigt das Bundeskartellamt,
die Zulässigkeit von langen und exklusiven Gaslieferverträgen
an die
Stadtwerke einzuschränken.
[73] Wie sich die Wechselbereitschaft
der Kunden entwickeln wird,
lässt sich nur schwer abschätzen. Die Erfahrungen der
vergangenen Jahre
im Stromsektor zeigen, dass die Haushaltskunden der Stadtwerke nur eine
geringe Wechselbereitschaft zeigen, wobei u. a. die Faktoren der
Nähe,
örtlichen Bindung und der Zuverlässigkeit der Stadtwerke,
aber auch die
Komplexität eines Wechsels eine Rolle spielen. Der Hauptwettbewerb
wird
daher im Bereich der Großkunden erwartet.
[74] Konzessionsgebunden sind u. a.
Strom, Gas, Wasser und ÖPNV.
[75] Vgl. Zeitung für kommunale
Wirtschaft (2005), S. 1 ff.
[76] Vgl. Gesellschaft für
öffentliche Wirtschaft (o. J.), S. 5
[77] Vgl. Kommission der
Europäischen Gemeinschaften (2004), S. 1 ff.
[78] Abbell, D.F. (1980), ohne
Seitenangabe, zitiert bei: Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter A. (2004),
S. 255
[79] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 35
[80] Hinterhuber, Hans H. (2004a), S.
69
[81] Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter
A. (2004), S. 51
[82] Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter
A. (2004), S. 51
[83] Böhm, Bernhard (2000), S. 18
[84] Binninger, Clemens (2001), S. 333
[85] Böhm, Bernhard (2000), S. 18
[86] Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter
A. (2004), S. 42
[87] Böhm, Bernhard (2000), S. 18
[88] KGSt (2000), S. 4
[89] Böhm, Bernhard (2000), S. 18
[90] Osterloh, M./Frost, J. (1996), S.
208, zitiert bei: Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter A. (2004), S. 365
[91] Höpflinger, François
(2004), S. 1
[92] Hopp, Helmut/Göbel, Astrid
(2004), S. 2
[93] Matul, Christian (2003), S. 504
[94] In ausgegliederten kommunalen
Unternehmen kann die
Zuständigkeit für die Festlegung der Ziele und Strategien
teilweise
oder vollständig bei den Organen des Unternehmens liegen.
[95] Reichard, Christoph (2001), S. 84
[96] Vgl. Gottbehüt, Cornelia
(2002), S. 112
[97] Plamper, Harald (1999), S. 28
[98] Dazu wurden z.B. im Projekt
„Kommunaler Bürgerhaushalt“ der
Bertelsmann Stiftung und des Innenministeriums NRW Erfahrungen
gesammelt, an dem sechs Kommunen aus NRW (darunter die Stadt Vlotho)
teilgenommen haben. Das Projekt wurde im Jahr 2004 abgeschlossen.
[99] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 98
[100] Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 387
[101] Vgl. z.B. Welge, Martin
K./Al-Laham, Andreas (2003), S. 98 und Bea, Franz Xaver/Haas,
Jürgen (2000), S. 54
[102] Man bezeichnet derartige
Strategien auch als „Bombenwurf- bzw.
Machtstrategien“ (Lombriser, Roman/Abplanalp, Peter A. (2004), S.
364).
[103] Wie in der gesamten Disziplin
des strategischen Managements
werden auch für diese Phase und ihre einzelnen Elemente
verschiedene
Begriffe und Begriffsinhalte zugrunde gelegt. So werden strategische
Ziele im vorliegenden Modell entsprechend „in einem recht vagen Zustand
gesehen“( Bea, Franz Xaver/Haas, Jürgen (2000), S. 67), von
anderen
Autoren werden diese bereits operationalisiert. Für die
Unternehmensphilosophie werden ferner die Begriffe Unternehmenspolitik,
Unternehmensgrundsätze, Unternehmensmission und
Unternehmensvisionen
verwendet, das Leitbild wird teilweise auch mit
Führungsgrundsätzen
oder Verhaltensrichtlinien gleichgesetzt.
[104] Bea, Franz Xaver/Haas,
Jürgen (2000), S. 69
[105] Vgl. Hinterhuber, Hans H.
(2004a), S. 73
[106] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 235
[107] Hinterhuber, Hans H. (2004a), S.
83
[108] Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 239
[109] Stadt Oerlinghausen (o. J.), S. 2
[110] Stadt Minden (o. J.), S. 1 ff.
[111] Stadtwerke Flensburg (2005b), S.
1
[112] Vgl. Haddad, Tarek/Horak,
Christian /Ebner, Heinz/Prisching, Erich/Tweraser, Stefan/ Nowak-Tran,
Thy (2003), S. 21
[113] Heinen, E. (1966), S. 45,
zitiert bei: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003), S. 111
[114] Bea, Franz Xaver/Haas,
Jürgen (2000), S. 72 f.
[115] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 111
[116] Man kann nur managen, was man
messen kann.
[117] Stadt Cuxhaven (2003), S. 3 ff.
[118] Zum Projektbeginn haben die
Städte Arnsberg, Celle, Coesfeld,
Dortmund, und Herford sowie der Landkreis Osnabrück am Projekt
teilgenommen.
[119] Bertelsmann Stiftung (o. J.,b),
S. 9
[120] Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 73
[121] Das Verhältnis der
Organisationseinheiten zu den strategischen
Geschäftseinheiten kann sich wie folgt darstellen: Erstens kann
eine
organisatorische Einheit mit einer strategischen Einheit identisch
sein. Zweitens können mehrere organisatorische Einheiten eine
strategische Geschäftseinheit bilden. Drittens kann eine
organisatorische Geschäftseinheit aus mehreren strategischen
Geschäftseinheiten bestehen (Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas
(2003), S. 337).
[122] Vgl. Gälweiler, Aloys
(1979), S. 259, zitiert bei: Welge, Martin K./Al-Laham, Andreas (2003),
S. 331/332
[123] Siehe dazu auch Abbildung
4 und Tabelle 3.
[124] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 294
[125] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 299
[126] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 300
[127] Eine detaillierte Beschreibung
dieser und weiterer Instrumente würde den Rahmen dieser Arbeit
überschreiten.
[128] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 235
[129] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 235
[130] Bea/Haas definieren strategische
Erfolgsfaktoren als
„erfolgsrelevante Stärken und Schwächen einer Unternehmung“
(Bea, Franz
Xaver/Haas, Jürgen (2000), S. 110)
[131] Camphausen, Bernd (2003), S. 60
[132] Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 141
[133] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 239
[134] Index (Durchschnitt BRD = 100 )
[135] Der Begriff SWOT steht für
die Anfangsbuchstaben der
englischen Begriffe Strengths (Stärken), Weaknesses
(Schwächen),
Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken).
[136] Je nach Ausgangslage kann ein
Stadtwerk als Ganzes als eine
strategische Geschäftseinheit definiert werden oder aus mehreren
strategischen Geschäftseinheiten bestehen (z.B. Energieversorgung,
Wasserversorgung, ÖPNV).
[137] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 317
[138] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 317
[139] Der Begriff „TOWS“ steht
für die Anfangsbuchstaben der
englischen Begriffe Threats (Risiken), Opportunities (Chancen),
Weaknesses (Schwächen) und Strengths (Stärken).
[140] Camphausen, Bernd (2003), S. 114
[141] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 318
[142] Camphausen, Bernd (2003), S. 114
[143] Camphausen, Bernd (2003), S. 114
[144] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 322
[145] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 324
[146] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 325
[147] Vgl. Stadt Hannover (2005), S. 5
[148] Stadt Hameln (2000), S. 9 f.
[149] Stadtwerke Flensburg (2005b), S.
2 f.
[150] Vgl. Ramboll Management GmbH
(2005), S. 5
[151] Darüber hinaus handelt die
Stadt Vlotho in vielfältigen
weiteren Rechts- und Organisationsformen, zum Beispiel in
Zweckverbänden, Vereinen, Aktiengesellschaften oder
Genossenschaften,
hat in diesen jedoch keinen bestimmenden Einfluss.
[152] Die strategischen Instrumente
der VWB werden nicht erörtert,
da sich das nachfolgende Konzept für die Strategieimplementierung
im
Wesentlichen auf die Kernverwaltung und die Stadtwerke bezieht.
[153] Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 531
[154] Kellner, Marion (2004), S. 7
[155] Kaplan, Robert S./Norton, David
P. (2004), Vorwort S. IV
[156] Scherer, Andreas Georg (2003),
S. 9
[157] Morganski, B. (2001), S. 94,
zitiert bei: A Hauck, Anne-Katrin (2003), S. 110
[158] Denkbar wären ebenfalls
umfassendere strategische
Geschäftseinheiten (z.B. Produkte Gas, Wärme und Wasser) oder
auch
feinere Unterscheidungen (z.B. Definition eigener strategischer
Geschäftseinheiten für das Netz und für den Vertrieb).
Verschiedene
rechtliche, betriebswirtschaftliche und praktische Erwägungen,
deren
weitere Ausführung den Rahmen dieser Arbeit überschreiten
würde,
begründen für die Stadtwerke Vlotho die
Zweckmäßigkeit der
strategischen Geschäftseinheit Gas und Wärme.
[159] Wibera AG (2002), S. 16
[160] Wibera AG (2002), S. 8
[161] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 562
[162] Vgl. Kaplan, Robert S./Norton,
David P. (2004), Vorwort S. XI
[163] Venzin, Markus/Rasner,
Carsten/Mahnke, Volker (2003), S. 36
[164] Hauck, Anne-Katrin (2003), S. 120
[165] Bea, Franz Xaver/Haas,
Jürgen (2000), S. 214
[166] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 387 ff.
[167] Vgl. Welge, Martin K./Al-Laham,
Andreas (2003), S. 126
[168] Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 35
[169] Kaplan, Robert S./Norton, David
P. (2001), S. 267
[170] Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 253
[171] Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 65
[172] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 65
[173] Die KGSt führt den Punkt
„Handlungsdruck auch für unliebsame
Entscheidungen“ als Nachteil des strategischen Managements auf (vgl.
KGSt (2001), S. 7), was sie vermutlich aus der Sichtweise eines
Bürgermeisters oder Politikers betrachtet. Da ein derartiger
Handlungsdruck aber aus der Sicht der Kommune wünschenswert ist,
wird
dieser Aspekt als Vorteil des strategischen Managements ausgewiesen.
[174] Vgl. Gleißner, Werner
(2003)
[175] Vgl. Bogumil, Jörg (2003),
S. 1 ff.
[176] Die zunächst von der KGSt
avisierte strikte Aufgabentrennung
zwischen Rat und Verwaltung in der Form, dass der Rat die strategischen
Entscheidungen trifft und die Verwaltung die operativen Geschäfte
ausführt, hat sich in der Praxis nicht durchgesetzt (vgl.
Bogumil,
Jörg (2002), S. 4)
[177] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 61
[178] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 65
[179] Gleißner, Werner (2003)
[180] Vgl. Lombriser, Roman/Abplanalp,
Peter A. (2004), S. 65
[181] Vgl. Mintzberg, Henry/Ahlstrand,
Bruce/Lampel, Joseph (1999)
[182] Hinterhuber, Hans H. (2004a), S.
67
[183] Hinterhuber, Hans H. (2004a), S.
31
[184] KGSt (2000), S. 1
[185] Kellner, Marion (2004), S. 7
[186] Bucher, Peter (2001), S. 133
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